Landkreis An der Außenlinie

AfD und Linke wollen erstmals auf lokaler Ebene antreten

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Die beiden Antipoden haben mehr gemeinsam, als ihnen lieb sein dürfte: ihre strukturelle und organisatorische Schwäche im Landkreis München, ihre bisher fehlende Präsenz in den Kommunalparlamenten - und ihr Wille, genau dies bei der Kommunalwahl in einem Jahr zu ändern. Die Rede ist von AfD und Linke, die beide bisher in der Kommunalpolitik keine Rolle spielen.

Dass die beiden politischen Extreme im Landkreis München reüssieren können, haben sie indes bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 gezeigt. Die Linke nahm im Wahlkreis München-Land knapp die Fünf-Prozent-Hürde (5,1 Prozent), die AfD kam landkreisweit gar auf 9,4 Prozent der Zweitstimmen. Seitdem vertreten sogar zwei Abgeordnete - wenn auch eher unbemerkt - die beiden Parteien im Deutschen Bundestag: die Münchnerin Eva Schreiber die Linke und Gerold Otten aus Putzbrunn die AfD.

Die Kommunalwahl aber, sagt Otten, stelle seine Partei vor ganz andere Herausforderungen. "Kommunalwahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen", sagt er - aus Sicht des Wählers, aber auch für jene, die sich womöglich zur Wahl stellen wollen. "Wer für uns antreten will, muss sich gewissermaßen outen. Für den ein oder anderen ist es schon noch ein Schritt, sich zu uns zu bekennen." Dennoch wollen die Rechtspopulisten im Landkreis versuchen, in die Breite zu wachsen; ein Vorhaben, das durch eine Entscheidung der Bundespartei allerdings ein wenig erschwert worden sei, sagt Otten. "Nach dem Beschluss eines Satzungsparteitags braucht es zur Gründung eines AfD-Ortsverbands mittlerweile sieben Mitglieder. Das macht es nicht einfacher."

Etwa 140 Mitglieder zählt die AfD derzeit im Landkreis München, organisiert sind diese nur in einem Ortsverband: dem Zusammenschluss Haar-Grasbrunn-Putzbrunn. Auch deshalb, sagt Otten, "werden wir auf jeden Fall mit offenen Listen in die Kommunalwahl gehen". Sympathisanten ohne Parteibuch solle so der Schritt erleichtert werden, sich aufstellen zu lassen. "Sicher treten wir bei der Kreistagswahl und für den Gemeinderat in Putzbrunn an. Darüber hinaus werden wir sehen, wo wir Chancen haben und die Eigenheiten in den einzelnen Kommunen analysieren", sagt Otten.

Den Weg in die Städte und Gemeinden, an die Basis, wird auch die Linke erst noch finden müssen. Wenn der Kreisvorsitzende Ates Gürpinar sagt, es müssten "neue Strukturen" aufgebaut werden, trifft das den Kern des Problems der Partei. Denn bisher wird der bevölkerungsreichste Landkreis des Freistaats vom Kreisverband in der Landeshauptstadt mit betreut. Es gibt von Unterschleißheim bis Grünwald keinen eigenständigen Ortsverband und die Partei zählt im Landkreis gerade einmal 55 Mitglieder. Natürlich sei das erst ein Anfang, sagt Gürpinar: "Aber die Zahl der Mitglieder hat sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt." Im kommenden Jahr, sagt der Kreisvorsitzende, sei wichtig, "dass sich die Leute vor Ort zusammentun, die etwas bewegen wollen. Wir wollen das nicht von oben herab beschließen."

Hoffnungen setzt der Kreisvorsitzende dabei etwa in den Garchinger Robert Hamm, 29, der sich bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober als Direktkandidat der Linken im Stimmkreis München-Land Nord versuchte. "Wir brauchen Experten wie ihn vor Ort, um Strukturen aufzubauen", sagt Gürpinar. In wie vielen Kommunen die Linke um Sitze kämpfen wird, sei noch nicht ausgemacht: "Das werden wir in den kommenden Monaten klären. Bei der Kreistagswahl werden wir aber sicher antreten. Das wollen wir flächendeckend in Bayern in den Landkreisen hinbekommen."

Wie die AfD will die Linke im Landkreis mit offenen Listen um Kandidaten werben. Eher unwahrscheinlich ist hingegen, dass die beiden Antipoden Bewerber für das Amt des Landrats ins Rennen schicken werden. Das sei ein "eher aussichtsloser Kampf", sagt Otten - und mit finanziellem Aufwand verbunden, der nicht gerechtfertigt sei.