Landtagswahl Bitte recht freundlich

Aufreger sind die Plakate in diesem Wahlkampf wahrlich nicht. Sie sind eher kreuzbrav und die Kandidaten lächeln fröhlich - auch jene im Umfragetief

Von Martin Mühlfenzl

Wahlkämpfer müssen wissen, was die Menschen da draußen bewegt - welche Themen ihnen am Herzen liegen. Die Partei "Die Partei" - die ja eigentlich Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative heißt - hat im vergangenen Bundestagswahlkampf ein Thema entdeckt, das die Konkurrenz noch nicht auf dem Schirm hatte: "Dönerpreisdrosselung jetzt! Großer Döner für maximal 3,50 Euro!", plakatierte die Partei des Satirikers Martin Sonneborn. Mit scharf natürlich.

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Den Ausflug ins Kulinarische wagen die Parteien im Landkreis München im Landtagswahlkampf nicht. An der notwendigen Schärfe aber fehlt es zumindest dem CSU-Direktkandidaten im Stimmkreis München-Land Nord, Ernst Weidenbusch, nicht. "Franz Josef Strauß würde niemals Nazis wählen", plakatiert der Haarer und attackiert damit die AfD frontal, ohne sie auf seinen Aushängen beim Namen zu nennen. Das war es dann aber schon mit wirklich Herzhaftem auf den Plakaten der Kandidaten in den beiden Stimmkreisen des Landkreises. Von Rote-Socken-Kampagnen oder plumpen Sprüchen wie "Kriminalität verbieten", den die Bayernpartei vor zehn Jahren auf Papier druckte, keine Spur.

Eher kreuzbrav kommen die Werbetafeln heute daher; fröhliche und vor allem zuversichtliche Gesichter strahlen die potenziellen Wähler von den Plakatwänden her an - selbst jene Kandidaten, die konsequent im Umfragetief feststecken, zeigen ihr schönstes Urlaubsfoto-Gesicht. Manche prahlen zusätzlich damit, sie könnten endlich mal Fakten ins Maximilianeum bringen, andere tragen ganz Bayern im Herzen, präsentieren sich als gute Zuhörer - oder verzichten gleich ganz auf eine politische Aussage oder Forderung.

Das ist aber immer noch besser als einst der Werbespruch eines CSU-Stadtratskandidaten im Fränkischen. "Chabos wissen, wer der Babo ist", plakatierte der Jungspund. Das verstehe, wer will.