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Garching:Kommunikation auf allen Ebenen

Berieseln lassen ist nicht. Stephan Krusche findet es wichtig, "dass man im Team miteinander kommuniziert und praktisch Dinge ausprobiert". Deswegen entwickelte er sein neues Lehrprogramm.

(Foto: Astrid Eckert/oh)

Der junge Wissenschaftler Stephan Krusche von der TU in Garching hat ein Lehrkonzept entwickelt, das digitales Lernen und praktisches Arbeiten verbindet. Dafür ist er nun ausgezeichnet worden

Von Annika Bingger, Garching

"Sag es mir und ich werde vergessen. Zeige es mir, und ich werde mich erinnern. Beziehe mich ein, und ich werde verstehen. Tritt zurück, und ich werde handeln." Das ist das Lehrkonzept des jungen Wissenschaftlers Stephan Krusche von der Technischen Universität München (TUM) in Garching. Er hat mit seinem selbst entwickelten digitalen Lehrkonzept den diesjährigen Ars Legendi-Fakultätenpreis für exzellente Lehre in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik gewonnen.

"Gerade in der Informatik und Softwareentwicklung ist es wichtig, dass man im Team miteinander kommuniziert und praktisch Dinge ausprobiert", sagt der Dozent. Sich entspannt zurücklehnen und sich in der Vorlesung berieseln lassen, das gibt es bei Stephan Krusche deshalb nicht. "Man stellt sich die klassische Vorlesungsveranstaltung so vor, dass der Dozent vorne steht, etwas erzählt und die Hälfte der Studierenden einschläft oder gar nicht erst kommt. Davon wollen wir weg", versichert der Wissenschaftler.

Um möglichst viel von einer Lehrveranstaltung mitzunehmen, sei es unabdingbar, Übungen einzubauen, sodass Studierende die theoretischen Inhalte in die Praxis umsetzen können. "Ich selbst habe als Student damals schon gemerkt, dass mir die Lehre teilweise viel zu theoretisch war. Um ein Verständnis für das Gelernte zu kriegen, musste ich selbst die Dinge einfach mal ausprobieren", sagt Krusche. Man solle die Zusammenhänge verstehen.

Vor allem aber müssen die Studierenden lernen, sich im Studium selbst zu organisieren und zu managen. "Es geht nicht, dass der Dozent alles vorgibt und die Studenten stur die Aufgabenstellung befolgen. Es ist wichtig, dass sie Hintergründe verstehen lernen, bei Unklarheiten nachfragen, aber auch zuerst selbst überlegen, was für eine Aufgabe wirklich wichtig ist", erklärt Krusche. "So ist das im späteren Berufsleben ja auch, da wird einem auch nicht alles vorgekaut."

Um dieses Lehrkonzept zu vertiefen, entwarf er gemeinsam mit seinem Team das Lernmanagement-System Artemis. "Über das System stellen wir den Studierenden Aufgaben zu Verfügung, die sie selbst bearbeiten und dann sofort Feedback zu ihren Lösungen bekommen", sagt Krusche. Denn während es früher sehr langwierige Projekte über mehrere Jahre in der Softwareentwicklung gegeben hatte, verwende man heute Methoden mit Zwischen-Feedback, um Anwendungen zu optimieren. Artemis unterstütze somit diesen neuartigen Ansatz im Softwareengineering. "Wir bauen deshalb in die Vorlesungen zwischendrin immer wieder Übungen ein, sodass die Studenten möglichst schnell Feedback bekommen", sagt Krusche. "Sie dürfen dann gleich mal etwas programmieren oder modellieren, und das System gibt ihnen sofort eine Rückmeldung, was korrekt gelöst oder was falsch gemacht wurde".

Krusche wurde jedoch nicht nur für eine einzelne herausragende Veranstaltung, sondern für sein Gesamtengagement geehrt. Sein "ausgezeichnetes Konzept" finde sowohl in Vorlesungen als auch in Übungen, Praktika und Seminaren in Bachelor- und Masterstudiengängen an der TU München Platz, heißt es. So gelingt es Krusche, Nähe zu den Studentinnen und Studenten herzustellen und die Teilnehmer auch bei schwierigen Lehrformaten zu unterstützen und zu motivieren.

Krusche betont jedoch auch, dass er durch sein konzipiertes Lernsystem keinesfalls die Präsenzlehre künftig in eine Onlinelehre verwandeln wolle. "Mir ist es ganz wichtig, das System als unterstützendes Angebot im Rahmen der Digitalisierung und des effizienteren Lernens zu verwenden", sagt der Dozent. "Genauso sollen die Studierenden aber auch den Ehrgeiz entwickeln, ihre eigenen Interessen zu finden. Auch sollen sie weiterhin am Studentenleben teilhaben, sich direkt vor Ort mit ihren Kommilitonen austauschen und sich ein Netzwerk aufbauen."

© SZ vom 09.07.2020

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