Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Das kleine Warenhaus steht vor dem Aus

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Irene Steele ist immer da, wenn "Unser kleines Warenhaus" in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geöffnet hat.

Irene Steele ist immer da, wenn "Unser kleines Warenhaus" in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geöffnet hat.

(Foto: privat)

Drei Frauen verkaufen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn Gebrauchtes und spenden den Erlös. Doch das Gebäude ist marode

Von Tatjana Tiefenthal, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Angefangen hat "Unser kleines Warenhaus" in Höhenkirchen-Siegertsbrunn in einer Garage, nun ist es seit fast 13 Jahren an der Ahornstraße beheimatet. Hier können Sachspenden abgegeben werden, die dann im Warenhaus für einen kleinen Preis einen neuen Besitzer finden. Der gesamte Erlös wird an soziale Einrichtungen in der Umgebung gespendet. Doch weil das Haus, in dem der Laden untergebracht ist, abgerissen werden soll, ist die Zukunft der Initiative ungewiss.

Irene Steele kümmert sich ehrenamtlich mit zwei anderen Frauen um das Warenhaus. Die 75 Jahre alte Rentnerin ist während der Öffnungszeiten immer im Laden, sie ist für die Buchführung zuständig und sortiert die Spenden: "Im Sommer bekomme ich häufig Weihnachts- und Osterdekoration, die Sachen kommen nie zum richtigen Zeitpunkt", sagt sie. Dies sei ein Problem, da die Lagermöglichkeiten im Warenhaus begrenzt sind. Sie versuche aber, alles in dem kleinen Haus unterzubringen.

Die Erlöse übergibt Steele an karitative Einrichtungen. "Ich versuche, die Spenden in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und der nahen Umgebung zu verteilen, schließlich kommen die Sachspenden auch von hier", erklärt sie. Steele hat eine lange Spendenliste, in einem Buch notiert sie alle überreichten Beträge: "Immer, wenn wieder genügend Geld zusammengekommen ist, schaue ich auf meine Liste, wer dran ist." Die Hilfsgelder übergibt sie persönlich. So wissen sie und ihre Mitstreiterinnen immer genau, bei wem das Geld ankommt.

Die Einnahmen des vergangenen Monats gingen zum einen an den Verein Lichtblick und kamen dort Personen mit einer zu kleiner Rente zugute, zum anderen an den Diakonieverein, wodurch das Pflegezentrum St. Michael in Ottobrunn unterstützt wurde. Insgesamt 1500 Euro konnte Steele den beiden Einrichtungen überreichen.

Etwa einmal im Jahr wird von den Einnahmen ein Friseur bezahlt, damit sich Bedürftige dort die Haare schneiden lassen können. "Für das Wohlbefinden kann ein Friseurbesuch viel bewirken", sagt Steele. Es kämen Menschen, die ein oder zwei Jahre nicht beim Friseur waren, weil das Geld nicht reiche. Auch die Lebenshilfe in Putzbrunn und die Stiftung Pfennigparade, ein Rehabilitationszentrum für Menschen mit körperlicher Behinderung, werden regelmäßig unterstützt. Von dem Geld werden dort Feste organisiert, neue Sportsachen angeschafft oder Ausflüge ermöglicht. Auch das Kinderhospiz in Memmingen erhält Spenden und das ist nicht das Ende ihrer Liste. Sie versuche an alle etwas zu geben, die sonst zu wenig Hilfe erhalten, sagt Steele. Sie ist sehr zufrieden mit dem, was sie erreichen kann. "Im besten Jahr kamen wir auf rund 17 000 Euro. In schlechten Jahren haben wir 12 000 Euro spenden können", erzählt sie. Auch letztes Jahr seien die Erlöse durch die Corona-bedingten Schließungen schlechter ausgefallen.

Wie lange es "Unser kleines Warenhaus" noch geben wird, ist allerdings unklar: "Wir alle im Team sind nicht mehr die Jüngsten. Ich werde weitermachen, solange meine Gesundheit mitspielt", sagt Steele. Es mangele an jüngeren Leuten, die sich im Warenhaus engagieren. Steele kann das verstehen. "Man muss sich durch viele alte Sachen wühlen, das ist halt nicht so attraktiv."

Vor allem aber ist das Haus, das die Gemeinde unter der früheren Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, marode und soll abgerissen werden. Einen Termin gibt es noch nicht, andere Häuser haben Vorrang und Steele hofft, dass bis zum tatsächlichen Abbruch noch ein paar Jahre vergehen. "Das Haus ist wirklich nicht erhaltenswert", meint Steele, "es regnet sogar herein. Aber 'Unser kleines Warenhaus' ist erhaltenswert." Mangels eines Ausweichquartiers wird das Warenhaus jedoch wohl zusammen mit dem Gebäude verschwinden. "Es gibt keinen anderen Ort, an den wir hinkönnten."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB