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Kommentar:Geld ist zum Investieren da

Besser als ein prall gefüllter Rücklagentopf sind Ausgaben zum Wohle der Ismaninger Bevölkerung

Mancher Gemeinderat ist letztens in Unterföhring zusammengezuckt, als er sich die Entwicklung der Finanzen in der reichen Kommune anschaute. Der vor sechs Jahren mit fast 500 Millionen Euro gut gefüllte Geldspeicher hat sich beinahe geleert. Bis zum Jahr 2023 werden davon 35 Millionen Euro übrig sein. Statt über ein hohes Guthaben verfügt die Gemeinde dann aber über einen Schulcampus mit Gymnasium, Grundschule, Hort, Mittagsbetreuung und Sporthalle. Einen Sportpark wird es geben und manches mehr. Ein modernes Haus für Volkshoch- und Musikschule hat die Gemeinde bereits gebaut. Unterföhring verändert sich.

Die Verantwortlichen im Rathaus haben recht, wenn sie derart investieren und mit ihren Möglichkeiten auf veränderte Bedürfnisse reagieren. Auch wenn man im Einzelnen streiten kann, ob es sinnvoller wäre, Wohnungen zu bauen als einen Feststadel, stimmt die Richtung. Der Landkreis München ist High-Tech-Region. Hier gibt es Top-Unternehmen und Spitzen-Arbeitsplätze. Menschen zahlen viel Geld für Immobilien und Mieten. Sie wollen dafür auch gute Schulen, hochwertige Kindertagesstätten und attraktive Freizeitmöglichkeiten. Diesen Anspruch gilt es zu erfüllen.

Doch viele andere Gemeinden tun sich ungleich schwerer damit. Sie sind wie Unterföhring mit den Erwartungen einer wachsenden Bevölkerung konfrontiert, ohne über ähnliche Mittel zu verfügen. Das ist besonders jetzt in den ersten Wochen des neuen Jahres wieder zu beobachten, wenn die Etats und die mittelfristige Finanzplanung beraten und beschlossen werden. Dabei zeigen die Beispiele von Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Oberschleißheim oder Taufkirchen: Richtig arm ist im Landkreis keine Kommune. Selbst die weniger wohlhabenden Kommunen haben kaum oder keine Schulden. Dennoch ist die Sorge begründet, dass die Herausforderungen die eigene Leistungsfähigkeit übersteigen.

Der Fall Unterföhring, wo Hunderte Millionen Euro ausgegeben werden, zeugt von der Größe der Aufgabe, vor der alle stehen. Wer wünscht sich nicht einen Bahntunnel, wie ihn Unterföhring seit vielen Jahren hat? Der größte Fehler wäre aber, verzagt aufzugeben. Vielmehr ist in den Rathäusern Mut gefragt, auch Schulden zu machen. Es geht um Investitionen in die Zukunft.

© SZ vom 18.02.2020 / Besser als ein prall gefüllter Geldspeicher sind Investitionen in die Zukunft Ismanings
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