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Kommentar:Zu schön, um wahr zu sein

Die Frage ist, ob ein Verein eine Einrichtung wie das Further Naturbad leiten kann, die Professionalität erfordert

Viele beneiden Oberhaching zu recht um sein Naturbad in Furth. Es ist ein wunderschöner Ort, um an heißen Sommertagen abzukühlen und sich zu erholen. Auch ist die Idee bestechend, das Bürgerbad den Menschen in die eigene Verantwortung zu übertragen. Die Identifikation mit dem Bad ist am Ort hoch. Mehr als 3000 Mitglieder zählt der Verein und viele bringen sich mit Freude in ihr gemeinsames Projekt ein und kümmern sich um das Bad. Doch jetzt stellt sich die Frage, ob es nicht zu ehrgeizig war, die Verantwortung einem Verein zu übertragen und das Ganze in ehrenamtliche Hände zu legen.

Denn der Betrieb des Bades hat sich längst zu einer Aufgabe entwickelt, die allen Beteiligten ein hohes Maß an Professionalität abverlangt. Es gilt, viele Auflagen zu erfüllen, die Badesicherheit zu gewährleisten und Arbeiten zu erledigen, die allein ehrenamtlich nicht zu stemmen sind. Und dann muss auch noch zwischen den Akteuren die Chemie stimmen, sonst droht alles zusammenzubrechen. Wie fragil das Konstrukt ist, zeigt sich jetzt, da die Stelle des inoffiziellen Betriebsleiters neu zu besetzten ist. Das ist kein Job von 9 bis 17 Uhr. Bisher füllte jemand die Rolle aus, der mehr zu leisten bereit war, als man von einem Angestellten erwarten darf.

Das Rathaus steht nun auch vor der Frage, ob es sich stärker einbringt oder nicht. Bürgermeister Stefan Schelle setzt auf ein "Weiter so". Es hat ja zehn Jahre funktioniert. Ob das weiter gilt, ist offen.

© SZ vom 19.02.2020
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