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Grasbrunn:Bruch in der CSU

Grasbrunn, Gemeinderatssitzung mit Wahlen,

Ursula Schmidt, parteifreies Mitglied im Gremium

(Foto: Angelika Bardehle)

Ursula Schmidt verlässt wegen Wahlstreit Partei und Fraktion

Die Wahl des Zweiten Bürgermeisters in Grasbrunn zeitigt politische Nachwehen. Nach ihrer Niederlage am Dienstag gegen CSU-Ortschef Detlef Wildenheim hat die bisherige CSU-Fraktionsvorsitzende Ursula Schmidt am Freitag ihren Austritt aus Partei und Fraktion erklärt. Sie sei nach 19 Jahren Mitgliedschaft "mit sofortiger Wirkung" aus dem CSU-Ortsverband Grasbrunn ausgetreten, teilte Schmidt schriftlich mit. "Eine Zusammenarbeit mit dem Ortsvorsitzenden der CSU Grasbrunn sehe ich aufgrund unüberbrückbarer Differenzen leider nicht mehr gegeben", so Schmidt.

Ebenso sei eine Zusammenarbeit mit Wildenheim als neuem Fraktionsvorsitzenden "auf vertrauensvoller Basis unmöglich". Schmidt kündigte an, ihr Mandat im Gemeinderat als parteifreies Mitglied wahrzunehmen. Die CSU verliert damit einen ihrer sechs Sitze, die sie bei der Kommunalwahl am 15. März gewonnen hat und ist damit nur noch genauso stark wie die SPD, die fünf Sitze hat, zusammen mit ihrem Bürgermeister aber auf sechs Stimmen kommt.

Bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag hatte der CSU-Ortsvorsitzende und neue CSU-Fraktionschef Detlef Wildenheim überraschend seine Bewerbung für das Amt des Zweiten Bürgermeisters erklärt, nachdem zuvor seine Parteifreundin Ursula Schmidt als Konsenskandidatin von CSU, SPD und Freien Wählern für den Posten gegolten hatte. Dieser war frei geworden, nachdem die langjährige Zweite Bürgermeisterin Iris Habermann sich aus der aktiven Kommunalpolitik altersbedingt zurückgezogen hatte.

Nur Stunden vor der Sitzung hatte CSU-Chef Wildenheim seinen Parteifreund Bernhard Bauer als Anwärter auf den Posten ins Gespräch gebracht. In der Sitzung erklärte Wildenheim dann jedoch selbst seine Kandidatur. Er wurde dann im zweiten Wahlgang mit elf zu neun Stimmen anstelle Schmidts gewählt, nachdem es zuvor ein Stimmenpatt gegeben hatte. Danach war allgemein bereits ein Austritt Schmidts aus der CSU erwartet worden, die vor zwölf Jahren Bürgermeisterkandidatin ihrer Partei war und bis zuletzt die CSU-Gemeinderatsfraktion geführt hatte. Bei der Kommunalwahl war Wildenheim Spitzenkandidat der CSU. Er verlor diese mit 21,9 Prozent gegen SPD-Bürgermeister Klaus Korneder, der ihn als Stellvertreter verhindern wollte. Von der CSU heiß es am Freitag nur, man bedauere Schmidts Schritt und hätte sie "gerne an Bord gehabt".

© SZ vom 16.05.2020

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