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Hygiene-Skandal in München:... und nun auch eine Schönheitsklinik

Prüfer des Gesundheitsamts haben bei der Residenzklinik am Münchner Odeonsplatz schwere Hygienemängel festgestellt. Die Staatsanwalt ermittelt.

Dominik Hutter und Silke Lode

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt erneut wegen Hygienemängeln in einem Münchner Krankenhaus. Sprecher Thomas Steinkraus-Koch bestätigte auf Anfrage der SZ, dass das Gesundheitsamt belastende Unterlagen über die am Odeonsplatz ansässige "Residenzklinik" eingereicht habe.

"Holz vor der Hütt'n" heißt ein Spezialangebot der "Residenzklinik". Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

(Foto: Robert Haas)

Wie schon beim städtischen Klinikum gehe es auch bei dieser privaten Schönheitsklinik um mögliche Verstöße gegen das Medizinprodukte- und Infektionsschutzgesetz sowie den Verdacht auf Körperverletzung. Die Klinik selbst bestätigte einen Besuch des Gesundheitsamts, streitet aber Probleme mit der Hygiene ab.

Nach Angaben von Gesundheitsreferent Joachim Lorenz hat die Aufsichtsbehörde in der vergangenen Woche nach einer Patientenbeschwerde ihre beiden Hygieneärzte losgeschickt und derart gravierende Mängel festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde. "Aus unserer Sicht hat das strafrechtliche Relevanz", betonte Lorenz, der allerdings den Namen der Klinik nicht nannte.

Bei der Begehung habe man der Klinik den Weiterbetrieb der Sterilgutaufbereitung - also jener Abteilung, die das OP-Besteck reinigt - untersagt und zudem das "medizinische Leistungsspektrum erheblich beschränkt".

Das Krankenhaus sei schon bei einem Besuch des Gesundheitsamts im Februar aufgefallen und habe die daraufhin verordneten Auflagen nicht fristgerecht erfüllt. Nun dürfe OP-Besteck nicht mehr im eigenen Haus sterilisiert werden. Lorenz zufolge gab es allerdings auch noch "andere Hygienedefizite", die er mit Verweis auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht detaillierter beschreiben wollte.

Natascha Pex, Sprecherin der "Residenzklinik", wies alle Vorwürfe zurück. "Bei uns herrscht ganz normaler Betrieb", erklärte sie. Zwar sei das Gesundheitsamt in der vergangenen Woche im Haus gewesen. Die Gespräche zwischen Medizinern und Behörden seien aber "ganz normal" verlaufen. Gravierende Beanstandungen stritt Pex ab.

Die "Residenzklinik" mit der Zusatzbezeichnung "Stop Aging" ist auf plastische und ästhetische Chirurgie spezialisiert und führt nach eigenen Angaben pro Jahr 900 Schönheitsoperationen durch. Die Einrichtung hat in den Medien durch spektakuläre Aktionen wie etwa die "Botox-Flatrate" oder "Holz vor der Hütt'n - Brustvergrößerung pünktlich zur Wiesn" bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.

Im Hygieneskandal an den städtischen Kliniken Bogenhausen und Neuperlach haben sich währenddessen laut Steinkraus-Koch "eine ganze Reihe von Leuten" gemeldet, die sich oder Angehörige als Betroffene sehen. Die Polizei vernehme die Leute derzeit und versuche zu prüfen, ob die geschilderten Fälle mit dem unsauberen OP-Besteck zu tun haben und ob Körperverletzung vorliegt, oder ob andere Behandlungsfehler gemacht wurden. "Wir ermitteln nur, wenn ein Anfangsverdacht gegeben ist", sagte Steinkraus-Koch.

Das städtische Klinikum rechnet wegen des Hygieneskandals in diesem Jahr mit einem Defizit von bis zu 24,8 Millionen Euro. Bei dieser Summe handelt es sich laut Kliniksprecherin Ina Herzke allerdings um einen "Worst case".

© SZ vom 05.08.2010/sonn
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