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Ismaning:Wappen als Teil der Identität

Lokalpolitiker verteidigen den "Mohren"

Mit einer gemeinsame Erklärung haben SPD, Freie Wähler (FWG) und CSU ihren Standpunkt zur Debatte um den Mohren im Ismaninger Wappen untermauert. In der am Freitag auf Facebook verbreiteten Stellungnahme schreiben Vertreter der drei Gemeinderatsfraktionen und Ortsvereine, dass das gekrönte Haupt auf dem Hoheitszeichen der Kommune möglicherweise für den Heiligen Mauritius stehe. Aber: "Genau wissen wir es nicht, aber die mit diesem Namen verbundenen positiven Assoziationen passen gut zu unserer Gemeinde und dem Verständnis für Gemeinschaft." Ismaning sei bunt, tolerant und weltoffen. Rund 100 Nationen seien in die Ortsgemeinschaft "bestens integriert".

Das Ismaninger Wappen, auf dem ein gekrönter Mohrenkopf zu sehen ist, sei seit 800 Jahren fester Bestandteil der mehr als 1200-jährigen Ortsgeschichte, "auf die wir sehr stolz sind", heißt es in der parteiübergreifenden Erklärung. Der Heilige Mauritius stehe für Toleranz und die Bewahrung des Glaubens. Als Schutzheiliger der Ritter und Soldaten, der Kaufleute und des Heeres habe er sich für die gerechte Sache eingesetzt und sich "schützend vor Wehrlose und Verfolgte" gestellt und bezahlte das mit seinem Leben. Mauritius sei in der Zeit der Ottonen- und Staufer-Kaiser verehrt worden. Womöglich habe dies Fürstbischof Otto von Freising zu Beginn des zwölften Jahrhunderts dazu veranlasst, ihn im Wappen zu führen - als Zeichen der Wertschätzung". Auf dem Wappen werde Mauritius "keineswegs karikiert und verzerrt, sondern vielmehr stilisiert und modernisiert dargestellt". Von rassistischen Zerrbildern könne nicht die Rede sein. "Unser Wappen ist ausschließlich positiv besetzt, es ist identitätsstiftend. Es ist ein Herzstück unserer langen und stolzen Geschichte (...)." Die Darstellung habe mit "Kolonialismus überhaupt nichts zu tun", vielmehr handele es sich um ein "ausdrückliches Zeichen der Hochachtung".

Eine offene Diskussion über Rassismus im Alltag zu führen, das halten die Verfasser für sinnvoll. "Diese aber an unserem Wappen festzumachen und mit haltlosen negativen Symbolen und Aussagen in Verbindung zu bringen, ist wenig zielführend und nicht geeignet, unsere Ortsgemeinschaft zusammen zu halten", schreiben Bürgermeister Alexander Greulich, Max Kraus und Luise Stangl, Nikolaus Kraus, Johanna Hagn, Arno Helfrich, Josef Steinkohl, Herbert Baur, Peter Aurnhammer und Petra Apfelbeck.

© SZ vom 11.07.2020 / sab

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