Grünwald Perfekt anmutende Homogenität

Treten seit 1995 in unveränderter Besetzung auf, und entsprechend homogen ist das Zusammenspiel der Mitglieder des Fauré Quartetts.

(Foto: Claus Schunk)

Das Fauré Quartett unterstreicht in Grünwald seinen Ruf als das vielleicht beste Klavierquartett der Welt

Von Udo Watter, Grünwald

Das Klavierquartett ist nicht unbedingt der Renner unter den Gattungen der Kammermusik. Nicht allzu viele Komponisten von Bedeutung fühlten sich im Laufe der Musikgeschichte bemüßigt, ihren Genius in Werke für die Besetzung Klavier, Violine, Viola und Violoncello fließen zu lassen. Auch gibt es im heutigen Klassikbetrieb nur wenige feste Kavierquartettformationen. Wer allerdings behauptete, das Fauré Quartett gelte nur mangels Konkurrenz als wohl bestes Klavierquartett der Welt, der übersieht (oder überhört), dass die vier Mitglieder Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Viola), Konstantin Heidrich (Violoncello) und Dirk Mommertz (Klavier) auf einem Niveau agieren, dass kaum zu übertreffen ist. Bei seinem Konzert im Grünwalder August-Everding-Saal bot das 1995 gegründete (und noch immer in ursprünglicher Besetzung spielende) Ensemble ein Konzert der Extraklasse. Besonders bewegend gleich der Auftakt: In Schumanns Es-Dur Klavierquartett entfalteten die vier Protagonisten einen hoch differenzierten, in seiner homogenen Geschmeidigkeit fast perfekt anmutenden Vortrag. Da ist natürlich diese spezielle Klangfarben-Melange und die durchaus sinfonischen Dimensionen, welche dem Werk besondere Eindrücklichkeit verleihen. Aber vor allem war es ein detailsicheres Agieren der Musiker, welche die Interpretation zum Ereignis machten. Besonders gelungen: der zweite Satz, dessen oft rastloser Charakter sich in anmutig flirrenden, skurrilen Bewegungen entlud und durch zackig gesetzte Pizzikati mitriss. Dazu zaghaft tastende Intermezzi als Kontrast. Und danach das anrührende Andante mit wunderbarem, dunkel glühendem Cello-Thema, in freien Variationen übernommen von Violine und Klavier - und das alles in einer stimmigen, ausdrucksstarken Weise, die nie ins übertrieben Verzweifelte abdriftete.

Etwas desperater, um nicht zu sagen, tragisch-eruptiver kam Brahms' Klavierquartett c-Moll op. 60 daher. Der Komponist zeigt gleich zu Beginn mit hämmernden Klavieroktaven, dass er - dramaturgisch gesehen - keine Gefangenen macht. Danach explodiert quasi der Seelenschmerz. Man wird in der nächsten guten halbe Stunde Zeuge, wie sich ein Weltendrama in Brahms' Seele abspielt. Das Werk hat ja auch den Beinamen "Werther-Quartett" und Brahms sagte dazu: "Denken Sie sich dabei einen, der sich gerade totschießen will und dem gar nicht Anderes mehr übrig bleibt." Der Beginn der Arbeit im Jahr 1855 fiel in die Zeit der Krise, in der Brahms seinen inneren Konflikt zwischen der Loyalität zum älteren Robert Schumann und der Zuneigung zu Clara Schumann austrug. Erst 20 Jahre später vollendete er das Werk.

Auch wenn es hier Momente gab, in denen das Fauré Quartett nicht mehr ganz so fein und konstant auf höchstem Level differenzierte wie bei Schumann, war auch der Brahms ein Hörerlebnis. Eindrücklich etwa die fulminante Steigerungswucht im zweiten Satz, oder die singende Klavierläufe im Andante, begleitet von Geigentupfern und Viola- sowie Cello- Pizzikati. Spätromantische, fast schon impressionistische Klangwelten schienen da auf und am Ende ist der tragische Gestus zwar verschwunden, aber Erlösung bot das Finale auch nicht. Das Publikum, das noch Mendelssohn-Bartholdys Klavierquartett Nr. 2 und als Zugabe Dvoraks/Kreislers "Als die alte Mutter" lauschen durfte, feierte das Fauré Quartet begeistert. Wie sagte die argentinische Pianistenlegende Martha Argerich: "Wer das Fauré Quartett hört, möchte es wieder hören."