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Mobilität:Noch ein E-Scooter-Anbieter

Das niederländische Start-up Dott ist das sechste Elektroroller-Unternehmen auf dem Münchner Markt - und das zweite, das seine Zentrale in Garching eingerichtet hat

In München im Einsatz, in Garching zu Hause: Dott ist nach Tier bereits der zweite E-Scooter-Anbieter, der seine Zentrale in Garching hat. Das niederländische Start-up Dott will nach Paris, Lyon, Brüssel und Mailand nun auch in München ein Netz mit seinen E-Scootern aufbauen, Start soll nächste Woche sein. Für Dienstag hat das Unternehmen zur Eröffnung seiner Werkstatt im Gewerbegebiet Hochbrück geladen. "Wir stehen für Nachhaltigkeit und Transparenz", betont Niederlassungsleiter Konstantin Burger. Garching habe man wegen der guten Anbindung als Standort gewählt, sagt er, "und uns hat auch die Stadt gefallen".

Fünf Anbieter teilen sich den Münchner Scooter-Markt schon, Dott ist der sechste. Nicht jeder schätzt die Roller, die mittlerweile zum Straßenbild in München gehören. Fußgänger schimpfen, weil die Gehwege teilweise zugeparkt sind oder die Roller einfach auf dem Boden liegen. Wohl auch deshalb bemüht sich Burger zu betonen, dass sich Dott an die Regeln halte, die München vorgebe, etwa, dass Roller nach vier Tagen an einem Standort eingesammelt werden und Parkverbotszonen beachtet werden müssen. Wolle ein Nutzer seinen Roller beispielsweise an der Theresienwiese abstellen, so bekomme er per App eine Nachricht, dass es verboten ist. Außerdem würden die Mitarbeiter entsprechend geschult, welche Regeln in München gelten. 14 Beschäftigte zählt Dott in Garching, alles Festangestellte, sagt Burger. Bei Dott gebe es keine "Juicer", die Roller in ihrer eigenen Wohnung aufladen.

Die Roller werden in Hochbrück geladen und gewartet.

(Foto: Catherina Hess)

Zeigt die Anzeige, dass sich die Ladung auf 30 Prozent oder darunter zu bewegt, wird der Roller abgeholt und nach Garching gebracht. Vier Fahrer sind mit Vans unterwegs, in die etwa 40 bis 50 Roller passen. Hinzukommen zwei E-Bike-Fahrer, die auf einem Lastenhänger fünf Roller einsammeln können. Sie sind in der Innenstadt im Einsatz. Steven Lesser ist einer der E-Bike-Fahrer. Er schwärmt von seinem Anhänger, der automatisch bremse und Gas gebe, da merke man die Last gar nicht. Tatsächlich lässt sich der Anhänger auch mit nur einem Finger elegant lenken, wie eine Mitarbeiterin demonstriert. Lesser berichtet von positiven Erfahrungen bei seiner Arbeit, mal abgesehen davon, dass er einmal auf dem Gehweg von zwei Pakettransportern eingeparkt wurde.

Nicht nur E-Bikes nutzt das Unternehmen, um seine Roller zu transportieren, sondern auch einen E-Van. Er ist eine Entwicklung, für die die Deutsche Post und die Technische Universität in Aachen zusammengearbeitet haben. Der E-Van sei "ein Superprojekt, mit dem man viele Dinge machen kann", schwärmt Burger.

Etwa 1100 Scooter will Dott innerhalb des Mittleren Rings verteilen, einige Hundert außerhalb. Noch sind es Modelle ohne austauschbare Akkus, die eingesammelt und in Garching einem, wie es heißt, strengen Check unterliegen. Drei Mechaniker richten die Roller, die kaputt sind. Unter anderem testen sie dafür am "Frankenstein-Brett", welche Teile nicht mehr funktionieren. Dort sind Licht, Bremse, Motor und andere elektrischen Teile des Rollers aufgebaut, der Mechaniker kann so durch Einstecken leicht feststellen, wo der Fehler liegt. Burger sagt, es würden keine Scooter weggeschmissen, alles werde wiederverwertet und recycelt. An den 840 Ladestationen werden die Roller für knapp drei Stunden aufgeladen - mit Ökostrom, wie das Unternehmen betont. Die Lebensdauer schätzt Burger auf zirka 2500 Ladezyklen. Haben die Roller alle Prüfungen überstanden, werden sie wieder aufgestellt.

Mithilfe eines Anhängers mit eigenem Antrieb holt Steven Lesser die Roller in der Innenstadt mit einem E-Bike ab.

(Foto: Catherina Hess)

Für die Zukunft setzt der Betrieb auf die nächste Roller-Generation mit austauschbaren Akkus in der Fußleiste. In Paris seien diese schon im Einsatz, sagt Burger, in München sollen sie bald kommen. Dann könnte der E-Van einfach die neuen Batterien mitnehmen und direkt am Stellplatz austauschen, ein Transport nach Garching wäre dann nicht mehr nötig.

Der Garchinger CSU-Stadtrat und Bürgermeister-Kandidat Jürgen Ascherl nutzte die Eröffnung der Dott-Werkstatt für eine kleine Testfahrt. "Schön wäre es, wenn sie auch in Garching testweise aufgestellt würden", sagte er.

© SZ vom 05.02.2020
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