Kreis und Quer:Die Jagdzeit ist eröffnet

Nach der Wahl ist vor der Wahl - auch die Granden, Platzhirsche und Posterboys der CSU müssen strategisch vorausschauen

Kolumne von Martin Mühlfenzl

Irgendwo da draußen gibt es sicher einen Buben, der kurz vor dem Schlafengehen noch einmal einen schmachtenden Blick auf das Poster an der Wand wirft, auf das Abbild seines Idols, und dabei denkt: "Mei, Markus, irgendwann möchte ich einmal werden wie du und erreichen, was du erreicht hast." Vorsitzender der CSU, bayerischer Ministerpräsident, ewiger Stachel im Fleische der CDU. Und irgendwann vielleicht sogar noch mehr - der erste Bayer, der der CSU angehört, im Kanzleramt.

Dieses Ziel ist dem Mann, der einst als Poster über dem Bett des jugendlichen Markus Söder hing, verwehrt geblieben. 1980 kehrte der Posterboy Franz Josef Strauß nach der Bundestagswahl geschlagen nach Bayern zurück und wurde wieder, was Söder heute noch ist, aber schon aufgrund des eigenen Egos sicher nicht auf Ewigkeit bleiben will: Ministerpräsident. Schon in zwei Jahren (ja, so lange hält es Söder schon mit Aiwanger aus) wählen die Bayern eine neuen Landtag; eine Wahl, die Söder wird gewinnen müssen, wenn es 2025 etwas werden soll mit der Kanzlerkandidatur.

Zu weit vorausgedacht? Mitnichten. Und diese Gedankenspiele dürften auch im Landkreis so einigen durch den Kopf gehen. Ernst Weidenbusch zum Beispiel, Noch-Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis-Nord und seit geraumer Zeit auch Präsident des Bayerischen Jagdverbands; qua Amt also einer, der ganz genau darauf achtet, wer ihm da so vor die Flinte läuft. Einerseits natürlich von der Konkurrenz, die ihm bei der Landtagswahl vor drei Jahren in Person des Grünen Markus Büchler bedrohlich auf die Pelle gerückt war, aber natürlich auch aus dem eigenen Lager. Denn es ist nicht auszuschließen, dass aus der eigenen Partei vielleicht ein Jüngerer (oder eine Jüngere) Jagd auf den Jäger machen wird und ihm das Mandat streitig machen will. Das liegt in der Natur der Sache, vor allem in einer Partei, die sich - so komisch das in diesen Zeiten klingen mag - unter ihrem Parteichef selbst das Prädikat "neu" verliehen hat.

Und dann gibt es da ja noch die bisher unangefochtene Landtagsabgeordnete aus dem südlichen Stimmkreis: Kerstin Schreyer, Bayerns Bauministerin, die zweifellos als absoluter Stabilitätsanker und feste Bank in Söders Kabinett bezeichnet werden darf. Aber auch Schreyer musste bei der letzten Landtagswahl einsehen, dass der Gewinn von Direktmandaten für die CSU im Landkreis künftig wohl keine absolute Selbstverständlichkeit mehr sein wird. Oder wie sie es selbst 2018 ausdrückte: "Da sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen."

Auch in der CSU wird in der nahen Zukunft viel in Bewegung geraten, es werden neue Gesichter nach vorne drängen - und alte verdrängen. Das gehört zum Wesen einer Partei. Nur die allerwenigsten werden überhaupt noch den Strauß überm Bett hängen haben. Und wie lange der Söder da noch hängen wird? Bis ein frischeres Gesicht die Herzen des Parteinachwuchses erwärmen wird.

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