Kirchheim:Von der Zwischennutzung zum Verein

Kirchheim: Beim Gründungsfest des neuen Kunstraum-Vereins gab es auch Aktionen für Kinder.

Beim Gründungsfest des neuen Kunstraum-Vereins gab es auch Aktionen für Kinder.

(Foto: Privat)

Der Kunstraum im ehemaligen Postgebäude soll eine feste Größe in Kirchheim werden

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Gerade in schwierigen Zeiten kann Kunst ein Anker sein: Kreativität weitet den Blickwinkel, ist für viele ein Ausgleich zum Stress. Kunst kann "einen Raum im Kopf der Leute eröffnen", wie Jochen Zimpelmann vom Kunstraum Kirchheim sagt. Im November 2019 vom Kirchheimer Künstler Roman Hummitzsch gegründet, sollte das Projekt zunächst nur eine Zwischennutzung für die leer stehenden Räumlichkeiten im ehemaligen Postgebäude sein. Das Atelier, in dem die Bürger dazu ermuntert werden sollen, selbst Kunst zu machen, kam jedoch so gut an, dass es bleiben durfte. Nun soll der Kunstraum zum Verein umgewandelt worden. Der Antrag liegt laut Zimpelmann noch beim Registergericht, doch am Samstag wurde die Gründung bereits mit einem Fest in den Räumlichkeiten am Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz 4 gefeiert.

Man wolle ein Signal setzen, dass man die schwierige Zeit überstanden habe, sagt Zimpelmann, der in dem neuen Verein die Funktion des Zweiten Vorsitzenden übernehmen wird. Im Lockdown habe man die laufenden Kosten weiterhin tragen müssen, die Unterstützung der Kirchheimer habe den Kunstraum jedoch über Wasser gehalten - finanziell durch den Kauf von Gutscheinen für spätere Kurse, aber auch moralisch. "Die Leute haben immer wieder nachgefragt, wann es weitergeht." Das gab dem Team laut Zimpelmann die Motivation, durchzuhalten: "Wir müssen weitermachen, weil die Menschen es wollen."

Der Kunstraum will gestärkt in die Zukunft blicken. Dabei soll die Umwandlung in einen Verein helfen. "Wir stellen das Projekt auf eine breitere Basis, mit mehr Leuten und mehr Engagement", erläutert Jochen Zimpelmann. Die Kursteilnehmer seien künftig nicht mehr nur Kunden, sondern Mitglieder "und damit Teil des Ganzen". Die Initiatoren hätten schon immer Wert auf die Mitgestaltung der Teilnehmer gelegt, indem sie beispielsweise ihre Kurswünsche berücksichtigt hätten. Diese Strategie soll auch in Zukunft weiterverfolgt werden. Nicht zuletzt die besseren Fördermöglichkeiten, die ein Verein gegenüber einem losen Zusammenschluss habe, ermöglichen es laut Zimpelmann, das Angebot des Kunstraums sukzessive auszubauen.

Einen besonderen Fokus wolle man dabei auf Kurse für Kinder legen, die bisher nur in geringem Maße stattfinden. Zudem soll es künftig mehr musikalische Angebote geben. Bislang sei vor allem der künstlerische Bereich sehr vielfältig, sagt Zimpelmann: Von klassischem Malen und Zeichnen über Schweißen bis hin zum Brotbacken kann man im Kunstraum vieles ausprobieren.

Die Musik sei bislang jedoch noch kaum vertreten. Aktuell sei man dafür auf der Suche nach einem Konzept. "Wir wollen keine klassische Musikschule sein oder der Volkshochschule Konkurrenz machen. Wir wollen anders sein", sagt Zimpelmann, der das Angebot des Kunstraums nicht auf das typische Verständnis von Kultur beschränken will: "Kunst ist das, als was wir es definieren."

© SZ vom 28.07.2021
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