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Ismaning:Die CSU geht leer aus

SPD und Freie Wähler stellen Bürgermeister in Ismaning

Einlass nur mit Alltagsmaske, Handdesinfektion am Eingang, weit auseinander stehende Tische samt Stühlen und eine Vereidigung der neuen Mitglieder auf Abstand: Die Corona-Krise verändert auch das übliche Prozedere der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats, wie am Donnerstagabend im Ismaninger Bürgersaal. Die Lokalpolitiker sitzen an Einzeltischen wie in der Schule, die Wahl der beiden Stellvertreter von Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) geschieht nach strengen Regeln. Vorne neben der Bühne stehen zwei Wahlkabinen, wer zur Abstimmung schreitet, muss zuvor seine Bedeckung für Mund und Nase anlegen und seinen eigenen Stift mitnehmen; in den beiden Gängen an den Seiten soll sich keiner zu nah kommen, deswegen wird zuvor die Reihenfolge für den Urnengang festgelegt.

Eines aber gilt auch in Corona-Zeiten: Bereits vor dem Auftakt der neuen Amtsperiode hat es Übereinkünfte gegeben, wer wen vorschlägt für die Ehrenämter des Zweiten und Dritten Bürgermeisters und dann auch wählt. So geht die CSU, die in den vergangenen sechs Jahren mit Josef Zettl den Zweiten Bürgermeistermeister stellte, im Ismaninger Gemeinderat an diesem Abend leer aus, was die Stellvertreter betrifft: Annette Reiter-Schumann, die am 15. März vergeblich neue Rathauschefin werden wollte, fällt bei der geheimen Wahl gegen Max Kraus von den Freien Wählern durch, der bei der Bürgermeisterwahl mit Platz drei Vorlieb nehmen musste.

Annette Reiter-Schumann (CSU) unterlag bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister.

(Foto: Claus Schunk)

Für Reiter-Schumann votieren acht Mitglieder des Gemeinderats, Kraus, der von der SPD-Fraktion für das Amt des Zweiten Bürgermeisters vorschlagen worden ist, freut sich über den Zuspruch von 17 Kolleginnen und Kollegen im Gremium. Und auch bei der Abstimmung über den weiteren Stellvertreterposten haben die Christsozialen keine Chance: Ihr Kandidat Josef Kienast erhält nur acht Stimmen. Luise Stangl, die wiederum von den Freien Wählern vorgeschlagen worden ist, kommt auf das Doppelte bei einer ungültigen Stimme. Sie kann damit weitermachen als Dritte Bürgermeisterin.

Die Ausschüsse des Gemeinderats werden in den nächsten sechs Jahren weiterhin elf Sitze haben, wie Rathauschef Greulich berichtet. Allerdings wird sich am Zuschnitt etwas ändern. Künftig gibt es einen Bau- und Umweltausschuss, weil gerade der Klimabereich immer wichtiger werde, so der Bürgermeister. Der bisherige Verwaltungsausschuss wird sich fortan auch um soziale Themen kümmern. Die Arbeit in Kommissionen, die sich mit einzelnen Projekten beschäftigen und diese vorberaten, werden die Ismaninger beibehalten.

Max Kraus (SPD).

(Foto: privat)

Bereits vor der konstituierenden Sitzung haben die Gemeinderäte der CSU mit FDP-Mann Raphael Karlisch, der neu in das Gremium gewählt worden ist, eine Fraktionsgemeinschaft gegründet. Unmittelbar nach der Kommunalwahl im März hätten Vertreter beider Parteien ausgelotet, inwieweit man zusammenarbeiten könnte, so Karlisch. Letztlich habe ein intensives Sondierungstreffen vor knapp drei Wochen den Weg für eine Fraktionsgemeinschaft freigemacht. Mit Josef Frey und Alexander Novakovic hätten zwei junge Fraktionskollegen den Wiedereinzug in den Gemeinderat nicht geschafft, bedauert CSU-Fraktionssprecher Peter Aurnhammer. Doch mit Reiter-Schumann und nun auch Karlisch werde die Fraktionsgemeinschaft "wieder viel frischen Wind bekommen".

Seine Arbeit im Gemeinderat solle natürlich die Handschrift der FDP haben, so Karlisch. Die neue Fraktionsgemeinschaft will eigene Sitzungen abhalten und gemeinsame Vertreter in Ausschüsse entsenden, vor allem aber inhaltliche Maßnahmen angehen. So stünden die Schaffung von mehr Wohnraum für Einheimische, die Förderung der heimischen Wirtschaft, Umweltthemen und eine attraktivere Bürgerbeteiligung ganz oben auf der Agenda.

© SZ vom 09.05.2020

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