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Mitten in Unterföhring:Semmeln ohne Datenschutz

Eine Bäckerei zeigt, das personenbezogene Infos wie Namen oder Lieblingsgebäck für Kunden sinnvoll sein können

Mit der seit Mai 2018 geltenden Datenschutzgrundverordnung ist es so manches Mal ein echtes Gefrett: Vereine oder Kitas müssen dafür Sorge tragen, dass die Gesichter von Mädchen und Buben im Internet gepixelt werden, und auch in Drucksachen verstellt ein großes X das fröhlich lachende Gesicht von Kindern und Jugendlichen. Geschwärzte Erinnerungen an die Schulzeit oder die Kreismeisterschaft sind nicht besonders schön, aber immerhin sind die personenbezogenen Daten der jungen Protagonisten geschützt.

Doch auch ältere Semester sind betroffen: Wer zum Arzt geht, wird nicht nur gebeten, seine Gesundheitskarte über den Tresen zu reichen, sondern auch mit seinem Servus auf einem Formular zu bestätigen, dass sie oder er über die Datenschutzrichtlinien der Praxis informiert worden ist. Beim Einkauf im Internet gilt dasselbe - nur online halt. Und lässt man etwa sein Auto zur Inspektion in der Werkstatt stehen, braucht es ebenfalls eine Unterschrift in Sachen Verarbeitung der personenbezogenen Infos.

Wie positiv es aber sein kann, es mit dem Datenschutz nicht zu übertreiben, zeigt eine kleine Bäckerei in Unterföhring. Gleich neben dem Eingang hängt eine mit einem Lachgesicht verzierte Nachricht an die Kunden, auf der Folgendes zu lesen ist: "Datenschutzverordnung. Achtung!!! In unserem Backshop werden Sie auch gelegentlich mit dem Namen angesprochen und wir merken uns, welches Ihre Lieblingssemmel ist. Sollten Sie das nicht wollen, rufen Sie einfach beim Betreten: Ich bin nicht einverstanden! Wir werden dann künftig so tun, als würden wir Sie nicht kennen. Ihre Backwarenecke." Dem Vernehmen nach hat bislang noch niemand von der beschriebenen Möglichkeit Gebrauch gemacht. Wen wundert's. Gibt es doch kaum etwas Schöneres, als in aller Herrgottsfrüh von der einen netten Bäckerin namentlich begrüßt zu werden, während die andere ebenso freundlich einen mit Liebe gemachten Espresso und eine warme Breze über die Theke reicht. Da kann der Tag kommen - sogar für Morgenmuffel, die es um die Zeit noch nicht so mit Daten haben.