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Kulturprogramm:Das verflixte zehnte Jahr

Offiziell eröffnet worden ist das rund 30 Millionen Euro teure Bürgerhaus am 27. September 2010. Im September 2020 soll sich nun nach der unfreiwilligen Veranstaltungspause der Vorhang für die neue Spielzeit öffnen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im Bürgerhaus Unterföhring mussten einige Jubiläumspläne verworfen werden. Jetzt regt sich das kulturelle Leben wieder, und das Projekt der Bürgerbühne im Herbst scheint gerettet

Von Udo Watter, Unterföhring

Unter den kleinen und größeren Kulturtempeln des Landkreises ist das Bürgerhaus Unterföhring das jüngste Kind. Das Gebäude, das mit seiner Glasfassadenfront sowie den großformatigen, rot eloxierten Aluminiumtafeln einen hohen Schauwert besitzt und nicht ganz billig war, hat gerade mal die Anfänge der Pubertät erreicht: Im September wird es zehn Jahre alt. Kleinere Schönheitsreparaturen drängten sich freilich trotz des geringen architektonischen Alters im Haus an der Münchner Straße 70 auf - und diese zu realisieren, war einer der wenigen angenehmen Nebeneffekte der coronabedingten Veranstaltungspause in den letzten Monaten: Den Granitboden im Foyer neu zu verfugen und das Lager auszuräumen, gehörte (neben Revisionsarbeiten) zu den Aufgaben, die erledigt wurden. "Die Hausmeister waren glücklich", sagt die Unterföhringer Kulturamtsleiterin Barbara Schulte-Rief. Zu tun gab es für das Team des Bürgerhauses also genug - die Veranstaltungstechniker etwa lieferten Bücher aus der Bibliothek aus - und Schulte-Rief war ebenfalls gut beschäftigt, allerdings waren die zurückliegenden Monate für sie primär eine Zeit mit hohem Frustfaktor. "Es war zermürbend. Wir haben ja im Jubiläumsjahr so viele Pläne gemacht und mussten so vieles wieder verwerfen." Das Veranstalterdasein sei unter diesen Rahmenbedingungen ein Dilemma und die Situation zahlreicher Künstler sei ihr an die Nieren gegangen.

Die Hoffnung schimmert aber inzwischen wieder am Kulturhorizont, auch in Unterföhring läuft der Veranstaltungsbetrieb langsam an. Die Bibliothek im Haus ist wieder offen, vergangene Woche gab es ein Orgelkonzert im Ort, an diesem Freitag wird im Foyer des Bürgerhauses eine Ausstellung mit Musikerporträts des Fotografen Olaf Dankert eröffnet. Zudem startet das Kulturamt bald eine Open-Air-Kinoreihe: "Wir haben versucht, unter den aktuellen Gegebenheiten neue Räume zu erschließen", sagt Schulte-Rief. Das Freiluft-Kino soll auf der Wiese hinter dem Bürgerhaus erstehen, dort wird sich das cineastische Geschehen auf einer aufblasbaren Leinwand abspielen, die Zuschauer können das Ganze von Liegestühlen aus genießen. Los geht es am Wochenende 17. bis 19. Juli. An drei Abenden laufen die Filme "Green Book", "Der Junge muss an die frische Luft" und "Grease". Bei schlechtem Wetter werden die Vorstellungen in den Saal des Bürgerhauses verlegt. Im August folgen weitere Vorstellungen - unter anderem wird der Komödienklassiker "Manche mögen's heiß" gezeigt.

Vieles ist ausgefallen und aufs kommende Jahr verlegt worden, auch die Freunde des renommierten Internationalen Jazzweekends - ursprünglich terminiert auf 16. bis 20. Juli - müssen heuer Verzicht üben. Immerhin soll sich aber im September der Vorhang zur neuen Spielzeit öffnen, soweit planbar hat das Bürgerhaus-Team um Schulte-Rief und Florian Nagel ein breites, abwechslungsreiches Veranstaltungsangebot unter einschränkenden Rahmenbedingungen fest gezurrt. "Natürlich ist das alles unter Vorbehalt", sagt sie. Ein Highlight im Jubiläumsjahr sollte Ende Oktober das neue Projekt der Bürgerbühne Unterföhring werden unter der Ägide von Regisseurin und Theaterpädagogin Anschi Prott: eine Realsatire auf Unterföhringer Verhältnisse, inspiriert von der BR-Sendung "Königlich Bayerisches Amtsgericht". Problem war, dass sich die rund 30 beteiligten Gemeindebürger - Laienschauspieler im Alter zwischen 14 und 65 Jahren - in den zurückliegenden Monaten nicht zum gemeinsamen Proben treffen konnten und Massenszenen auf der Bühne ohnehin schwer vorstellbar waren. Einige Beteiligte schlugen vor, das Projekt auf Eis zu legen und besser erst 2021 zu verwirklichen. "Es gab aber auch ein paar Hochmotivierte, die wollten es unbedingt dieses Jahr durchziehen", erzählt Schulte-Rief.

Die setzten sich durch: In alternativer, verkleinerter Version wird das Stück nun voraussichtlich mehrmals im Oktober gezeigt. Es wird eine Kombination aus "Valentinaden" von Philip Arp und dem "Königlich Bayerischen Amtsgericht" - theatergerecht noch mal umgeschrieben von Anschi Prott, die schon für die erste Version verantwortlich zeichnete. Die Crew wird deutlich kleiner sein, zwischen sieben und neun Akteure werden mitwirken. Die Proben sollen im September beginnen, die Premiere ist nach wie vor auf den 24. Oktober terminiert, angesichts der wegen Corona verringerten Zuschauerkapazität im Bürgerhaus wird es wohl mehrere Vorstellungen als geplant geben. Ursprünglich vorgesehen war für das Jubiläumsjahr auch ein Zirkus- und Varieté-Festival, es sollte ein Höhepunkt werden, eine Realisierung ist aber angesichts von 3000 erwarteten Zuschauern nicht möglich. Es ist in mancherlei Hinsicht ein verflixtes zehntes Jahr.

Infos unter www.buergerhaus-unterfoehring.de

© SZ vom 03.07.2020

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