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Garchinger Wiesn-Original:Das Jubiläum entfällt

traditioneller Einzug der Wiesnwirte des Festring s eV zum Auftakt des Oktoberfest s in München, Bayern, Deutschland: Da

Viktoria Ostler aus Garching wird das Lachen der Kinder, die gute Stimmung und das Bier vermissen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Viktoria Ostler wäre zum 5. Mal das Münchner Kindl gewesen

Viktoria Ostler hatte sich das so schön ausgemalt. Im September wollte die Jura-Studentin ihr erstes Staatsexamen schreiben, für das sie seit Monaten büffelt. Nur eine Woche später wäre dann der Startschuss zur Wiesn gefallen, wo die 26-Jährige die hinter sich gebrachte Prüfung hätte feiern können. Und das nicht nur als Besucherin des weltgrößten Volksfests, sondern in der Rolle als Münchner Kindl, das beim Einzug der Wiesnwirte ebenso auf einem Pferd vorausreitet wie beim Trachten- und Schützenzug, das beim Anstich im Schottenhamel-Zelt auf einem der Fässer sitzt, und das auch sonst zur Oktoberfestzeit von Termin zu Termin eilt - stets gekleidet in einer goldgeränderten schwarzen Kutte.

Doch dieses Gewand wird die aus Garching stammende Viktoria Ostler nun im Schrank lassen. Denn Anfang dieser Woche ist die Wiesn wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden - eine Nachricht, mit der sie schon gerechnet habe, sagt das Münchner Kindl am Telefon. "Und trotzdem hat es mich traurig gemacht. Extrem traurig." Ihre Cousine hatte sie 2016 auf die Idee gebracht, sich beim Festring München als Wiesn-Botschafterin zu bewerben. Sie selbst wäre nie auf die Idee gekommen, sagt Viktoria Ostler - dabei bringt sie vieles mit, was von einem Münchner Kindl erwartet wird: Nicht nur wurde sie in der Landeshauptstadt geboren (bevor sie in Garching aufwuchs), spricht bairisch, reitet von Kindesbeinen an und hat dank ihres Vaters, der eine Mälzerei leitet, eine spezielle Beziehung zum Bier. Sondern Viktoria Ostler ist auch familiär vorbelastet: Schon ihre Großtante war in den 1980ern Münchner Kindl.

In deren Fußstapfen trat - oder besser: in deren Kutte schlüpfte - Viktoria Ostler erstmals 2016. Heuer wollte sie eigentlich ihr fünfjähriges Jubiläum feiern. Was sie vermissen wird? "Die Freude der Leute, das Lachen der Kinder, die gute Stimmung, die man schon Wochen vorher spürt", sagt sie. "Und natürlich das Bier." Denn auch wenn der Masskrug, den das Münchner Kindl bei Umzügen in der Hand hält, aus Gewichtsgründen bloß aus Pappe ist - in den gut zwei Wochen probiert sich die passionierte Biertrinkerin mit Freude durch die sechs Wiesn-Gebräue. Und darauf will sie auch dieses Jahr nicht verzichten - trotz der Absage. "Ich werde auf jeden Fall etwas mit den Brauereien aushandeln", sagt Viktoria Ostler, die auch 2021 gerne die Kutte überstreifen würde. "Die Entscheidung liegt natürlich beim Festring. Aber ich würde mir wünschen, noch eine weitere Wiesn als Münchner Kindl dranzuhängen."

© SZ vom 24.04.2020

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