Feuerwehr:"Das gefährdet unsere Arbeit"

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Feuerwehr: Kommandant Eduard Klas kämpft für eine zeitgemäße Ausstattung der Ottobrunner Feuerwehr.

Kommandant Eduard Klas kämpft für eine zeitgemäße Ausstattung der Ottobrunner Feuerwehr.

(Foto: Claus Schunk)

Asbest in den Wänden, zu wenig Platz und Mängel beim Brandschutz. Im Ottobrunner Feuerwehrhaus gibt es viele Baustellen. Und Kommandant Klas hat das Gefühl, dass die Gemeinde das Problem nicht ernst genug nimmt.

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Spontaner Besuch kommt in der Ottobrunner Feuerwehr nicht allzu oft vorbei. Und so wirkt Eduard Klas dann doch ein wenig überrascht, als im Eingangsbereich plötzlich eine Frau vor ihm steht und - natürlich hinter der Maske - sagt: "Ich wollte mich einfach nur bedanken." Dann fällt es dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr ein. "Ah, bei Ihnen hat der Wasserkocher gebrannt, oder?", sagt Klas. "Aber nichts zu danken, wichtig ist, dass Ihnen nichts passiert ist."

Der Wasserkocher. Er ist nur einer der vielfältigen Anlässe, die die Ehrenamtlichen der Ottobrunner Feuerwehr etwa tausend Mal im Jahr ausrücken lassen. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr Einsätze. Denn die Gemeinde wächst trotz ihrer begrenzten Möglichkeiten immer weiter, etwa 23 000 Einwohner hat der flächenmäßig kleinste Ort des Landkreises mittlerweile. "Und mit jedem neuen Bürger, jedem neuen Gewerbebetrieb haben wir mehr Arbeit", sagt Klas bei einem Rundgang durch das Feuerwehrhaus.

Die Gefahrenquellen aber lauern nicht nur im Wasserkocher; die Feuerwehrler haben sie in der eigenen Wache jeden Tag direkt vor Augen. Das aus dem Jahr 1969 stammende Gebäude der Feuerwehr ist dringend sanierungsbedürftig: Asbest ist noch in den Wänden und Decken verbaut, die Gebäudetechnik laut Klas "ein energetischer Katastrophenfall" und - kein Witz - vor allem beim Brandschutz gibt es erhebliche Mängel. Alles in allem, so berechnete das Münchner Architekturbüro Goergens, würde eine Generalsanierung etwa acht Millionen Euro kosten. Viel Geld für eine Kommune wie Ottobrunn, die - anders als etwa Unterföhring oder Grünwald - vor allem von der Einkommenssteuer abhängig ist und eher wenig von der Gewerbesteuer profitiert.

"Wir haben das Haus immer pfleglich behandelt", sagt Klas, während er die Treppen in den Keller hinabgeht. Dort macht er die Tür zu den Sanitäranlagen auf, die Toiletten sehen noch immer aus wie in den Siebzigerjahren - nur ein Pissoir haben die Feuerwehrler selbst nachträglich eingebaut. Wie sie so vieles andere in Eigenregie und aus Mitteln des Feuerwehrvereins instandgesetzt oder aufgebaut haben: Das urige Stüberl im Keller für die etwas mehr als 100 Ehrenamtlichen und 20 Jugendfeuerwehrler, in dem aber nur 40 gleichzeitig Platz finden können. Die "Großküche", wie sie Klas bezeichnet, ein paar Quadratmeter großer Arbeitsbereich, in dem im Katastrophenfall, etwa bei einem Stromausfall, auch die Ottobrunner Bevölkerung versorgt werden müsste. Ein kleiner Biergarten im Innenhof.

Wieder draußen vor der Wache zeigt Klas auf den weithin sichtbaren Turm der Wache, an dem zwei Balkone angebracht sind. "Den Turm brauchen wir für unsere Übungen", erklärt der Kommandant. Allerdings taugt er nur bedingt zu Übungszwecken, denn der Balkon, der eigentlich auf Höhe eines ersten Stocks hängen sollte, simuliert in Wirklichkeit eine zweite Etage. "Das ist der Treppenwitz schlechthin", sagt Klas.

Auch dieses Problem sollte bei einer Generalsanierung beseitigt werden. Die aber ist eine rein politische Entscheidung, und der Ottobrunner Gemeinderat steht vor zwei schwierigen Fragen: Wie viel Geld ist ihm die Feuerwehr wert? Und wie stellt er sich eine moderne, für die Zukunft gut aufgestellte Einsatztruppe vor? Im April hat das Gremium erstmals über eine mögliche Sanierung beraten und es wurden - vor allem bei den Grünen - Zweifel laut, ob die Feuerwehr etwa eine neue Großküche im Keller brauche. Auch die SPD äußerte Bedenken; sie brachte ins Spiel, die Maßnahmen zeitlich zu straffen.

Die Zweifel will Kommandant Klas ausräumen. "Ich verstehe den Gemeinderat. Er denkt in ganz normalen, alltäglichen Sachen wie Kitas, Kindergärten und Schulen", sagt Klas. "Aber es muss die ganze Infrastruktur mitgedacht werden, und dazu gehören wir als Säule im Katastrophenfall." Und diese entscheidende Säule, so Klas, müsse in der Mitte der Gesellschaft verankert werden. "Schon deshalb haben wir dem Gemeinderat vor drei Jahren gesagt, dass wir mehr Wohnraum für unsere Leute brauchen." Zwei Wohnungen gibt es derzeit im zweiten Stock des Feuerwehrhauses; in einer Wohngemeinschaft leben drei junge Frauen der Feuerwehr zusammen, die andere wird von einem weiteren Feuerwehrler bewohnt. "Aber das reicht nicht", sagt Klas. "Wir haben hier junge, engagierte Kameraden, die Führungsqualitäten erlernen und die vielleicht irgendwann mit ihren Freundinnen zusammenziehen oder sich vergrößern wollen." Wenn es nicht gelinge, diesen Nachwuchs mit günstigem Wohnraum im Ort zu halten, könnten diese Ehrenamtlichen der Feuerwehr verloren gehen. "Und das gefährdet unsere Arbeit", sagt Klas. Hinzu komme, dass kurze Wege der Feuerwehr die Arbeit erleichtern würden: "Ich hätte die Leute gern hier, damit wir schnell reagieren können. Laut gesetzlicher Hilfsfrist müssen wir bei jedem Einsatz zehn Minuten nach der Alarmierung vor Ort sein."

Manchmal fühlt sich der Kommandant von der Gemeindepolitik in seinem Ansinnen, die Feuerwehr fit für die Zukunft zu machen, missverstanden. "Hin und wieder habe ich das Gefühl, wenn die Feuerwehr etwas will, wird das in ein schlechtes Licht gerückt", sagt er. "Das ist eine Kaugummidiskussion, wie in einer zähen Blase." Die Feuerwehr verlange nicht, dass jetzt auf einen Schlag alles auf den modernsten Stand gebracht wird: "Aber in den nächsten sechs Jahren muss etwas passieren", fordert Klas. Bevor es - was keiner will - bei der Feuerwehr brennt.

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