Hohenbrunn Nach dem Dornröschenschlaf

Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU). Illustration: Alper Özer; Foto: Angelika Bardehle

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In Hohenbrunn verstärkt sich vor allem seit dem Streit um die Parkplätze am neuen Supermarkt die Kritik an CSU-Bürgermeister Straßmair. Die Frage ist, ob es seine Gegner schaffen, sich im Wahlkampf zu formieren

Von Christina Hertel, Hohenbrunn

Sie verstehe ihn einfach nicht, sagt Sigrid Bauer. Die 60-Jährige hat in Hohenbrunn das Bürgerbegehren organisiert, in dem sie unter dem geplanten Supermarkt an der Bundesstraße eine Tiefgarage fordert. Mit "ihn" meint Bauer den Bürgermeister des Ortes: Stefan Straßmair von der CSU, bereits seit zwei Amtszeiten Chef im Rathaus. Eine dritte würde er das gerne bleiben, der Ausgang scheint jedoch offen.

Seit fast zwei Jahren plant der Gemeinderat das Areal rund dem Supermarkt. Doch Sigrid Bauer brauchte nicht einmal einen Monat, um in dem 9000-Einwohner-Dorf mehr als 1000 Menschen zu finden, die für ihr Bürgerbegehren unterschrieben - weil sie offensichtlich mit dem, was der Gemeinderat in so vielen Sitzungen ausgearbeitet hat, nicht zufrieden waren. Nachdem Bauer im Rathaus die Unterschriften übergeben hatte, machte sie klar: Würde Straßmair seinen Kurs ändern und sich beim Investor für eine Tiefgarage einsetzen, würde sie es nicht auf einen Bürgerentscheid ankommen lassen.

Doch auf einen Kompromiss geht Straßmair nicht ein. Vielmehr finde er es gut, wie er betont, "die Entscheidung dem Bürger zu überlassen". Also wird es wohl eine Abstimmung geben. Und Bauer sagt noch einmal: "Ich verstehe ihn einfach wirklich nicht."

Das Bürgerbegehren zur Tiefgarage kann man wohl als Vorboten für die Kommunalwahl sehen. Als Zeichen dafür, dass sich die Bürger nicht so leicht mit Entscheidungen zufrieden geben. Warum, fragen sie sich, sollte eine Kommune auf vielen Quadratmeter teuren Grund nichts anderes errichten als Parkplätze - nur, weil der Investor das für die beste Idee hält? Straßmair, der SZ-Anfragen seit einiger Zeit nur noch schriftlich beantwortet, teilt mit, dass er das Bürgerbegehren nicht als Hinweis für Unzufriedenheit werte, sondern als Zeichen einer "aktiven" Bürgerschaft. Tatsächlich war davon die vergangenen Jahre nicht allzu viel zu spüren. Gemeinderatssitzungen besuchte häufig kein einziger Zuhörer. Offensichtlich ist nun zumindest ein Teil der Hohenbrunner aus dem Dornröschenschlaf erwacht, womöglich kein gutes Zeichen für den Amtsinhaber.

Das Bürgerforum will 2020 zumindest gemeinsam mit den Freien Wählern einen Gegenkandidaten aufstellen. Wer das sein soll, ist noch nicht klar. Doch Pauline Miller (Bürgerforum) wäre es am liebsten, wenn dieser von einer breiten Basis im Gemeinderat unterstützt würde: "Aus Erfahrung wissen wir, dass es eine schwierige Voraussetzung ist, wenn ein Kandidat alleine antritt." Sie spielt auf den gescheiterten Versuch ihres Fraktionskollegen Andreas Schlick bei der letzten Wahl an.

Unzufrieden mit Straßmair sind auch die Grünen. Wird es einen gemeinsamen Kandidaten geben? Grünen-Gemeinderätin Martina Kreder-Strugalla sagt, dass ihre Fraktion "noch nicht ganz ausgekaspert" habe, wer antreten solle. Die Aufstellungsversammlung wollen sie erst spät im Jahr abhalten - so wie die SPD, die ebenfalls noch nicht sagen kann, ob sie überhaupt einen Bürgermeisterkandidaten nominiert. Genügend Stoff für einen spannenden Wahlkampf gibt es jedenfalls. Kreder-Strugalla sagt, die Planungen rund um den Supermarkt seien ein einziges Fiasko. Wenn sie daran denke, dass Hohenbrunn irgendwann das Areal westlich der Bahn bebauen will, das um ein Vielfaches größer ist, werde ihr "angst und bange".

Alles Wahlkampf von Leuten, die versuchten, gute Projekte schlecht zu reden, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Anton Fritzmair. Zuletzt konnte man allerdings beobachten, dass es auch innerhalb der CSU verschiedene Meinungen gibt. Die Idee zum Bürgerdialog kam etwa nicht von Straßmair, sondern von seiner Fraktion. Im Vorfeld bat sie um ein Pressegespräch - der Bürgermeister fehlte. Und wenn es um Energiepolitik, Isolierung und Dämmung geht, verdreht CSU-Gemeinderat Franz Braun, ein Experte auf dem Gebiet, schon mal die Augen, wenn er die Ausführungen der Verwaltung hört. Seine Fraktion und er seien ein Team, sagt Straßmair - im Zentrum stehe die Sachpolitik, die sie ohne lautes Poltern umsetzen würden: In seiner Gemeinde müsse niemand auf einen Kinderbetreuungsplatz warten, bald würden Schwimmbad und Turnhalle gebaut. Leider stocke die Ansiedlung des Supermarktes. "Vielleicht", schreibt Straßmair, "ist es uns einfach nicht gelungen, die positiven Aspekte und Chancen dieses Projekts ausreichend zu kommunizieren".