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Bürgerversammlung:Unterföhring ist nicht mehr ganz so reich

Die Medienkommune rechnet wegen der Corona-Krise nur noch mit 51 Millionen Euro Gewerbesteuer

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Für maximal 94 Besucher war im großen Saal des Bürgerhauses bestuhlt, immerhin 51 Unterföhringer haben sich getraut, am Mittwochabend zur Bürgerversammlung in Corona-Zeiten zu kommen. Landrat Christoph Göbel (CSU) hat vor seiner Abfahrt in die Medienkommune angesichts steigender Infektionszahlen strengere Kontaktbeschränkungen und Auflagen für Veranstaltungen unterzeichnet, die von Freitag an gelten. Fortan sind bei Veranstaltungen oder Feiern in Innenräumen maximal 50 Gäste zugelassen.

Insofern hatten die Unterföhringer noch Glück mit ihrer Bürgerversammlung. Denn neben den 51 Interessierten hielten sich im Saal noch Vertreter des Rathauses, Abgesandte der Polizeiinspektion Ismaning und einige Gemeinderäte auf. So viele Menschen unter einem Dach sind laut Verordnung bis einschließlich 22. Oktober nicht mehr möglich.

Landrat Göbel war es dann auch, der in der Unterföhringer Bürgerversammlung an alle appellierte, das Infektionsgeschehen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Corona ist eine Art Prüfung für unsere Gesellschaft", sagte der Landrat. Jetzt gelte es, das Arbeitsleben, die Wirtschaft und Bildung aufrecht zu erhalten. Dass Schulen sowie Kitas offen bleiben und Senioreneinrichtungen geschützt werden könnten, sei die oberste Vorgabe. Dafür müssten alle Anstrengungen unternehmen - und sich umsichtig und vorsichtig verhalten, so Göbel.

Darum hatte zuvor auch Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft) gebeten. In seiner Bilanz der vergangenen zwölf Monate spielte Corona eine bedeutende Rolle, die Auswirkungen der Pandemie sind spürbar: So rechnet Unterföhring mit einem Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen. 2020 habe zwar noch sehr vielversprechend begonnen, berichtete Kemmelmeyer: Im Haushaltsplan hat die Kommune die wichtigste Einnahmequelle mit 70 Millionen Euro angesetzt, bereits im April ging der Kämmerer davon aus, dass Unterföhring womöglich mit 92 Millionen Euro rechnen könnte. Aktuell geht die Finanzabteilung im Rathaus davon aus, dass "nur noch" 51 Millionen Euro überwiesen werden.

Immer noch viel Geld, wie Kemmelmeyer einräumte, auch weil vom Freistaat Bayern eine Hilfszuweisung zwischen 15 und 20 Millionen Euro kommen könnte. Dennoch muss auch Unterföhring Abstriche machen. Der Gemeinderat hat deshalb im Juli den mit einem Kostenrahmen in Höhe von 98 Millionen Euro gebilligten Sportpark mit Hallenbad auf Eis gelegt. Der Beginn der Realisierung ist zunächst um ein Jahr verschoben.

Voran geht es in Unterföhring nach Kemmelmeyers Worten jedoch mit der Planung und Verwirklichung weiterer Projekte, wie etwa der Sanierung der Grundschule an der Bahnhofstraße und des Jugendzentrums Fezi sowie dem neuen Feuerwehrgerätehaus und Bauhof. Zudem sollen weitere Wohnungen entstehen. Mit Stolz blickt der Rathauschef auf den Schulcampus, der in Rekordzeit realisiert werden konnte: Das Gymnasium ging am 8. September in Betrieb, die Grundschule folgt im nächsten Jahr, wenn am alten Standort die Bagger anrollen.

Den Unterföhringer Bürgern liegt weniger Corona auf der Seele, als vielmehr die zunehmende Verkehrsbelastung in einigen Vierteln, wie in der Debatte nach dem Bürgermeister-Bericht deutlich wurde. So setzen sich etwa Anlieger der Aschheimer Straße für ein Durchfahrtsverbot für schwere Lastwagen ein, in der Isarau wünschen sich Bewohner die Einrichtung einer Spielstraße beziehungsweise einer Einbahnregelung.

Beider Themen werden sich das Rathaus und der Gemeinderat annehmen. Auch an der Mitterfeldallee, die viele Kinder als Schulweg nutzen, sollen die Bürgersteige besser geschützt werden. Und am Isarkanal will man versuchen, einen Rettungsring oder eine Stange mit Schlaufe anzubringen, damit Tieren oder gar Menschen geholfen werden kann, wenn sie ins Wasser fallen. Dort ist erst vor ein paar Wochen eine Frau ertrunken.

© SZ vom 16.10.2020

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