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Grünen-Chefin Sammüller:Vorsitzende gibt ihren Posten auf

Die Münchner Grünen-Chefin Hanna Sammüller zieht sich aus privaten Gründen aus der Parteispitze zurück - sogar die Rathaus-CSU bedauert das.

Silke Lode

Die Grünen-Chefin Hanna Sammüller ist als Vorsitzende des Münchner Stadtverbands zurückgetreten und hat damit am Montagabend Parteivorstand und Stadtratsfraktion gleichermaßen überrascht. Die 26-Jährige begründete ihren Rückzug mit der zu großen Doppelbelastung: Neben dem zeitintensiven Ehrenamt als Parteivorsitzende schreibt Sammüller an ihrer Doktorarbeit, die sie in den nächsten Monaten fertigstellen will.

Hanna Sammüller gibt den Posten als Grünen-Chefin in München auf. Damit steht Nikolaus Hoenning allein an der Spitze der Partei, bis im November eine Nachfolgerin gewählt wird.

(Foto: Robert Haas)

Damit steht Nikolaus Hoenning allein an der Spitze der Grünen, bis im November eine Nachfolgerin von Sammüller gewählt wird. Die Satzung der Grünen sieht an der Doppelspitze mindestens eine Frau vor. Bisher haben sich keine Bewerberinnen gemeldet, lediglich die Vorsitzende der Grünen Jugend, Katharina Schulze, sagte, dass sie über eine Kandidatur nachdenke.

Hoenning meinte, dass nichts dagegen spreche, zunächst sollten aber alle die Chance haben, sich eine Kandidatur zu überlegen. "Wichtig ist: Der frische Wind muss fortgesetzt werden, den Hanna Sammüller verkörpert hat."

Sammüller selbst kann sich als Nachfolgerin eine Mandatsträgerin vorstellen, um die Probleme zu vermeiden, die sie zum Rückzug bewogen haben: "Wer einen Job hat, der nichts mit Politik zu tun hat, den stellt ein solches Ehrenamt vor eine Zerreißprobe." Sie betonte, dass ihr der Rücktritt "alles andere als leicht" gefallen sei, ihr aber "eine vernünftige, abgeschlossene Ausbildung" sehr wichtig sei, um nicht ausschließlich von der Politik abhängig zu sein.

Sammüller schreibt an einer juristischen Doktorarbeit und will kommenden April ein Referendariat beginnen. "Ich musste die Reißleine ziehen, sonst wäre die Arbeit nicht mehr fertig geworden."

Die Grünen nahmen Sammüllers Rücktritt bestürzt zu Kenntnis, zeigten jedoch Verständnis für ihre Entscheidung. Ihr Vorstandskollege Hoenning sagte, er habe gewusst, dass die Doppelbelastung für Sammüller massiv gewesen sei. "Ich war aber trotzdem sehr überrascht." Gerade jetzt, wo die Grünen in den Wahlumfragen im Aufwind sind, sei ihr Rückzug ein besonderer Verlust.

Fraktionschef Siegfried Benker sagte, er wünsche sich, dass Sammüller wieder in die aktive Politik zurückkomme, wenn sie ihre Arbeit geschafft habe. "Sie ist eine der großen Politikhoffnungen der Münchner Grünen." Auch seine Kollegin Lydia Dietrich lobte Sammüller als "junge, starke und sehr engagierte Frau". Sie habe sie persönlich und politisch sehr geschätzt und bedauere ihren Rücktritt.

Sammüller betont ebenso wie Dietrich und Benker, dass ihre Entscheidung nichts mit inhaltlichen Differenzen zwischen Parteispitze und Fraktion zu tun habe. Allerdings gab es in den vergangenen Monaten etliche Konfliktpunkte, am deutlichsten wurde dies bei der Haltung zur Olympiabewerbung. Sammüller und Hoenning eckten auch mit ihrer Forderung nach einem Generationenwechsel an, zudem beobachteten die Stadträte misstrauisch ihr gutes Verhältnis zur CSU.

Dementsprechend enttäuscht zeigte sich auch CSU-Fraktionschef Josef Schmid über Sammüllers Entscheidung: "Sie steht für eine unvoreingenommene, offene Gesprächsbereitschaft mit allen demokratischen Parteien und ist ideologisch nicht verblendet." Deshalb bedauere er ihren Rücktritt sehr.

© SZ vom 22.09.2010/bica

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