Leserdialog Krösusse und ein paar Kröten

Die Allianz gehört zu den Garanten des Unterföhringer Erfolgs - als Arbeitgeber und wichtiger Gewerbesteuerzahler.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Unterföhring, Ismaning und Garching melden regelmäßig Rekorde bei den Gewerbesteuereinnahmen und treiben teure Infrastrukturprojekte voran. Mit Neid blicken die Oberschleißheimer auf die reichen Nachbarn - noch

Von Irmengard Gnau, Unterföhring

Einen neuen Sportpark mit Hallenbad, einen 149 Millionen Euro teuren Schulcampus, ein schickes neues Forschungs- und Wohnviertel, neue Schulgebäude, Lärmschutzwände an der Autobahn - betrachtet man nur einen Ausschnitt dessen, was die Kommunen Unterföhring, Garching und Ismaning in den kommenden Monaten planen, wird das Bild vom prosperierenden Landkreis München ziemlich rasch greifbar. Aus dem Oberschleißheimer Rathaus blickt da mancher vielleicht ein wenig neidisch hinüber. Die finanzielle Ausstattung der Schlösserkommune erlaubt solche Großprojekte selten. In einer Sache sind Garching, Unterföhring und Ismaning da klar im Vorteil: Die drei Nordkommunen dürfen sich Jahr um Jahr über kräftige Einnahmen aus der Gewerbesteuer freuen, was die Umsetzung der Infrastrukturprojekte erleichtert. Deswegen ist das stete Ringen der Kommunen um Gewerbeansiedlungen verständlich, aber es birgt auch Streitpotenzial in den stets dichter besiedelten Orten, in denen die Bürger um Erholungs- und Freiflächen kämpfen. Auch das könnte ein Thema beim Lesercafé der SZ sein.

Unterföhring liefert sich bei den Gewerbesteuereinnahmen regelmäßig mit Grünwald einen Kampf um den Spitzenplatz im Landkreis. 2015 meldete die Gemeinde gar einen Rekordwert von 182 Millionen. Ganz so hoch wird der Wert diesmal wohl nicht ausfallen; für das Haushaltsjahr 2019 veranschlagt die Kämmerei aber immerhin 90 Millionen Euro. Da muten die knapp sechs Millionen Euro, die Oberschleißheims Kämmerei der Gemeinde für dieses Jahr prognostiziert wie ein paar Kröten an. Der Löwenanteil in Unterföhring fließt aus dem Medienpark, wo sich seit den Fünfzigerjahren immer mehr Unternehmen aus der Film- und Fernsehbranche angesiedelt haben. Die prominenten Bauten des Bayerischen Rundfunks, von ProSieben-Sat 1 oder Sky prägen das Bild und haben Unterföhring nicht zuletzt zum Beinamen "Mediengemeinde" verholfen. Mit der neuen Zentrale der Allianz ist 2016 ein weiterer Global Player dazugekommen. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) sagt gern, er sehe sich als Bürgermeister der gut 11 000 Unterföhringer ebenso wie der mehr als 20 000 Arbeitnehmer im Ort. Die Unternehmensdichte bringt der Gemeinde allerdings nicht nur Steuereinnahmen, sondern auch Herausforderungen - allen voran wenn sich nach Feierabend eine Autolawine gen München in Gang setzt und die Straßen blockiert.

An den Gewerbesteuer-Krösus Unterföhring reichen Garching und Ismaning nicht heran. Die beiden Kommunen können aber eine sehr stabile Unternehmensstruktur vorweisen - Ismaning kalkuliert 2019 mit Gewerbesteuereinnahmen von 55,8 Millionen Euro, Garching mit 38 Millionen. Ismaning wirbt mit seiner guten Infrastruktur. Die beiden Gewerbegebiete am Lenzenfleck und im Osterfeld haben eine lange Geschichte und liegen fußläufig zu Geschäften und anderen Einrichtungen. Gerade im Osterfeld versteckt sich manch international agierende Firma, etwa aus der IT-Branche. Der Agrob-Gewerbepark, einst industrielle Ziegelei, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Standort für Medienunternehmen entwickelt, unter anderem Arri, Antenne Bayern und Sport 1 sind dort beheimatet. Jüngst wurde der Vorschlag laut, das Gebiet des Agrob-Parks noch auszuweiten.

In Garching ist man stolz auf seinen Branchenmix, vom Hightech-Unternehmen bis zum Handwerksbetrieb finde sich alles, wirbt die Stadt. Seit 2005 entsteht zwischen Garching und Hochbrück außerdem der größte Büro- und Dienstleisterpark im Landkreis. Auf dem Business Campus sollen einmal 8000 Menschen arbeiten. Neben den Firmengebäuden entstehen Geschäfte, Lokale, Fitnesscenter und Kitas - ein voll funktionstüchtiges, modernes Arbeitsviertel. Daneben lockt das Gründerzentrum Gate junge IT-Start-ups, sich in der Nähe der TU niederzulassen.

Oberschleißheim kann da nicht recht mithalten. Zwar hat man mit der Schreiner Group ein weltweit agierendes Unternehmen am Ort, ansonsten beschränkt sich das Gewerbe auf wenige innerörtliche Flächen. In Zukunft soll das aber nicht so bleiben: Für die Ansiedlung der tierärztlichen Fakultät der Universität hatte Oberschleißheim mit dem Freistaat einen Flächentausch vereinbart, um so westlich des Orts an der Dachauer Straße neue Flächen für Gewerbe ausweisen zu können. Außerdem ist immer noch im Gespräch, dass sich BMW auf einem Gebiet zwischen Ober- und Unterschleißheim ansiedelt. Auch das könnte die Haushaltsplanungen in Oberschleißheim künftig positiv beeinflussen.