Kirchheim:Das Sterben in den Alltag holen

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Kirchheim: Verena Reckzeh ist Vorsitzende des Hospizvereins Kirchheim und stellvertretende Vorsitzende der "Arge".

Verena Reckzeh ist Vorsitzende des Hospizvereins Kirchheim und stellvertretende Vorsitzende der "Arge".

(Foto: Claus Schunk)

Die Kirchheimerin Verena Reckzeh bietet einen Kurs über die "Allerletzte Hilfe" an

Von Anna Lea Jakobs, Kirchheim

"Allerletzte Hilfe - Wissen worauf es ankommt am Ende eines Lebens" heißt ein Kurs des Hospizvereins Kirchheim, der am Mittwoch, 10. November, von 19 bis 22 Uhr im Café Mohnblume, Räterstraße 21, stattfindet. Jeder kann daran teilnehmen, eine Anmeldung ist erforderlich per E-Mail (info@hospizverein-kirchheim.de), die Teilnahmegebühr beträgt sieben Euro. Im Gespräch gibt die 67-jährigen Apothekerin Verena Reckzeh, Vorsitzende des Hospizvereins und stellvertretende Sprecherin des Bündnisses für ambulante Hospiz- und Palliativarbeit "Arge Hospiz", Auskunft über das Kursangebot und den Prozess des Sterbens.

SZ: Der Basiskurs heißt "Allerletzte Hilfe". Denken Sie, dass diese vergleichbar essenziell ist wie die Erste Hilfe?

Verena Reckzeh: Für mich schon. In der allerletzten Hilfe geht es zwar nicht um Lebensverlängerung, aber es geht darum, dem anderen Linderung und Verbesserung der Lebensqualität zu verschaffen. Es ist schön, wenn da jemand da ist, der Bescheid weiß.

Welcher Inhalt wird in dem Kurs vermittelt?

Es geht eigentlich erst einmal darum, dass die Bürger und Bürgerinnen aufgeklärt werden. Was passiert eigentlich im Sterbeprozess? Was kann da alles auftauchen? Dass sich der Mensch zurückzieht, dass er weniger isst und trinkt. Wichtig ist natürlich auch, dass man rechtzeitig überlegt, wie man für sich selbst vorsorgen möchte durch eine Patientenverfügung und Vorsorge-Vollmacht. Im Kurs taucht dann auch noch auf, dass es ein paar Handgriffe gibt, die für den Sterbenden erleichternd sind. Man befeuchtet die Mundschleimhaut, stellt einen Ventilator auf. Natürlich wird auch besprochen, welche unterstützenden Angebote es in der Nähe gibt. Zum Beispiel kann man sich beim Netzwerk aus ambulanter Hospizbegleitung und Palliativ Care-Beratung durch die Hospizdienste Hilfe holen.

Das sind keine einfachen Themen, auch für die Teilnehmer.

Wir haben als erfahrene Referentin Brigitte Schmitt-Hausser, die auch Hospizbegleiter ausbildet. Sie ist sehr geübt, das Gespräch in Gang zu bringen und zwischen Eigenerfahrungen und fachlichen Informationen zu balancieren. Manchmal sind es auch nicht aufgearbeitete Sterbefälle, die die Teilnehmer mitbringen und wo sie sich Sorgen machen, ob sie was falsch gemacht haben. Oder Schuldfragen. Sie kann das dann einordnen und oft sagen, das war total richtig! Da fließen auch mal Tränen, aber es wird auch gelacht.

Denken sie, dass diese ungeklärten Fragen, die die Teilnehmer mitbringen, Teil eines größeren Problems sind? Dass das Sterben nicht genug Platz findet in unserer Gesellschaft?

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass das Sterben nicht mehr in der Gemeinschaft stattfindet, auch durch die Entwicklung in der Gesellschaft mit den vielen Alleinstehenden. Es gibt eine Studie, dass man eigentlich erst mit dem 35. Lebensjahr den ersten Todesfall in der näheren Umgebung erlebt. Dann steht man da und weiß nicht: Was ist zu tun? Was mache ich jetzt? Im Hospizdienst geht es bei uns eigentlich darum, dass man Sterben und Tod wieder zurückholt in den Alltag und als Teil des Lebens begreift. Deswegen bieten wir auch solche Kurse an, um dem Mut zu haben, beim Sterben beisammen zu sein. Das macht natürlich Angst, weil wir das Sterben oft nur aus dem Fernsehen oder Computer spielen kennen.

Können sie den Menschen durch Aufklärung die Angst vor dem Sterben nehmen oder lernen sie eher mit der Angst umzugehen?

Vielleicht eher mit der Angst umzugehen. Woody Allen hat mal gesagt: Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber beim Sterben möchte ich nicht dabei sein. Man weiß eben nicht was passiert, als Angehöriger und als Sterbender.

Wer nimmt an dem Kurs teil?

Es kommen vor allem Menschen, die hochbetagte, schwerkranke Eltern oder Partner haben oder deren Eltern verstorben sind. Es kommen eher mittelaltrige. Wenn man in einer Lebensphase ist, in der man sich Gedanken machen muss, wo es hingeht.

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