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Pullach:Der Landrat und das diplomatische Korps

Ein Abend im Sinne des Austausches: Landrat Christoph Göbel (vorne am Pult) empfängt Konsuln aus mehreren Ländern in der Burg Schwaneck.

(Foto: Claus Schunk)

Christoph Göbel empfängt auf der Burg Schwaneck zum ersten Mal die Angehörigen der konsularischen Vertretungen im Landkreis.

Pakistan ist in Pullach, Luxemburg in Schäftlarn, Trinidad und Tobago in Unterhaching. Insgesamt elf Länder haben den Geschäftssitz ihres Honorarkonsuls in Gemeinden des Landkreises München. Es sind vor allem kleine Länder, die kein Generalkonsulat in Bayern haben: von Paraguay über Panama bis Sierra Leone. Anders Afghanistan: Das Land hat sein Generalkonsulat in Grünwald.

Am Donnerstagabend hat Landrat Christoph Göbel (CSU) zum ersten Mal konsularische Vertretungen aus München und dem Landkreis zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen. Die Diplomaten trafen sich im Rittersalon der Burg Schwaneck in Pullach, einem Ort, der durch seine Jugendherberge für Internationalität steht. Unter die Ritterwappen war eigens ein Plakat mit Flaggen von beinahe allen Ländern der Welt gehängt worden. Neben jeder kleinen Fahne stand eine Zahl: So viele Menschen der jeweiligen Nationalität wohnen im Landkreis. Zu ihnen gehören auch ein einziger Samoaner und ein einziger Guyaner. Beide sind nicht nur allein aus ihrer Heimat hier her gekommen - sie haben nicht einmal eine konsularische Vertretung ihres Landes, weder im Landkreis noch sonstwo in Bayern.

Anders ist es für die 410 Pakistaner im Landkreis. Honorarkonsul Pantelis Poetis vertritt die Islamische Republik Pakistan seit Januar 2009. Der Sitz des Honorarkonsulats ist seitdem in Pullach, wo der Unternehmer auch seinen Wohnsitz und den Hauptsitz seiner Firma hat. Poetis folgte damals einer Empfehlung des Auswärtigen Amtes und bewarb sich für den Posten. "Ich hatte große Bedenken und sehr intensive Diskussionen zu Hause", erzählt er. Pakistan habe damals eine sehr turbulente Phase erlebt, zwischen Afghanistankrieg, landesinternem Terror und Instabilität. Das Land habe er auch nicht besonders gut gekannt, gibt er zu. Mittlerweile reist er sechs bis zehn Mal im Jahr dorthin. "Eine große Bereicherung."

Die Frau des Landrats, Ochmaa Göbel, in mongolischer Tracht mit Pantelis Poetis, dem Honorarkonsul von Pakistan

(Foto: Claus Schunk)

Honorarkonsuln kommen nicht aus dem Land, das sie vertreten, und besitzen nicht seine Staatsbürgerschaft. Anders als Berufskonsule üben sie ein Ehrenamt aus. Sie werden entweder vom Empfängerstaat empfohlen - wie im Falle von Poetis - oder direkt von der jeweiligen Nation beauftragt. Da einige im Landkreis wohnen, sind auch die konsularischen Vertretungen hier. Im reichen Bayern stehen in erster Linie die wirtschaftlichen Beziehungen der jeweiligen Länder mit dem Freistaat im Mittelpunkt der Arbeit der Konsuln.

Mit dabei: Annette Weidner und ihr Mann Wolfgang Wiedemann, Honorarkonsul von Uganda, mit Ursula Männle, die Marokko vertritt.

(Foto: Claus Schunk)

So ist es auch bei Poetis. Durch die "Neue Seidenstraße" und die wirtschaftliche Expansionspolitik Chinas entwickelt sich Pakistan, das direkt an die Volksrepublik grenzt, rasant und es entstehen neue Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und der islamischen Republik. Zurzeit sei vor allem technisches Know-how gefragt, sagt Poetis. Freilich haben auch deutsche und bayerische Firmen viele Standorte und Kontakte in Pakistan, insbesondere Adidas lässt viel dort produzieren.

Zwölf Konsulate

So viele Länder haben ihre konsularischen Vertretungen in Gemeinden des Landkreises München. Afghanistan hat sogar sein Generalkonsulat in Grünwald, wo auch Paraguay und Sierra Leone von Honorarkonsuln vertreten sind. Am beliebtesten ist jedoch Pullach mit den Konsulaten von Barbados, Pakistan, den Philippinen und Togo. Ansonsten sind die Honorarkonsuln ziemlich verstreut: Estland ist in Grasbrunn, Ghana in Gräfelfing, Luxemburg in Schäftlarn, Panama in Sauerlach, Trinidad und Tobago in Unterhaching.

Für Christian Klima, Honorarkonsul von Belgien, der ebenfalls in Pullach wohnt, sind die Wirtschaftsbeziehungen das Spannendste an seinem Beruf. Oft habe er Zusammenschlüsse von bayerischen und belgischen Unternehmen begleitet. "Man ist dann mit zwei unterschiedlichen Kulturen konfrontiert und man muss Kompromisse finden", erklärt er. Es gebe aber auch unschönere Seiten im Beruf, etwa Hilfe, wenn Landsleute im Urlaub verunglücken. Das gehöre zum Job, sagt der Rechtsanwalt, wie auch lustige Momente: Der erste Pass, den Klima unterschreiben musste, war der von Bayerns ehemaligem Innenverteidiger Daniel Van Buyten, kurz vor einem Auswärtsspiel in Russland. Dabei sei es zu einigen bürokratischen Holprigkeiten gekommen: "Ich habe schon die Schlagzeilen gesehen: Bayern verliert wegen des belgischen Generalkonsuls!"

Dass konsularische Beziehungen auch viel mit dem Menschlichen zu tun haben, liegt dem polnischen Generalkonsul Andrzej Osiak besonders am Herzen. Der Sitz seines Konsulats ist zwar in München, aber er pflegt eine besondere Beziehung zum Landkreis. Die polnischen Landkreise Krakau und Wieliczka sind nämlich seit 2003 Partner des Landkreises München. "Es besuchen immer wieder polnische Studenten, aber auch Feuerwehrleute und die Landräte den Landkreis", erklärt Osiak stolz. Dieser Austausch sei vor allem auf menschlicher Ebene sehr intensiv.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise auch das Konsulat Litauens in Planegg im Landkreis München verortet. Richtig ist, dass sich das Konsulat seit Ende 2017 direkt in der Landeshauptstadt befindet.

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