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Erzieherinnenmangel:Bangen um Betreuungsplatz

In Taufkirchen stehen 76 Kinder auf der Warteliste. Grund ist Personalmangel in Krippen und Kindergärten

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Zahlreiche Eltern aus Taufkirchen zittern derzeit noch, ob ihr Nachwuchs im September einen Betreuungsplatz bekommen wird - 76 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste. Und in ihrer Not hätten sich einige Eltern sogar direkt an den Rathauschef gewandt, sagte Zweiter Bürgermeister Michael Lilienthal (Freie Wähler), der Ullrich Sander (parteifrei) in dessen Urlaub vertreten hat. "Wütende Mütter haben mich angerufen, weil sie im September keinen Betreuungsplatz haben", berichtete Lilienthal im Sozialausschuss. "Das gipfelte darin, dass eine Mutter angekündigt hat, ihr Kind zur Betreuung bei mir im Rathaus vorbeizubringen."

Dabei hätte die Gemeinde eigentlich sowohl im Krippenbereich als auch in den Kindergärten ausreichend Plätze, sagte Sozialreferent Andreas Bayerle. Der Haken sei, dass alle Träger mit Personalproblemen kämpften. "Das ist leider das, was uns dieses Jahr voll trifft", so Bayerle. Demnach stehen in den Kinderkrippen und bei Tagesmüttern derzeit 235 Plätze für Null- bis Dreijährige zur Verfügung. Eigentlich sollten es - wären alle Stellen besetzt - 256 sein. So jedoch sind aktuell 21 Kinder auf der Warteliste, und das, obwohl die Gemeinde das Angebot ausgebaut habe. Im Kindergarten St. Johannes habe man eine Kindergarten- in eine Krippengruppe umgewandelt; und bei der privaten Einrichtung der Firma Airbus seien zwölf Krippenplätze geschaffen worden, "die schon voll sind, obwohl das Gebäude noch nicht eingeweiht ist."

Noch ärger sieht die Situation in den Kindergärten aus. Hier stehen wegen fehlender Erzieherinnen statt 591 bloß 533 Plätze zur Verfügung, weshalb aktuell 35 Kinder auf der Warteliste stehen. Zusätzlich erschwert, so der Sozialreferent, werde die Lage durch die sogenannten Korridorkinder, die zwischen Juli und September sechs Jahre alt werden. Bei ihnen können seit dem Vorjahr die Eltern entscheiden, ob ihr Nachwuchs eingeschult wird oder im Kindergarten bleibt. Und da dies in vielen Fällen noch nicht geschehen sei, "sind diese Plätze blockiert", sagte Lilienthal. Etwas besser als in den Kindergärten sieht die Situation bei der nachschulischen Betreuung aus, also in Hort und Mittagsbetreuung. Hier stehen im Sprengel der Grundschule am Wald derzeit 15 Kinder auf der Warteliste. 73 Prozent der Eltern wollen dort eine solche Betreuung in Anspruch nehmen; gar noch höher liegt der Wert mit 86 Prozent im Sprengel der Grundschule an der Dorfstraße. Auf dieser Warteliste stünden aktuell fünf Kinder, sagte Bayerle. Er sei aber zuversichtlich, dass diese noch im Kinderhort Baumhaus unterkommen werden.

Um den Personalmangel bei Erzieherinnen zu bekämpfen, schlug Herbert Heigl (SPD) vor, die Anstellung von sogenannten Springern zu prüfen, die je nach Bedarf in verschiedenen Einrichtungen aushelfen. Man habe darüber mit den Trägern diskutiert, erwiderte Bayerle. Jedoch sei die Anstellung solcher Springer "grundsätzlich schwierig". Und: "Selbst wenn wir die Struktur hätten, wäre das Personal nicht da." Der Sozialreferent warb stattdessen dafür, Wohnraum für Erzieherinnen zu schaffen, dies sei eine immer wiederkehrende Frage bei Bewerbungsgesprächen. "Und wenn sie hören, dass es das nicht gibt, dann gehen sie woanders hin", so Bayerle. Um zumindest für Erzieherinnen mit eigenen Kindern einen Anreiz zu schaffen, gewährt ihnen die Gemeinde seit 2018 einen Rabatt bei den Betreuungsgebühren in Höhe von 30 Prozent. Der Sozialausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, diese zunächst befristete Maßnahme 2021 fortzusetzen. "Das ist eine Ersparnis, die eins zu eins im Geldbeutel ankommt", betonte Michael Lilienthal. "Und wenn auch nur eine einzige Erzieherin darauf anspringt und nach Taufkirchen kommt, dann hätte es schon was gebracht." Die Gemeinde rechnet mit jährlichen Kosten von 20 000 Euro für den Gebührenrabatt. Diese Summe muss jetzt noch der Gemeinderat in den Haushaltsberatungen absegnen.

© SZ vom 04.07.2020

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