Kinderbetreuung Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen

Damit sich die Fachkräfte ganz auf ihre Arbeit mit den Kindern konzentrieren können, sollen sie durch zusätzliches hauswirtschaftliches Personal entlastet werden.

(Foto: Catherina Hess)

Um den Personalmangel in Krippen und Kindergärten zu lindern, erhöht die Stadt Unterschleißheim die Zulagen für Fachkräfte. Auch weitere Zuckerl sollen Bewerber überzeugen

Von Klaus Bachhuber, Unterschleißheim

Mit vielfältigen Anreizen will die Stadt Unterschleißheim dem Fachkräftemangel an Kindertagesstätten begegnen. Von mehr Geld durch eine Erhöhung der Arbeitsmarktzulage bis zu entspannteren Arbeitsbedingungen durch eine Verbesserung des Personalschlüssels hat der Hauptausschuss des Stadtrats ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Bis zu 1,7 Millionen Euro freiwilliger Zusatzleistungen jährlich bei maximaler Ausschöpfung will sich die Stadt ihr Kindergartenpersonal kosten lassen. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) nannte das "einen wegweisenden Beschluss, um die Qualität der Kinderbetreuung sicherstellen zu können".

Im vergangenen Herbst hatte sich erstmals die Situation ergeben, dass für die dringend benötigten Kindergartenplätze zwar Räume verfügbar gewesen wären - aber kein Personal. Für die Unterschleißheimer SPD war damit eine rote Linie überschritten. "Die gute, qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit" in den Kindertagesstätten am Ort sei gefährdet, mahnten die Genossen in einem Antrag aus dem Oktober. Unterschleißheim müsse für Fachpersonal attraktiver werden und dazu müssten "besondere Anreize aufgezeigt werden".

Zunächst einmal gibt es nun mehr aufs Konto. Bislang zahlt Unterschleißheim wie fast alle Kommunen im Ballungsraum München 150 Euro Arbeitsmarktzulage für Erzieherinnen und 100 Euro für Kinderpflegerinnen. Dieser 2015 eingeführte Bonus wird nun von September 2019 an aufgestockt auf 200 und 150 Euro. Als weiteren Anreiz gibt es künftig eine Gebührenermäßigung für Kinder von Kita-Personal, die selbst Unterschleißheimer Einrichtungen besuchen. Weil der Kindergartenplatz seit April ohnehin kostenfrei ist, wurde der Krippenbesuch um 25 Prozent reduziert.

Als zentrale Maßnahme sollen auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dies will die Stadt über den Personalschlüssel steuern. Staatliche Mindestvorgabe ist ein rechnerischer Personalstand von einem Betreuer auf je elf Kinder, amtliche Empfehlung ist ein Schlüssel von eins zu zehn. In Unterschleißheim war stets eine Relation von eins zu neun angestrebt, solange die Personalsituation üppiger war. Aktuell liegt er etwas über eins zu zehn, wie die Stadtverwaltung ermittelt hat.

Die Stadt will nun bis zu einer Million Euro jährlich dafür zur Verfügung stellen, um den Anstellungsschlüssel auf eins zu acht zu optimieren. Diese Kennzahl werde bei Einstellungsgesprächen von den potenziellen Erzieherinnen immer wieder abgefragt, berichtete die Stadtverwaltung. "Ein niedriger Schlüssel trägt zu einem positiven Bild der Einrichtung bei", da damit das pädagogische Personal weniger belastet sei, "wodurch sich die Arbeitsbedingungen verbessern und das Betriebsklima begünstigt werden kann". Nicht zuletzt verbessert ein guter Personalschlüssel auch die Qualität der Betreuung.

Und als letzte Stellschraube hat der Stadtrat den Kindertagesstätten auch Mittel zur Verfügung gestellt, um hauswirtschaftliches Personal einzustellen oder aufzustocken. Bislang müssen die pädagogischen Fachkräfte derartige Aufgaben oft mit übernehmen. Zwar habe jede Unterschleißheimer Kinderbetreuungseinrichtung hauswirtschaftliches Personal, berichtet die Rathausverwaltung, aber eine Aufstockung könne die Erzieher bei ihrer pädagogischen Arbeit entlasten. 20 Stunden je Einrichtung wurden hier in Aussicht gestellt.