Mitten in Ismaning:Gemischte Gefühle für die neue Realität

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Die Film- und Fernsehindustrie rüstet in einem Studio im Mediepark weiter auf und es stellt sich einmal mehr die Frage: Was ist noch echt?

Glosse von Claudia Wessel

Man ist zu Hause, wo früher, also vor fast zwei Jahren, die Welt an den Zimmerwänden, an der Wohnungstür, an den Fensterscheiben endete. Drinnen war drinnen und draußen war draußen. Dorthin gelangte man, indem man die Tür öffnete, die Füße vor diese setzte und sodann unter freiem Himmel oder unter Straßenlaternen wandelte, wo man anderen Menschen begegnete und mit ihnen interagieren konnte. Draußen war man quasi auf Empfang geschaltet für fremde Wesen, drinnen sozusagen offline und nur für den Haushund zu sprechen.

Inzwischen haben sich die Realitäten komplett vermischt. Man ist zu Hause und trotzdem dringt die mahnende Stimme des Chefs via Teams ins Ohr, als stünde er neben einem. Man ist zu Hause und trotzdem erquickt einen die meditative Ausstrahlung der Yoga-Lehrerin via Zoom, die Grenzen sind verschwommen, die Realitäten verschmolzen, wir alle leben nunmehr schon längst in einer "Mixed Reality".

Kein Wunder also, dass auch die Film- und Fernsehindustrie in Sachen "Mischung aus physischer und digitaler Welt" weiter aufrüsten muss, weshalb in Ismaning nun ein "Mixed-Reality-Kompetenzzentrum" entsteht. Im neuen Studio im Medienpark Ismaning - Fläche 360 Quadratmeter, Höhe sieben Meter, Stage mit verschiedenen 3D-Szenen - kann man nun alles produzieren, was der Bildschirm auch bisher liefert, nur wird die physische Umgebung in den seltensten Fälle echt sein. Nicht umsonst posieren Stephan Schenk, General Manager von Arri, und Jens Friedrich von der Plazamedia Gmbh auf dem Pressefoto entspannt lächelnd in Anzug und Büroschuhen auf Bergeshöh' vor spitzen Zinnen.

Alles ist möglich in diesem Studio, man kann Magazine, Sportsendungen, Quizshows hier produzieren, ja und auch die viel geliebten Talkshows mit ihren Dauergästen. Sicher ist es auch möglich, die physische Anwesenheit bestimmter Teilnehmer nur zu simulieren. Bei einigen Kandidaten eine beruhigende Vorstellungen. Alles nur ein Computerspiel, bei dem man jederzeit eine Taste drücken kann, und dann: Game over.

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