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Hohenbrunn:Die Fenster können zu bleiben

Die Gemeinde Hohenbrunn schafft Lüfter für Klassenzimmer an, um Erkältungen zu vermeiden

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Kalt war es am Donnerstagabend in der Turnhalle der Hohenbrunner Grundschule. So kalt sogar, dass sich eine anwesende Gemeindemitarbeiterin nicht nur mit Schal und Handschuhen, sondern sogar mit einer Wärmflasche gewappnet hatte. Den aktuell geltenden Corona-Hygienemaßnahmen entsprechend wurde während der Gemeinderatssitzung ordentlich gelüftet. Man bekam einen Eindruck davon, wie es derzeit und vor allem im Winter den Schulkindern gehen dürfte, in deren Klassenräumen ebenfalls immer wieder Fenster und Türen geöffnet werden müssen. Um diese Unannehmlichkeiten zu lindern und vor allem Erkältungen vorzubeugen, hat das Gremium am Donnerstag beschlossen, alle Klassenzimmer und Gruppenräume der gemeindlichen Einrichtungen mit Luftreinigungsgeräten auszustatten.

Insgesamt werden zehn kleine und 54 große Apparate benötigt, die Kosten belaufen sich auf etwa 160 000 Euro. Zuschüsse seien nicht zu erwarten, hieß es aus der Verwaltung. Die gebe es nur bei Räumen, die gar nicht gelüftet werden könnten, also etwa Fenster haben, die nicht geöffnet werden können. "Bei Kindern, die sich diszipliniert verhalten, kann man die Wahrscheinlichkeit dass sie sich anstecken, mit solchen Lüftungsgeräten deutlich reduzieren", sagte Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU). Das heiße im Umkehrschluss, dass ein Betrieb der Maschinen in Kindergärten nichts bringe, weil hier die Kinder in so engem Kontakt beim gemeinsamen Spielen seien, dass Lüfter den Austausch der Aerosole nicht verhindern könnten. Der Rathauschef ergänzte, dass man beim Betrieb der Geräte das Lüften durch geöffnete Fenster nicht völlig bleiben lassen solle. "Aber man kann die Intervalle deutlich hinauszögern, dann wird es in den Klassenzimmern nicht so kalt."

Stefan Forster, der Leiter der Abteilung Bautechnik im Rathaus, ergänzte, dass diese Lüftungsapparate weitere positive Effekte bei der Reinigung der Luft hätten, etwa durch das Herausfiltern von Viren. Die Lieferzeit für die Geräte betrage etwa vier Wochen, so Forster.

Ratsmitglieder aller Fraktionen schlossen sich dem Vorhaben der Verwaltung an, so sagte Petra Schulz-Geßl (FDP), sie sei selbst Lehrerin und friere jetzt schon ständig, insofern könne sie den Plan mit den Lüftern nur unterstützen. Rolf Kersten von den Grünen ergänzte, auch die nur geringfügige Lärmbelastung der Geräte sei ein Argument für deren Anschaffung: "Die machen Geräusche wie eine Spülmaschine, man gewöhnt sich daran", sagte er. "Für unsere Kinder sollten wir die 160 000 Euro investieren."

Im Namen der Wählergemeinschaft ÜWG-Freie Wähler/Bürgerforum sprach sich auch Pauline Miller für die Lüfter aus, regte jedoch an, man möge ein Leasing-Modell anfragen, schließlich könne es ja sein, dass man die Geräte bei einem raschen Abflauen der Pandemie gar nicht mehr benötige. Stefan Forster entgegnete, dass die Apparate so viel Mehrwert brächten, dass man diese auch nach Corona gut verwenden könnte. Zuspruch gab es auch von der SPD, die Dritte Bürgermeisterin Regina Wenzel betonte, dass die Lüfter schnell angeschafft werden sollten, weil man dadurch verhindern könne, dass die Kinder "ständig krank" seien und man "dem Bildungsauftrag nicht mehr nachkommen" könne.

Nachdem sich auch der CSU-Fraktionsvorsitzende Anton Fritzmaier "klar dafür" ausgesprochen und Bürgermeister Straßmair betont hatte, alle würden mit ihren Argumenten bei ihm "auf ein leeres Tor schießen", wurde der Kauf einstimmig abgesegnet.

© SZ vom 24.10.2020

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