Hohenbrunn:Verbummelt

Gemeinderat verschiebt Hallenbad-Entscheidung

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Die Uhr tickte unnachgiebig. Schon seit mehr als zwei Stunden lief die öffentliche Sitzung des Hohenbrunner Gemeinderates, die wegen eines längeren nicht-öffentlichen Teils erst um 20 Uhr begonnen hatte. Nun, kurz nach 22 Uhr, folgte ein Bericht von Christian Kleiber, dem Leiter des Waldhorts Hohenbrunn, der blumig und ausführlich den Alltag in der Einrichtung beschrieb und deren Bedeutung für die Gemeinde erläuterte. Als er eine gute halbe Stunde später fertig war, beendete Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) mit Blick auf die Uhr und Verweis auf die Gemeindeordnung die Zusammenkunft, dabei wäre es an dieser Stelle um nichts weniger als die Zukunft des Hohenbrunner Schwimmvereins mit seinen 1000 Mitgliedern gegangen - Widerspruch aus dem Gremium gegen den Abbruch gab es nicht.

Es ging gut los am Donnerstagabend in der Hohenbrunner Schulturnhalle. Indirekt wurden zunächst auch die Schwimmer thematisiert, als nämlich Wolfgang Wild für die Projektleitung des neuen Sportcampus Riemerling verkündete, dass man trotz Corona prächtig im Zeitplan liege. Es sehe so aus, als ob das Hallenbad und die Sporthalle vor Ostern 2022 in Betrieb gehen könnten.

Nicht immer müssen solche Kalkulationen aufgehen, schließlich sah es zu diesem Zeitpunkt der Sitzung auch noch so aus, als würde das Gremium mit seiner Tagesordnung locker durchkommen. Das änderte sich bei der folgenden anderthalbstündigen Diskussion über eine "Planungsleitlinie" zur Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) im Gemeindegebiet: Der anwesende Experte, Rechtsanwalt und Grünen-Kreisrat Frank Sommer, musste Dutzende von Fragen beantworten, vor allem die SPD-Fraktion insistierte immer wieder und versuchte, die sozialen Aspekte bei Bauprojekten noch stärker zu betonen. Der Anwalt wiederum erklärte den Kreisrätinnen mit nachlassender Geduld, dass solche Beschlüsse rechtlich keine Vorteile hätten. Und die Debatte drehte sich weiter im Kreis, es wurde auch darüber diskutiert, ob man den Beschluss mit "Leitlinie" oder "Richtlinie" überschreiben sollte. "Wenn sie einem Hund ein Schild mit Katze umhängen, bleibt es immer noch ein Hund", entgegnete Experte Sommer. Der Bürgermeister gebot der nicht enden wollenden Rednerliste keinen Einhalt; ehe in der folgenden Abstimmung die beiden Sozialdemokratinnen mit ihren Forderungen alleine standen, das Gesamtpaket Sobon aber einstimmig verabschiedet wurde.

Am Ende purzelte also die Frage, ob das alte Hallenbad noch einmal öffnen wird, um den 20 Leistungsschwimmern der Haie eine sportliche Heimat zu bieten und damit die Zukunft der Schwimmsparte zu sichern, aus dem Abendprogramm - und soll nun in der nächsten Sitzung am 22. April behandelt werden. Bei den Riemerlinger Haien sorgt diese Priorisierung für Kopfschütteln. "Wir wollten einen Beschluss, dass das alte Bad wieder öffnen kann, zumindest, wenn die Pandemie es auch für Breitensport erlaubt", sagt Abteilungsleiter Steffen Lenz. "Ich hoffe sehr, dass im April darüber entschieden wird, wir brauchen dringend Planungssicherheit."

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