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Digitaler Unterricht:"Konzepte kann man auch noch später machen"

Ein Vater fordert bei einem Fachgespräch der Freien Wähler eine unkompliziertere Verteilung von Geld für die Schulen

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Es gibt einige Punkte, bei denen Thomas Mc Kie von der Politik im Umgang mit der Corona-Pandemie Nachholbedarf sieht. Ein zentraler Punkt ist für den Vater von vier Kindern aus Ottobrunn, zwei davon im Grundschulalter, die unkompliziertere Verteilung von Geld für die Digitalisierung an Schulen. Dass seine Forderungen an die zuständigen Politiker weitergetragen werden, darüber kann er so gut wie sicher sein. "Da müssen wir auch von Kultusministerseite drauf schauen", sagte Susann Enders, Landtagsabgeordnete und Generalsekretärin der Freien Wähler, bei einem Fachgespräch zur Belastung von Kindern und Eltern durch das Coronavirus in Ottobrunn. Organisiert hatte das Treffen, an dem auch Horst-Helmut Fleck aus Ottobrunn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Elternverbände bayerischer Kindertageseinrichtungen (ABK), teilnahm, Gemeinderätin Erika Aulenbach von der Bürgervereinigung Ottobrunn.

Konkret ging Mc Kie auf den Digitalpakt ein, über den Schulen Geld für die Verbesserung ihrer IT-Infrastruktur zur Verfügung steht. "Es gibt einen Fördertopf, aber weniger als ein Prozent ist bisher abgerufen, das Geld kommt nicht da an, wo man es braucht", sagte er. Er bemängelte, dass das Abrufen von Mitteln nicht von Konzepten abhängig sein dürfe. "Konzepte kann man auch später noch machen", sagte er. Enders signalisierte Verständnis. Sie sei zwar zu weit weg von dem Thema - sie ist gesundheitspolitische Sprecherin der Freien Wähler im Landtag. "Wichtig ist aber, dass wir den Digitalpakt haben. Die Gelder sind da, das ist der erste Schritt", sagte sie. Sie sicherte zu, dass sie Mc Kies Anregung, "Prozesse zu vereinfachen, Geld zur Verfügung zu stellen und Schulen entscheiden zu lassen, wofür sie es verwenden" mitnehmen werde.

Mc Kie wünscht sich zudem mehr Personal an den Schulen. Er findet das besonders wichtig, wenn wegen des Infektionsgeschehens wieder abwechselnd Unterricht zuhause und in der Schule stattfinden sollte. Er schilderte, dass das Home Schooling für seine Tochter recht schwierig gewesen sei und seine Frau viel Kraft gekostet habe. Auch in dem Punkt signalisierte Enders Hilfsbereitschaft. "Wir haben es im Blick, aber wir werden die Lehrer nicht aus dem Hut zaubern können", sagte sie. Schon vor Corona hätten Lehrer gefehlt. Sie versicherte aber mehrmals, dass sich die Regierungsparteien alle Maßnahmen sehr gründlich überlegten, wie auch den nun geltenden Drei-Stufen-Plan. Gleichzeitig gab sie zu bedenken, das alle Maßnahmen nie hundert Prozent Sicherheit und hundert Prozent Gesundheitsschutz gewährleisten könnten. "Es ist immer eine Schadensbegrenzung", sagte sie. Die Landtagsabgeordnete sieht zudem gewisse Lehren, die man aus der Corona-Zeit ziehen kann. Dass man das Gesundheitssystem nicht kaputt sparen dürfe. "Außerdem sollte der Fokus vom wirtschaftlichen Denken auf das soziale Denken gelenkt werden", sagt sie.

Das war auch der Ansatz, den der ABK verfolgte. Fleck hatte für den Verein einen Antrag beim Ministerpräsidenten gestellt, dass der Bedarf der Familien, Kinder und Kita-Fachkräfte mit den wirtschaftlichen Interessen gleichgestellt werden müssten. Die Regelung des Drei-Stufen-Plans, dessen eine zentrale Aussage es ist, Präsenzunterricht so lange wie möglich beizubehalten, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, berücksichtigt die Belange der Kinder und Eltern nun besser, wie Fleck sagte. "Es könnte aber noch ein bisschenmehr sein", sagte er.

© SZ vom 07.10.2020

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