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Grünwald:Virtuose Tiefe auf hohem Niveau

Das Publikum im August-Everding-Saal feiert das Münchener Kammerorchester und das 15-jährige Bestehen der Erich und Ute Decker Kulturstiftung.

(Foto: Claus Schunk)

Der Pianist Michail Lifits und das Münchener Kammerorchester beglücken das Publikum beim Konzert zu Ehren des 2004 verstorbenen Grünwalder Musikförderers Erich Decker

Von Udo Watter, Grünwald

Die Gemeinde Grünwald muss sich um ihren Bekanntheitsgrad generell ja keine großen Sorgen machen. Sie hat freilich auch jenseits der Klischees vom noblen, leicht verschnarchten Villenvorort und ihrer stattlichen Anzahl an scheinbar versnobten Einkommensmillionären Einiges zu bieten. Als kleines, erlesenes Epizentrum klassischer Kammermusik etwa hat sich Grünwald in den vergangene Jahren einen beachtlichen Namen gemacht. Der August-Everding-Saal ist nicht zuletzt ob seiner exzellenten Akustik ein Glücksfall für Künstler wie Publikum.

Noch beglückender ist eine Veranstaltung dort, wenn sie ein so begnadeter Künstler wie Michail Lifits gestaltet. Begleitet vom renommierten Münchener Kammerorchester war der 1982 in Taschkent geborene Pianist der beeindruckende Protagonist beim Konzert zu Ehren von Erich Decker, dem Gründer der Erich und Ute Decker-Kulturstiftung, welche die klassische Musik in Grünwald seit 15 Jahren fördert.

Bei der Eröffnung des August-Everding-Saales 2002 war Decker, selbst begeisterter Pianist, noch dabei, zwei Jahre später verstarb der Grünwalder Geschäftsmann, der in Kooperation mit dem damaligen Bürgermeister Hubertus Linder die Stiftung ins Leben gerufen hatte. Ziel war von Beginn an die "Förderung klassischer und romantischer Kammermusik auf höchster Ebene" und das - soviel kann man leicht konstatieren - ist definitiv erreicht worden: Erich Deckers zweite Frau Hannelore Cramer-Decker trägt die Stiftung seit dem Tod ihres Mannes weiter. Sie wirkte an diesem besonderen Abend, an dem es auch einen Empfang mit Häppchen und Aperitif für die Gäste - darunter Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) - gab, durchaus beseelt. Nicht nur das große, an die Wand projizierte Bild von Decker, das den August-Everding-Saal vor Konzertbeginn zierte, dürfte ihr gefallen haben ("Heute Abend ist der Erich ist bei uns"), sondern eben auch, was sie zu hören bekam. Nach dem beschwingten Auftakt mit Mozarts selten gespielter Ouvertüre zur Oper "La finta giardiniera" avancierte das A-Dur-Klavierkonzerts KV 414 des Salzburgers zum ersten Höhepunkt. Lifits brillierte mit manueller Gewandtheit und sanft-durchgeistigtem Ton, welche die luftige Grazie und die serenadenartige Dynamik der Komposition wunderbar entfalteten. Von geschmeidiger Trillerseligkeit und mit der Neigung, gewisse Pausen gerade lange genug auszureizen - und dabei mimisch manchen Ton einzeln zu zerkauen - schuf er im gelungenen Zusammenspiel mit dem von Konzertmeisterin Diana Tishenko geleiteten Orchester eine berückende Interpretation. Ähnliches galt für Benjamin Brittens 1939 komponierten "Young Apollo": Klar ist dieses Werk nicht frei von allzu deutlich gesetzten Effekten und das Dialogisieren zwischen Pianist und den Streichern hat mitunter etwas pompös Akzentuiertes, aber Lifits überspielte die eventuell zu kritisierenden Oberflächlichkeiten der Komposition mit einer virtuosen Tiefe, die beeindruckte. Verdiente "Bravo"-Rufe zur Pause für den Pianisten, der unter anderen den renommierten 57. Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni gewonnen hat. Als Zugabe zauberte Lifits mit Chopins Nocturne Nr. 20 weiche Klangschönheit in den Raum.

Das Münchener Kammerorchester zeigte sich dann auch ohne den Pianisten Lifits als Ensemble mit feiner und homogener Klangkultur. Unter der Ägide der lustvoll aufspielenden Geigerin Diana Tishenko gelang noch ein überzeugender und mit dramatisch aufwühlenden Momenten durchsetzter Vortrag von Franz Schrekers "Intermezzo und Scherzo" sowie zum Abschluss mit Bläserunterstützung Mozarts stimmungsvoller und sommerlich anmutender Sinfonie Nr. 33.

Ein schöner und inspirierender Abend im Geiste von Erich Decker. Leider waren einige Plätze im August-Everding-Saal frei geblieben - aber des Stiftungsgründers Maxime, nämlich "Kammermusik auf höchster Ebene" nach Grünwald zu bringen, war in jedem Fall erfüllt.

© SZ vom 20.06.2015

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