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Isartal:Floßfahrten als Kulturerbe

Passagierfloßfahrten auf der Isar, hier bei Lenggries, wurden erstmals 1310 /12 im Ratssatzungsbuch erwähnt.

(Foto: privat)

Schippern auf der Isar wird als Heimatverbundenheit geehrt

Im Moment können sie zwar aufgrund der Coronakrise nicht auf der Isar schippern, dennoch wurden die Flöße jetzt mit einem schönen Prädikat versehen: Die Passagierfloßfahrten wurden anerkannt als Immaterielles Kulturerbe. Dafür hatte sich der Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen eingesetzt und sich an der vierten deutschlandweiten Bewerbungsrunde für eine Eintragung beworben. In Kooperation mit den Floßmeistern Michael Angermeier, Franz Seitner und Josef Seitner wurde der Antrag beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat gestellt. Nun sind die Passagierfloßfahrten auf Isar und Loisach in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes als Kulturform eingetragen.

Staatsminister Albert Füracker lobt in einem Anerkennungsschreiben an den Verein das ehrenamtliche Engagement als "Ausdruck gelebter Heimatverbundenheit zum Erhalt der kulturellen Vielfalt". Grundlage für die positive Entscheidung war das Gutachten eines unabhängigen Expertengremiums, das alle in Bayern eingereichten Anträge auf Basis der Kriterien des Unesco-Übereinkommens anhand einheitlicher Maßstäbe fachlich bewertet hat.

Passagierfloßfahrten wurden erstmals 1310/12 im Ratssatzungsbuch der Stadt München erwähnt. Den Münchner Flößern wurde darin gestattet, von einem anderen ein Floß zu kaufen, "daz er fuer fueren will mit leuten oder mit guot". Das schnelle Vorankommen auf dem Wasser machte das Floß bald zu einem beliebten Verkehrsmittel. Auch hochgestellte Persönlichkeiten nutzten es, wie etwa 1424 der spätere byzantinische Kaiser Johannes VIII. Palailogos auf seiner Rückreise von Italien. Mit Inbetriebnahme der Isartalbahn 1891 entwickelte sich eine neue Form von Ausflugsmöglichkeiten: Mit dem Zug ins Isartal und mit dem Floß zurück nach München. Bis heute verkehren in den Sommermonaten die Passagierflöße. Ein Festakt für den Flößer-Verein wird nach der Coronakrise nachgeholt.

© SZ vom 24.04.2020 / cw
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