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Kirchheim:Trainieren wie Ronaldo

Eine private Indoor-Sportanlage in Heimstetten bietet Fußballern und Tennisspielern im Winter neue Möglichkeiten. Architektonisches Vorbild ist die Arena in Fröttmaning

Von Verena Fücker, Kirchheim

Die weiße Traglufthalle fällt jedem sofort auf, der mit der S 2 nach Heimstetten fährt. Direkt neben den Bahngleisen steht dort im Gewerbegebiet "unsere eigene, kleine Allianz-Arena", wie Christoph Schmitt sagt. Er ist Geschäftsführer der Indoor-Anlage "Sport(t)raum", die seit diesem Wochenende offiziell geöffnet ist. In der Traglufthalle, die tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Fußballstadion in Fröttmaning hat, stehen sportbegeisterten Kirchheimern nun zwei winterfeste Tennisplätze zur Verfügung - ein Angebot, das den zahlreichen Tennisklubs in Kirchheim und Heimstetten bisher gefehlt hat. "Die Tennisvereine hier aus dem Ort suchen schon lange nach Trainingsmöglichkeiten im Winter, Hallen gab es hier bisher nicht. Die finden sie nun bei uns", erzählt Schmitt. Ob die Traglufthalle für die Tennisspieler ihren Zweck erfüllt, soll zunächst in den kommenden vier Jahren getestet werden.

Indoorsport, Sporttraum, neues Indoorsportzentrum in Heimstetten

Tennisspielern stehen in Heimstetten zwei Indoor-Plätze zur Verfügung.

(Foto: Florian Peljak)

Das Herzstück der neuen Sportanlage ist allerdings die Halle nebenan. Dort gibt es vier Indoor-Fußballplätze mit Kunstrasen. Sie tragen die Namen der glorreichen Fußballstädte München, Madrid, Mailand und Manchester. Das Projekt "Sport(t)raum" war zunächst nur auf Hallenfußball ausgelegt, denn die Fußballer teilten bisher das Schicksal der Tennisspieler. "Ich trainiere unter anderem den Sohn von Bauherrn Christian Müller beim SV Heimstetten, und wir mussten in den Wintermonaten zum Trainieren immer ziemlich weit fahren", erklärt Schmitt. "Irgendwann kam Christian Müller zu mir und hat mich gefragt, warum das so ist, und ich habe ihm dann erklärt, dass es im Münchner Osten kaum Möglichkeiten zum Training in der Halle gibt."

Indoorsport, Sporttraum, neues Indoorsportzentrum in Heimstetten

Ein externer Partner bietet funktionelles Training an.

(Foto: Florian Peljak)

In der neuen Indoor-Anlage sollen nicht nur die Fußballvereine aus der Umgebung trainieren, sondern auch Firmenmannschaften oder Freundeskreise zum Kicken vorbeikommen. Im "Sport(t)raum" können außerdem lockere Kindergeburtstage gefeiert werden. Gleichzeitig zieht auch die Fußballschule "Kickerkonzept" mit ihren Trainern in die neue Halle ein. Die Fußballschule bietet beim SV Heimstetten schon länger Kleingruppen- und Einzeltrainings an. Auch der TSV 1860 München wird in den Wintermonaten nach Heimstetten kommen. Christoph Schmitt hat selbst als Jugendspieler für die Blauen gespielt. "Die Löwen werden drei Mal pro Woche mit ihren U13- bis U16-Mannschaften hier trainieren", sagt Schmitt. Für die jungen Sechzger geht es dann zum Training neben die Traglufthalle, die der Fußballarena im Münchner Norden ähnelt, in der die Profis von 1860 spielen. "Wir haben sogar mal überlegt, ob wir die Traglufthalle ähnlich wie das große Vorbild beleuchten sollen", erzählt der 30-Jährige. Seine Farbwahl wäre dann allerdings nicht auf Blau, sondern auf Rot gefallen. Schmitt ist Anhänger des FC Bayern.

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Herzstück der Anlage sind die vier Fußballplätze.

(Foto: Florian Peljak)

Im 3500 Quadratmeter großen "Sport(t)raum", gibt es für alle, die sich eher für andere Sportarten interessieren einen Multicourt. Auf dem kleinsten Platz in der Fußballhalle sind die Halme des Kunstrasens deutlich länger als auf den reinen Fußballplätzen. Durch geschickte Technik lässt sich der Platz wahlweise zu einem Badminton-, Hockey-, Basketball-, Volleyball- oder doch zu einem Fußballfeld umbauen.

In die erste Etage haben sich zwei externe Partner eingemietet. "Die Fußballplätze sind in einer Industriehalle untergebracht. Da hat man beim Fußballspielen zwar viel Platz, aber unsere Bar oder die Umkleidekabinen müssen ja keine zehn Meter hoch sein", erklärt Christoph Schmitt. Deswegen wurde kurzerhand eine zweite Ebene eingezogen. Die Macher der Indoor-Sportanlage wollten dort etwas unterbringen, was man mit Fußball verbinden kann. So sind dort der "Speedclub" und "The Gym" eingezogen.

Der "Speedclub" trainiert die Schnelligkeit in Spielsportarten, wie Fußball, Eishockey oder Basketball und wirbt damit, dass dort jeder so trainieren kann wie der dreimalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo oder WM-Held Mario Götze. "Grundsätzlich kann da jeder hingehen, der schneller werden möchte, eben auch Hobbysportler", sagt der studierte Sportmanager Christoph Schmitt. "Dort wird auch viel mit Gedächtnis- und Augentraining gearbeitet. Somit ist es zum Beispiel auch etwas für 80-jährige Rentnerinnen, die sich nicht mehr sicher fühlen, weil sich nicht mehr so gut sehen können oder nicht mehr so schnell reagieren können."

Direkt nebenan liegt "The Gym". Was zunächst ganz nach durchschnittlicher Muckibude klingt, wie es sie in Deutschland zu Tausenden gibt, entpuppt sich dann allerdings als Studio für funktionales Training. Anstatt mit Laufband oder Hantelbank wird dort mit Eigengewicht und Kleingeräten gearbeitet. "Wir trainieren hier Einzelpersonen oder Gruppen mit maximal zehn Teilnehmern, die dann allerdings mit zwei Trainern", sagt Inhaber Dominic Stepper und Christoph Schmitt fügt hinzu: "Stumpfes Maschinentraining macht für Fußballer keinen Sinn. Die müssen ganzheitlich trainieren und das können sie bei uns, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb."

© SZ vom 10.11.2015

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