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Ismaning:Die letzten Häuser

Werkschau im Kallmann-Museum widmet sich urbanen Randzonen

Zu den bekanntesten expressionistischen Gedichten gehört "Der Gott der Stadt" von Georg Heym: "Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit. Die letzten Häuser in das Land verirrn ...." 1910 geschrieben, prägte das Werk den expressionistischen Blick auf die "Großstadt" mit ihren dunklen Seiten. Zunehmend geriet aber auch die Peripherie, "dort wo die letzten Häuser ins Land verirrn", in den Fokus. Es waren nicht nur Literaten, sondern auch bildende Künstler, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Insbesondere während der Weimarer Republik erlebte das Sujet eine Blüte. Die wuchernde Großstadt und ihre Randbezirke wurden ebenso ein beliebtes Motiv wie Darstellungen unbelebter Straßenzüge, von Zweckbauten und industrialisierten Zonen. Zu diesen Themen gehören aber auch Bilder, die sich mit sozialen Randbereichen, wie Prostitution, Streiks und dem Elend der Arbeiterschicht befassen.

Das Kallmann-Museum in Ismaning widmet sich nun in der Ausstellung "Die letzten Häuser - Randzonen des Städtischen in der Kunst" diesem Thema. Zu sehen sind neben etwa 70 Arbeiten aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren auch zeitgenössische Werke. Sie stellt sich dabei die Fragen, was das Urbane heute generell ausmacht und wohin sich das stetige Wachstum der Städte zukünftig entwickeln wird. Die Ausstellung dauert bis zum 22. November. Zudem ist das Museum am Sonntag, 13. September, am Tag des offenen Denkmals von 13 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

© SZ vom 12.09.2015 / wat
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