Hygiene-Mängel in Schönheitsklinik:Die Botox-Sprechstunde ist abgesagt

Geräte ohne Validierung, unqualifiziertes Personal, ungeeignete Pflegemittel: Eine private Schönheitsklinik in München hat Hygienemängel eingeräumt. Jetzt muss der medizinische Leiter gehen.

Silke Lode

Die private Residenzklinik hat am Donnerstag Mängel bei der Hygiene in ihrem Betrieb eingeräumt und den medizinischen Leiter, der zugleich Hygienebeauftragter gewesen sein soll, seiner Ämter enthoben. Die Schönheitsklinik räumte ein, dass bei einer Begehung des Gesundheitsamts Mängel bei der Sterilgutaufbereitung, den internen medizinischen Abläufen und der Patientendokumentation festgestellt wurden.

Hygiene-Mängel in Schönheitsklinik: Die "Residenzklinik" hat eingeräumt, dass Mängel bei der Sterilgutaufbereitung, den internen medizinischen Abläufen und der Patientendokumentation festgestellt wurden.

Die "Residenzklinik" hat eingeräumt, dass Mängel bei der Sterilgutaufbereitung, den internen medizinischen Abläufen und der Patientendokumentation festgestellt wurden.

(Foto: lok)

"Vorgaben der Gesundheitsbehörde wurden nicht fristgerecht umgesetzt", heißt es weiter in der Presseerklärung. Bis die Auflagen erfüllt sind, laufe der Klinikbetrieb nur eingeschränkt.

Noch am Vortag hat das Schönheitsinstitut am Odeonsplatz auf SZ-Anfrage dementiert, dass es Probleme mit der Hygiene gebe, und Sprecherin Natascha Pax hat erklärt, dass der Klinikbetrieb normal laufe. "Mir ist schleierhaft, wie die Klinik so etwas behaupten konnte", sagt Gesundheitsreferent Joachim Lorenz mit Blick auf die Auflagen, die seine Mitarbeiter verhängt hatten und zählt auf, was der Residenzklinik ab sofort verboten ist: Operationen mit Vollnarkose zum Beispiel, oder die Aufbereitung von Wäsche und Sterilgut.

Für kleinere Eingriffe müssen die Ärzte Einmalprodukte verwenden, außerdem hat das Gesundheitsamt eine Grundreinigung samt Desinfektion des gesamten OP-Trakts angeordnet. Die Kontrolleure hatten vieles zu bemängeln: Geräte ohne Validierung, Personal ohne nötige Qualifikationen, ungeeignete Pflegemittel oder fehlende Routinekontrollen. Die Maschine zur Sterilgutaufbereitung funktioniert seit Tagen nicht mehr. "Deshalb haben wir auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", sagt Lorenz. Wie die Klinik unter solchen Umständen arbeiten will, kann er sich nicht erklären. Die Grundreinigung muss eine Fachfirma vornehmen, die Mitarbeiter müssen zu einer Fortbildung. "Da können die höchstens noch Botox-Spritzen geben", sagte er sichtlich verwundert über die Durchhalteparolen der Klinik.

Doch die Schwere der Verstöße wird nun offenbar auch den Verantwortlichen der Residenzklinik bewusst. Bereits 2005 hatte das Gesundheitsamt die Klinik nach Patientenbeschwerden überprüft, im Februar 2010 standen die Kontrolleure erneut vor der Tür - wieder hatte es Beschwerden gegeben. Anfang März bekam die Klinik einen 20-seitigen Auflagenkatalog, doch in der vergangenen Woche stellten die Inspekteure nach einer erneuten Klage fest, dass diese nicht erfüllt wurden. Die neuen Vorgaben, die der Klinik seit wenigen Tagen vorliegen, sind sogar noch umfangreicher.

"Wir überlegen intern, was wir machen", war die einzige Stellungnahme, die von der Residenzklinik über ihre Mitteilung hinaus zu bekommen war. Wie es mit der Klinik weitergeht, die bereits in mehrere Prozesse wegen unbezahlter Rechnungen verwickelt war, ist offen. Ihre Botox-Flatrate-Sprechstunde - eines der jüngsten Dumpingangebote - hat sie für diese Woche jedenfalls abgesagt.

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