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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Dichter wohnen in der Waldsiedlung

Auch im einst eher ländlichen Höhenkirchen-Siegertsbrunn sind Bauflächen mittlerweile knapp.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde will mit den Bürgern über den neuen Bebauungsplan diskutieren

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - An der Englwartinger Straße in Höhenkirchen haben sich einige ihren Traum im Grünen verwirklich. Der Blick mit Google-Earth offenbart es aller Welt: Da und dort leuchtet in hellblau ein Pool hinterm Haus durchs Grün. In einem Garten steht ein Trampolin auf der Wiese. Doch auch an der Siedlung mit den großen Grundstücken am westlichen Ortsrand, für die in weiten Teilen ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1957 bis heute noch gültig ist, geht die Zeit nicht vollends vorüber. Baugrund ist begehrt und teuer, und die Begehrlichkeiten wachsen, dort zu verdichten. Das Rathaus ist gefordert, das zu ordnen und die Interessen auszugleichen.

Die Betroffenheit in der Siedlung ist groß. Es geht um Geld und Lebensqualität. Das zeigte trotz der Corona-Ängste der rege Besuch letztens im Bauausschuss des Gemeinderats, als Planer Oliver Prells vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München Ideen vorstellte, wie der Bebauungsplan angepasst werden könnte, um in verträglichem Maß zusätzliche Gebäude auf den Grundstücken zuzulassen. Er machte im Grunde zwei Alternativen auf. Je nach Grundflächenzahl würde mehr oder weniger Verdichtung ermöglicht, bis hin zu einer Situation, bei der es ohne Tiefgarage nicht mehr ginge. Eine Entscheidung fiel noch nicht. Die Unabhängigen Bürger (UB), aber auch Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) betonten, ohne intensive Bürgerbeteiligung vorab werde nichts beschlossen.

Die UB hatten sogar den Antrag gestellt, die Präsentation durch den Planer vor einer Bürgerversammlung von der Tagesordnung zu nehmen. So weit kam es dann aber nicht, weil ja auch nur Alternativen aufgezeigt wurden. Die Meinungen unter den Gemeinderäte waren differenziert. Andrea Hanisch (UB), die selbst lange in dem nach ihren Worten nicht zufällig als "Waldsiedlung" im Ort bekannten Viertel wohnte, warnte vor zu dichter Bebauung und vor Problemen mit fehlenden Stellplätzen auf den Grundstücken. "Die Wohnqualität ist unheimlich hoch", sagte sie. Peter Guggenberger (CSU) dagegen zeigte sich offen dafür, den Familien dort die Chance zu bieten, für die Kinder auf eigenem Grund Häuser hinzustellen.

Nach Darstellung von Planer Oliver Prells stehen die Gemeinderäte vor der Frage, ob sie eine Grundflächenzahl von 0,2 oder 0,3 festlegen wollen, was entweder erlauben würde, 20 oder 30 Prozent des Areals zu überbauen. Prells sagte, auch mit 0,2 wäre auf den Grundstücken noch einiges an Verdichtung möglich. Guggenberger hielt dem entgegen, dass der Effekt dann doch gering wäre, und sich die Frage stellen würde, ob sich der Aufwand dann lohnt.

Peter Guggenberger warb für mehr Baurecht und sagte, er könne sich mit 0,3 gerade noch abfinden. "Der billigste Einheimischengrund ist der, den man nicht kaufen muss", sagte er. Ein Bebauungsplan habe eine "lange Perspektive", es bringe nichts, sich da zu sehr einzuengen und in ein paar Jahren wieder zu diskutieren. Anita Reiprich (SPD) gab zu bedenken, dass bei einer größeren Verdichtung Baulandausweisungen an anderer Stelle vermieden werden könnten.

Otto Bußjäger (UB) plädierte dafür, dass Planer Prells eine "Strukturanalyse" der Siedlung erstellt, um Perspektiven aufzuzeigen. Bürgermeisterin Konwitschny und auch Prells erwarten sich genau dies von der Bürgerbeteiligung, die anlaufen soll, sobald es die Corona-Einschränkungen erlauben, wie es heißt. Auf Anregung aus der Mitte des Gremiums wurde der Umgriff des Bebauungsplans erweitert und auch ein Bereich nördlich der Wagerstraße aufgenommen.

© SZ vom 23.06.2020

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