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Publikumsverkehr:Schichtbetrieb im Rathaus

Unterhaching, Rathausplatz

Das Unterhachinger Rathausplatz hat regulär geöffnet.

(Foto: Angelika Bardehle)

Viele Gemeinden wollen vermeiden, dass die gesamte Belegschaft in Quarantäne muss.

Von Iris Hilberth

Mal eben nach dem Einkaufen im Rathaus vorbeischauen und noch einen gelben Sack mitnehmen, den neuen Reisepass beantragen, wenn es zeitlich gerade passt, oder im Fundbüro nachfragen, ob jemand einen Schlüsselbund abgegeben hat. All das ist in den meisten Kommunen derzeit nicht spontan möglich. Komplett geschlossen sind die Rathäuser zwar nicht, aber die meisten lassen wegen der hohen Corona-Infektionszahlen keinen Publikumsverkehr mehr zu. Wer etwas in der Behörde zu erledigen hat, braucht einen Termin. Eine Ausnahme macht derzeit noch die Gemeinde Unterhaching.

Wie schnell es gehen kann, dass Teile der Rathausbelegschaft wegen Corona ausfallen, musste Ende Oktober die Gemeinde Pullach feststellen. Auch die Bürgermeisterin musste als Kontaktperson in Quarantäne. Seither läuft es hier im "eingeschränkten Regelbetrieb". Das heißt: Telefonisch und per E-Mail ist die Verwaltung erreichbar. Wer dringend persönlich etwas zu erledigen hat, muss einen Termin vereinbaren und sollte die Maske nicht vergessen. Im Rathaus versucht man, dieser Vorgabe auch Gutes abzugewinnen. "Der positive Nebeneffekt ist, dass wir lange Wartezeiten mit dieser Regelung verhindern können", heißt es auf der Webseite der Gemeinden. Und noch etwas: Gelbe Säcke stehen vor dem Rathaus bereit.

Derzeit gar nicht persönlich erscheinen kann man hingegen bei der KfZ-Zulassungsstelle in Neukeferloh. Hier hat ein Corona-Fall unter den Mitarbeitern die Schalterhalle für zwei Wochen lahmgelegt. Zunächst hatte sie Ende Oktober für zwei Tage zur Verfolgung der Kontaktpersonen geschlossen, doch dann musste die Behörde längere Zeit Besucher draußen lassen. Erst am kommenden Montag, 9. November, soll es nach Terminvereinbarung wieder möglich sein, Autos direkt in der Grasbrunner Außenstelle des Landratsamts an- und abzumelden. Zwischenzeitlich geht das nur online. Termine können für kommende Woche allerdings bereits wieder vereinbart werden. Vor größere Probleme habe die vorübergehende Schließung die Zulassungsstelle nicht gestellt, bestätigt Landratsamtssprecherin Christina Walzer. "Es ist kein Rückstau dadurch entstanden", sagt sie. Mehr Leute als sonst hätten die Möglichkeit genutzt, online, telefonisch oder per Post ihre Angelegenheiten zu regeln. Man konnte zudem auf Zulassungsstellen in den Nachbarlandkreisen ausweichen.

Um solchen Szenarien vorzubeugen, haben Rathauschefs wie Hans Sienerth in Straßlach-Dingharting vorsorglich die Hälfte der Belegschaft ins Home-Office geschickt. In der kleinen Gemeinde gibt es seit November keinen normalen Parteiverkehr mehr. Ohne Termin geht gar nichts, und Sienerth bittet darum, Dienstgänge auf das Notwendigste zu beschränken. Dass im Rathaus ausnahmslos Maskenpflicht herrscht, versteht sich von selbst. Allerdings dürfen sich auch nur noch maximal drei Personen gleichzeitig im Wartebereich aufhalten. Der parteifreie Bürgermeister hat die Mitarbeiter in zwei Teams aufgeteilt, die nach vorgegebenem Dienstplan abwechselnd im Rathaus und von daheim aus arbeiten. Damit will Sienerth die Leistungsfähigkeit der Verwaltung auch für den Fall aufrechterhalten, dass ein Mitarbeiter positiv getestet würde.

Auch in Oberschleißheim ist die Verwaltung inzwischen wieder im März-Modus. Das bedeutet: Es wurden zwei Mitarbeitergruppen gebildet, die sich tageweise abwechseln, damit nicht ein möglicher Infektionsfall die gesamte Behörde lahmlegt. Auch Bürgermeister Markus Böck (CSU) ist jeden zweiten Tag im Home-Office, dann erscheint sein Stellvertreter Harald Müller (SPD) im Rathaus.

In Unterhaching hingegen verfolgt man eine andere Strategie. "Unsere Philosophie ist es, weiterhin ansprechbar zu bleiben", erläutert Rathaussprecher Simon Hötzl das Vorgehen. Man wolle die Bürgerdienstleistungen sicher stellen und schicke daher nicht die halbe Belegschaft in die Heimarbeit. In Schichten werde daher etwa beim Baubetriebshof gearbeitet, in den Büros dagegen nicht. Hier wird auf die Maskenpflicht und Plexiglasscheiben im Rathaus gesetzt.

Am Eingang wird zudem auf die Einhaltung von Abständen geachtet. Man halte an den normalen Öffnungszeiten fest, so lange das gehe, sagt Hötzl: "Den Stecker ziehen wir erst, wenn es in der Belegschaft Fälle gibt." Dass Home-Office auch in Unterhaching funktionieren kann, bewies kürzlich der Bürgermeister selbst. Nach einem Ausflug mit den Volleyballern musste Rathauschef Wolfgang Panzer (SPD) in Quarantäne.

© SZ vom 05.11.2020/hilb
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