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Mitten in Oberhaching:Geschnür, Bindl und Pinguin

Wer die Wiesnbesucher aus aller Welt sieht, hat's eigentlich schon immer gewusst: Trachten sind auch nur Kostüme

Diesen November jährt sich die Gründung des Trachtenvereins "D'Gleißentaler" zum 115. Mal. Neun "heimatverbundene Männer", so heißt es in der Vereinsgeschichte, zählten damals in Oberhaching zu den Gründungsmitgliedern. Und die haben sich nicht nur selbst bei der Monatsversammlung in Lederhose, graue Joppe und Haferlschuh geworfen, sondern in der Satzung ganz genau festgelegt: Wos ziang mia wann o? Silbernes Gschnür beim Gaufest, blaues Bindl mit Schuber bei der Trachtenwallfahrt, Spenzer mit Rock beim Hoagascht und Miesbacher Buamaschua bei der Plattlerprobe. Eine ernste Angelegenheit.

Die Tracht gehört demnach schon lange zu Oberhaching, kein Fest ohne Miesbacher Burschenhut und grüne Samtwesten. Das passt in einer Gemeinde, die sich der oberländischen Bauweise verschrieben hat, einfach ins Ortsbild. Auch zur Ausstattung des Bürgermeisters gehört eine gewisse trachtennahe Garderobe. Die Lederhose, wenn er mit der Blaskapelle unterwegs ist, ansonsten gerne die Trachtenjacke, wenigstens der leichte Sommer-Stoiber, eine Leinenjacke im oberbayerischen Look, gehört zur Arbeitskleidung von Politikern. "Wer schleicht in Bayern umanand auf Standortsuach im Trachtengwand?" hat die Biermösl Blosn einst gedichtet. Alles ganz normal.

So wird man sich in Oberhaching am vergangenen Wochenende beim "Großen Kinder- und Babybasar St. Franziskus" doch etwas über die Einsortierung der Trachtenkleidung gewundert haben. Wer nach Lederhosen und Dirndl Ausschau hielt, wurde unter der Rubrik "Kostüme" fündig. Auf einem Tisch mit Pinguin, Drachen und Prinzessin. Auch die Schwangerschafsbekleidung haben sie gleich dazu gepackt. Wie D'Gleißentaler das finden, ist nicht bekannt. Aber vielleicht haben sie es ja schon immer gewusst, dass da etwas gewaltig schiefläuft. Vor allem zur Wiesnzeit, wenn die ganze Welt versucht, sich als Oberbayern zu verkleiden, aber eigentlich kläglich scheitert. Vielleicht sollten die Oktoberfestbesucher es mal als Pinguin versuchen.