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Klimaschutz:Zehn Euro für ein besseres Gewissen

Zukunftsaktie zur Kompensation von CO₂-Emissionen geht 2021 in den Handel

Von Stefan Galler, Landkreis

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da hat der Kreistag des Landkreises München die Einführung einer "Zukunftsaktie" beschlossen, durch deren Kauf Bürger, Unternehmen und die 29 Kommunen dazu beitragen können, einen klimaneutralen Landkreis mitzugestalten. Vergleichbar mit der Ausgabe von Wertpapieren am Kapitalmarkt will der Landkreis auf diese Weise Geld generieren, das in Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel gesteckt werden soll, auf lokaler wie auf globaler Ebene. In seiner Sitzung am Montag im Feststadl in Aschheim hat der Kreisausschuss die Vertreter des Landkreises für ein dem Projekt zugeordnetes Lenkungsgremium benannt und zugleich Kenntnis genommen vom aktuellen Stand des Projektes Zukunftsaktie.

Demnach plant der Landkreis die Etablierung dieser Kompensationsmaßnahme zusammen mit dem operativen Umsetzer, der Energieagentur Ebersberg-München GmbH für den Beginn des kommenden Jahres. Eine Zukunftsaktie kann dann für zehn Euro erworben werden, was einem Einsparwert von Emissionen in Höhe von einer Tonne CO₂ gleichgesetzt wird.

Jeder Käufer, egal ob Privatperson, Unternehmen oder öffentliche Institution, kann entscheiden, in welcher Höhe der persönliche CO₂-Fußabdruck durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten ausgeglichen werden soll. Dabei fließen von den zehn Euro pro Aktie 1,40 Euro in die Verwaltung, 1,60 Euro beträgt die Mehrwertsteuer; 3,50 Euro gehen an lokale klimawirksame Maßnahmen, die Treibhausgasemissionen im Landkreis reduzieren.

Weitere 3,50 Euro fließen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. Beim Kauf einer Aktie kann in beiden Kategorien aus einem Angebotsportfolio gewählt werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, den Beitrag direkt an den eigenen Emissionen auszurichten und diese somit zu kompensieren. Die Energieagentur Ebersberg-München fungiert als Anbieter und Verkäufer der Aktie, sie wählt geeignete Klimaschutzprojekte aus und prüft deren Umsetzbarkeit. Sollten sich Projekte als nicht realisierbar erweisen, ist die Agentur gleichzeitig auch für deren Stilllegung zuständig.

Was den Lenkungsbeirat für den klimaneutralen Landkreis angeht, so stimmte der Kreisausschuss am Montag über dessen Vertreter aus der Kreispolitik ab. Nachdem der Ausschuss für Energie und Umwelt bereits im Juni auf SPD-Antrag eine Erweiterung der Sitze in diesem Gremium von drei auf fünf beschlossen hatte, wurden nun Anton Stürzer, Josef Hornburger (beide CSU), Oliver Seth (Grüne), Max Kraus (Freie Wähler) und Ingrid Lenz-Aktas (SPD) gewählt. Ebenfalls im Lenkungsausschuss vertreten sind Kreisbäuerin Sonja Dirl, die Wissenschaftler Anne von Streit von der Ludwigs-Maximilians-Universität und Kai Zosseder von der TU München. Christina Hüge-Hornauer vom Bund Naturschutz, Alexander Schulze vom Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk (Carmen) sowie ein Vertreter der IHK, der erst noch benannt wird.

Während Kritiker die Idee als "modernen Ablasshandel" abtun, ist man im Landratsamt vom Erfolg der Zukunftsaktie überzeugt. Die Dividende sei eine "enkeltaugliche und lebenswerte Zukunft", so Christian Wolf, Leiter des Sachgebiets Energie und Klimaschutz, bei der Vorstellung des Grundkonzepts im vergangenen Jahr.

© SZ vom 14.07.2020

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