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Kirchheim:Ende des Kuschelkurses

Bürgermeister Maximilian Böltl muss mit Gegenwind rechnen

An den Wahlkampf 2014 denkt Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) nicht gerne zurück. "Er war von vielen Verwundungen geprägt", sagt er. Unbekannte thematisierten damals seine Homosexualität auf Flugblättern. Auch die Kandidaten gingen nicht gerade zimperlich miteinander um. Bei der nächsten Wahl 2020 soll alles anders werden, hofft Böltl. Tatsächlich gibt es eine neue Harmonie im Gemeinderat, spätestens seit die Wähler 2017 in einem Bürgerentscheid mehrheitlich für einen Park und Wohnungen zwischen den Ortsteilen Kirchheim und Heimstetten stimmten.

Beobachten lässt sich das vor allem in dem Verhältnis, das SPD und CSU seitdem zueinander pflegen: Sozialdemokrat Stephan Keck, der 2014 gegen Böltl kandidiert hatte, sitzt gemeinsam mit dem CSU-Bürgermeister im Planungsteam für die Ortsentwicklung. Sie warben vor dem Bürgerentscheid zusammen dafür. Und wenn die Kirchheimer bei Workshops gefragt werden, welche Wünsche sie für die Landesgartenschau haben, sind auch beide da. Denn Keck ist Aufsichtsratsvorsitzende der GmbH, die in fünf Jahren die Gartenschau im neuen Ortspark umsetzen soll. Manchmal stimmt der Bürgermeister sogar gegen Teile seiner eigenen Fraktion und mit der SPD. Zum Beispiel sollen im Rahmen der Ortsentwicklung deutlich mehr Wohnungen als Einfamilienhäuser gebaut werden - eine Forderungen aus dem Wahlprogramm der SPD.

Mit Frontalopposition, meint Keck, hätte seine Partei sicherlich nicht so viel erreicht. Gleichzeitig befindet er sich in einem Dilemma: "Meine Wähler fragen mich schon: Was tust du da dauernd mit dem Böltl umeinander?" Er hoffe, dass es bei der Wahl seinem Ortsverein anders ergeht als der Bundes-SPD und die Wähler verstehen, was er und seine Fraktionskollegen alles angestoßen haben. Denn trotz des Kuschelkurses: Einen Gegenkandidaten will die SPD in jedem Fall aufstellen, auch wenn noch nicht feststeht, wer das sein soll. Ausschließen, dass er noch einmal gegen Böltl antritt, will Keck nicht.

Auch andere Gruppierungen im Gemeinderat kritisieren Keck für die neue Männerfreundschaft. Wolfgang Heinz-Fischer (VWK) sagt: "Der Bürgermeister hat die SPD komplett eingefangen." Und Rüdiger Zwarg (Grüne) veröffentlichte eine Karikatur, die SPD und CSU als leicht beschränkt drein blickende Polizisten zeigt, die Verantwortung und Transparenz aushebeln. Die VWK will gemeinsam mit der LWK einen Bürgermeisterkandidaten aufstellen, die Grünen haben darüber bisher nicht gesprochen. Gemeinsame Sache zu machen, hält Heinz-Fischer jedoch für schwierig. Schließlich sei seine Gruppierung bloß lokal tätig, die Strukturen einer Partei wie den Grünen seien andere.