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Garching:Schwieriger Abschied von der autogerechten Stadt

Die Fahrstreifen neben der Schleißheimer Straße sollen für Autofahrer künftig Einbahnstreßen sein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Einbahnstraßen neben der Schleißheimer Straße in Hochbrück sollen Fahrradfahrer schützen. Doch das gefällt nicht allen: Aus der CSU kommt Kritik, weil das auf Kosten des motorisierten Verkehrs geht. Und die Grünen würden lieber auf den geplanten Radschnellweg warten

Von Gudrun Passarge, Garching

Die Stadt Garching plant ein neues Radwegekonzept an der Schleißheimer Straße in Hochbrück. Dort sollen Einbahnstraßen ausgewiesen werden, die Radfahrer jedoch dürften nach wie vor in beide Richtungen fahren. Die Pläne waren im Stadtrat jedoch umstritten. Christian Furchtsam (CSU) sagte, für die Firmen würde sich die Situation dadurch verschlechtern. Wie andere Stadträte auch forderte er, eher Radwege südlich und nördlich des Gewerbegebiets auszuweisen. Dritter Bürgermeister Walter Kratzl (Grüne) befürchtete eine Kollision mit dem geplanten Radschnellweg und dem Ausbau der B 471.

Hintergrund ist laut Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), dass die Stadt Fördermittel zum Ausbau von Radwegen beantragt hat, die noch in diesem Jahr eingesetzt werden müssten. Der aktuelle Vorschlag soll zunächst noch mit den betroffenen Firmen abgestimmt werden, erst im September stehe dann eine Entscheidung im Ausschuss an. Konkret geht es um die Nebenfahrbahnen an der B 471 zwischen der Zeppelin- und der Robert-Bosch-Straße im Norden und dem Graf-Zeppelin-Platz bis zum Knotenpunkt Daimlerstraße im Süden. Bislang können dort Autos und Radler in beide Richtungen fahren, Geh- und Radwege fehlen fast komplett.

Rathausmitarbeiterin Sonja Köhler stellte nun zwei Varianten vor, wobei die erste Variante von der Verwaltung bevorzugt wird. Nach dieser werden beide Nebenfahrbahnen für Autofahrer zur Einbahnstraße. Radfahrer dürfen dort weiterhin in beide Richtungen fahren, zusätzlich soll ein 1,50 Meter breiter Fahrradschutzstreifen entlang des Grünstreifens markiert werden. Bei der zweiten Variante soll die Verkehrsführung identisch laufen, doch zusätzlich zum Fahrradstreifen soll auch noch ein Gehweg in der Breite von 1,50 Metern eingerichtet werden. Das würde jedoch ein durchgängiges Halteverbot erfordern, da sonst die Fahrbahn zu eng würde.

Köhler erläuterte, dass sämtliche Gewerbetreibende in dem Areal angeschrieben und eingeladen wurden, um Stellung zu nehmen. Doch nur neun seien der Einladung gefolgt. Aufgenommen hat die Verwaltung unter anderem den Hinweis, dass durchgezogene Radfahrstreifen keine Lösung sind, "weil die Ein-und Ausfahrt aus den Grundstücken dann nicht mehr möglich wäre", erläuterte der Bürgermeister. Er sagte voraus, dass diese Pläne für viele Hochbrücker eine Veränderung bedeuten würden, gerade wenn sie zum Einkaufen fahren wollten. Andererseits brächten sie auch erhöhte Sicherheit. "Es wird immer Gewinner und Verlierer geben", sagte Gruchmann.

Und der Fahrradbeauftragte Rudi Naisar (SPD) warb für das Vorhaben mit dem Ziel, mehr Leute aufs Fahrrad zu bringen und sichere Radwege auch im Winter zu schaffen. Es werde zusätzlich noch ein Bündel von neuen Radwegen geben. In Hochbrück gehe es auch darum, die Fahrradverleihstationen an der U-Bahn sinnvoll anzuschließen. "Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir eine autogerechte Stadt sind", sagte Naiser. Er zeigte sich jedoch auch für andere konstruktive Vorschläge offen.

Walter Kratzl von den Grünen fand es "unsinnig, diese Planung jetzt zu machen". Schließlich sei geplant, den Radschnellweg an der Straße entlang laufen zu lassen und auch der Ausbau der B 471 soll irgendwann kommen. "Das beißt sich doch, das Ganze." Da war der Bürgermeister anderer Meinung. "Der Radschnellweg ist eine Vision", sagte er. "Ich glaube nicht, dass er in den nächsten zwei, drei, fünf Jahren entsteht. Und ob es so gemacht werden kann, steht noch völlig im Raum." Zum geplanten Ausbau der B 471 sagte Gruchmann, der sei im Bundeswegeplan festgeschrieben zwischen Ismaning und Dachau, es sei jedoch zweifelhaft, ob er in Oberschleißheim und Hochbrück möglich sei. Doch wenn der Ausbau komme, "dann sollten wir schauen, dass wir möglichst viel raushandeln", sagte er.

Wenig Verständnis zeigte auch Harald Grünwald (Unabhängige Garchinger). Er nannte die Planung des Radschnellwegs "nicht den Burner" und sah einige Schwierigkeiten, jetzt auch noch ein Garching-Konzept reinzudrücken. Er forderte eher südlich und nördlich Radwege anzulegen, alles andere sei "rausgeschmissenes Geld". Sorgen um die Autofahrer machte sich Albert Biersack (CSU): "Ich weiß nicht, ob es sinnig ist, in Kauf zu nehmen, dass der motorisierte Verkehr im Kreis herumgeschickt wird." Biersack wäre ein "großer Wurf" lieber, unabhängig von anderen Institutionen und Planern.

Doch Götz Braun (SPD) mahnte, man solle auch an die Leute denken, die diese Firmen mit dem Fahrrad erreichen wollten, für sie würden die Pläne durchaus Verbesserungen bringen. Zweiter Bürgermeister Alfons Kraft (Bürger für Garching) erinnerte daran, dass die Anlieger ja noch einmal gefragt würden. "Mir kommt es manchmal herinnen so vor, als wenn hier lauter Autofahrer wären", sagte Kraft. Er forderte auch entsprechende Halteverbote für Lastwagen in den Seitenarmen der Schleißheimer Straße. Im September wird noch einmal eine Debatte über das endgültige Konzept geführt werden.

© SZ vom 09.08.2017

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