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Mitten in Strasslach:Böse Buben werden zurechtgestutzt

Bürgermeister Hans Sienert besteht auf Rückschnitt von Hecken und erntet unflätige Kritik

Von Glosse von Claudia Wessel

Bei der Kommunalwahl im März hat Bürgermeister Hans Sienerth in Straßlach-Dingharting 87,5 Prozent der Stimmen erhalten. Dass er dieses Ergebnis 2026 wiederholen kann, darf man neuerdings bezweifeln. Denn bei einigen Gartenbesitzern hat sich der parteifreie Sienerth kürzlich in die Nesseln gesetzt, wie er im Gemeinderat selbst berichtete.

Franz Ritter von der Unabhängigen Wählergemeinschaft hatte sich nach dem "Rückschnittstatus" der Straßlacher Hecken erkundigt. Sienerth berichtete stolz, dieser sei "besser als in den letzten 300 Jahren". Die Gemeinde hatte nämlich eine groß angelegte Aktion gegen überstehende Heckenzweige gestartet. Alle Sünder bekamen einen Brief. "Wir haben viel geschimpft", bekannte Sienerth, "und das hat mich vermutlich einige Wählerstimmen gekostet." Denn: "Um die bösen Buben zu kriegen, mussten wir auch die anschreiben, die nur fünf Zentimeter Überstand hatten."

Das führte offenbar zu einem kleinen Aufstand einiger Gartenbesitzer, der sich laut Sienerth in "regem Schriftverkehr" äußerte. Dabei hatten die Mitarbeiter der Verwaltung keine Freude, denn die bösen Buben scheuten selbst unflätige Ausdrücke nicht. Einer bezeichnete den mahnenden Verwaltungsangestellten als Hecken-Diktator. Andere versuchten es auf die sanfte Tour und beriefen sich auf den Vogelschutz. Nützt aber alles nichts, die Verwaltung wird hart bleiben. "Wir sind da massiv dran", versprach Sienerth.

Schon bald also werden ausnahmslos alle Straßlacher Hecken sich frisch frisiert präsentieren. Wie nachtragend die gescholtenen Gartenbesitzer sind, wird sich bei der Kommunalwahl in knapp fünfeinhalb Jahren zeigen. Aber vermutlich wird der strenge Bürgermeister dann trotzdem wieder gewählt. Er ist ja in der Regel ohnehin der einzige Kandidat.

© SZ vom 27.10.2020
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