Garching Künstliche Sonne

Minister Bernd Sibler (links) und Staatssekretär Roland Weigert lassen sich von Sibylle Günter die Funktionsweise der Anlage erklären.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wissenschaftler forschen an der Energiequelle der Zukunft

Von Mariella Kockler, Garching

Weg von Erdöl, Erdgas und Kohle, hin zu alternativen Energien - so stellt man sich die Energieversorgung der Zukunft vor. Doch mit welchen Alternativen genau möchte man den Weltenergiebedarf decken? Neben den erneuerbaren Energien und der Kernspaltung könnte die Fusionsenergie einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten. Genau daran forscht das Garchinger Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in ihrer Experimentieranlage Asdex-Upgrade.

Es ist laut in der Halle, in der sich die High-Tech-Maschine auf dem Campus im Garchinger Norden befindet. Ein durchdringendes Brummen verschluckt fast alle Worte, als Institutsleiterin Sibylle Günter am Donnerstagvormittag eine Gruppe durch das Herz der Anlage führt. Ihr lauschen konzentriert der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Staatssekretär Roland Weigert. Beide kamen, um sich über die Forschung an der Energiequelle der Zukunft zu informieren. Bereichsleiter Hartmut Zohm, ein Mitarbeiter von Sibylle Günter, erläuterte bei dieser Gelegenheit die Funktionsweise der künstlichen Sonne.

Ziel ist es demnach, die Energiequelle von Sonne und Sternen auf der Erde nutzbar zu machen. Ähnlich wie die Sonne, soll ein Fusionskraftwerk aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie gewinnen. Die für den Prozess nötigen Grundstoffe sind, wie das Institut mitteilt, nahezu unbegrenzt, beispielsweise in Meerwasser, vorhanden. Darüber hinaus weist ein Fusionskraftwerk günstige Sicherheits- und Umwelteigenschaften auf: Unfälle mit katastrophalen Folgen seien aus physikalischen Gründen prinzipiell unmöglich, klimaschädliche Emissionen träten nicht auf. Die Garchinger Forschungsanlage arbeitet unter kraftwerksähnlichen Bedingungen. Im Fokus steht dabei das Plasma - ein dünnes ionisiertes Wasserstoffgas, das stark aufgeheizt in wichtigen Eigenschaften dem Brennstoff in einem späteren Kraftwerk ähnelt.

Damit liefert Asdex-Upgrade Grundlagen für den größten internationalen Testreaktor Iter, der derzeit im südfranzösischen Cadarache aufgebaut wird. Dieser soll zeigen, dass Energiegewinn durch Kernfusion in Zukunft tatsächlich möglich ist. Das Garchinger Institut ist eingebettet in das europäische Fusionsprogramm und mit rund 1100 Mitarbeitern eines der größten Zentren für Fusionsforschung in Europa.