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Garching:Angst vor der Wasserstoffstrategie

Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung

Andreas Hauer (Archivbild von 2012) ist Vorstandsvorsitzender des ZAE. Das Institut forscht an Themen wie der Entwicklung von Kältespeichermaterialien für den Transport eines Corona-Impfstoffs.

(Foto: Forian Peljak)

Landtagsabgeordnete der Grünen fordern den Erhalt des Zentrums für angewandte Energieforschung. Das Institut in Garching arbeitet interdisziplinär und genießt international Anerkennung

Von Irmengard Gnau, Garching

Claudia Köhler und Markus Büchler, die Landtagsabgeordneten der Grünen aus dem Landkreis, schlagen Alarm. Sie sehen die Zukunft des renommierten Zentrums für Angewandte Energieforschung (ZAE) in Garching durch Pläne der bayerischen Staatsregierung gefährdet. Diese zielen darauf ab, die Energieforschungslandschaft in Bayern umzubauen, die Regierung will dabei verstärkt auf Wasserstofftechnologie setzen. Im Zuge der Strategie von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) könnte das ZAE unter die Räder kommen, fürchten die Grünen. Die Arbeit des außeruniversitären Instituts, das sich in Garching insbesondere mit Möglichkeiten der Energiespeicherung, energieeffizientem Bauen und Materialforschung beschäftigt, sei jedoch gerade mit Blick auf die angestrebte Energiewende unverzichtbar.

An den beiden Hauptstandorten des ZAE in Garching und Würzburg sowie weiteren Außenstellen in Nürnberg, Hof und Arzberg forschen etwa 150 Mitarbeiter. Die Arbeit des Instituts zeichnet sich dadurch aus, dass es Grundlagenforschung in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Energieeffizienz betreibt und diese auch in die Praxis überführt; so berät das ZAE etwa Unternehmen wie auch Kommunen, aktuell beispielsweise die Stadt Garching zu Möglichkeiten des nachhaltigen Bauens beim Großprojekt Kommunikationszone.

Gegründet wurde das Forschungszentrum 1991 als gemeinnütziger Verein, der vom Wirtschaftsministerium Fördergelder erhält. Das aber soll sich künftig ändern. Im Haushaltsplan der Staatsregierung für das kommende Jahr heißt es, 2021 erfolge eine "Überführung des Zentrums in neue Trägerstrukturen". Auf diese Weise will das Wirtschaftsministerium Kompetenzen bündeln und "zur Stärkung der Forschung im Bereich Wasserstoff beitragen", wie es in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Landtag heißt.

Nach derzeitigem Stand wird das ZAE in Würzburg wohl an die Hochschule Schweinfurt überführt, die Forschungsschwerpunkte des ZAE in Garching sollen an die Technische Universität München (TUM) angegliedert werden. Die TUM bildet mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg das akademische Zentrum der Wasserstoffoffensive der Staatsregierung. Insbesondere zum Thema Mobilität soll die Forschung in den nächsten Jahren noch gestärkt werden, unter anderem mit weiteren Professuren in diesen Fachbereichen.

In welcher Form vor diesem Hintergrund eine "Überführung" des ZAE an die TUM möglich ist, darüber sind die Verantwortlichen der beiden Institutionen und das Wirtschaftsministerium zurzeit im Gespräch. "Wir suchen eine Lösung, gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium", betont Andreas Hauer, Vorstandsvorsitzender des ZAE und Bereichsleiter des Instituts in Garching. "Wir hängen nicht an einem Namen oder einem Logo, wichtig ist uns, dass die Arbeit des ZAE erhalten bleibt." Das Forschungszentrum genießt international Anerkennung. Hauer führt dies unter anderem darauf zurück, dass sein Institut in seiner bisherigen Struktur sehr interdisziplinär arbeitet. Aktuell forscht das ZAE an mehreren zukunftsweisenden Themen, etwa gemeinsam mit der Firma va-q-tec an der Entwicklung von Kältespeichermaterialien für den Transport eines Corona-Impfstoffs. Diesen übergreifenden Ansatz bei ihrer Arbeit hoffen die Verantwortlichen auch in Zukunft erhalten zu können.

Auch die mehr als 50 Mitarbeiter des ZAE am Standort Garching dürften die Verhandlungen intensiv verfolgen. Als Negativbeispiel bleibt die Ablösung des ehemaligen ZAE-Standorts Erlangen im Hinterkopf. Der dortige Forschungsbereich wurde 2017 an das Helmholtz-Institut für Erneuerbare Energien Erlangen-Nürnberg angegliedert. Im Laufe des Prozesses liefen allerdings zahlreiche befristete Verträge aus, sodass von den ehemals 80 Mitarbeitern des ZAE in Erlangen am Ende kaum ein Dutzend am HI unterkam.

© SZ vom 12.12.2020
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