Bürgerversammlung:Aller guten Dinge sind sieben

Bürgerversammlung Unterschleißheim

Bürgerversammlung anno 2021: Bei 25 Besuchern war der gebotene Abstand leicht einzuhalten.

(Foto: Florian Peljak)

Erst nach mehreren Anläufen kann in Unterschleißheim wieder eine Bürgerversammlung stattfinden. 25 Besucher verfolgen sie analog, weitere 70 Teilnehmer verfolgen sie im Livestream. Rathauschef Böck zieht eine positive Bilanz, obwohl die Corona-Folgen die Stadtkasse belasten

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Sieben Anläufe hat es gebraucht, bis in Unterschleißheim nach all den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wieder eine Bürgerversammlung in Präsenz hat stattfinden können. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) strahlte sprichwörtlich bis über beide Ohren, als er auf der Bühne stehend im Festsaal des Bürgerhauses seine Unterschleißheimer vor sich sah. Es sei "ein tolles Gefühl", sagte er. Dabei saßen tatsächlich nur 25 Personen weit im Abstand zueinander vor ihm. Mehr als 70 wollten dafür im Livestream über Youtube ihren Bürgermeister mal wieder erleben und erfahren, wie es um ihre Stadt so steht.

Sie erfuhren, dass Unterschleißheim relativ gut durch die Pandemie gekommen ist und der Chef im Rathaus optimistisch in die Zukunft schaut. Die Stadt erlebt zwar einen Einbruch bei der Gewerbesteuer von gut 50 auf 35 Millionen Euro. Doch gerade mit Blick auf die Wirtschaft machte Böck Mut. Man kann zusehen, wie am Stadtrand der Gewerbepark Koryfeum in die Höhe wächst.

Auch der Business Campus daneben entwickelt sich. Tausende Quadratmeter Büroflächen stünden demnächst zur Vermarktung, sagte Böck und verkündete, dass von Oktober an die Buslinie L 219 den Business Campus ansteuert und im November dort der Rewe-Vollsortimenter eröffnet. Das Gründerzentrum in der Stadt sei eine "wirkliche Erfolgsgeschichte". Dazu passte die Nachricht, dass mit dem Aufzugbauer Schmitt und Sohn eine neue Firma an der Röntgenstraße heimisch wird. Böck beteuerte, bei Schulbauten, beim Wohnen und beim Klimaschutz weiter Akzente setzen zu wollen. Dafür räumte er ein, dass bei der Stadtmitte-Planung erst in zwei, drei Jahren die Bauleitplanung stehen werde. Corona habe auch da gebremst.

Es war dennoch ein selbstbewusster Auftritt, den der Bürgermeister mit der Anekdote garnierte, wie dieser Tage sein Amtskollege aus der Partnerstadt Le Crès nahe Montpellier, Stéphane Champay, beim gemeinsamen Besuch im Business Campus beeindruckt gewesen sei. Aus den oberen Etagen auf die Stadt blickend habe dieser gestaunt, wie grün Unterschleißheim doch sei, erzählte Böck. Es war auch wegen der Pandemie die erste Begegnung der beiden.

Wunsch nach kleiner Gastronomie im Valentinspark

Die Unterschleißheimer haben freilich einige Ideen, was besser werden sollte. Auf die Frage nach einem Café oder Kiosk im Valentinspark äußerte sich Böck zurückhaltend. Der Park sei in erster Linie Erholungsfläche. Es dürfte schwierig werden, dort ein Café rentabel zu betreiben. Für die Ratsstuben am Bürgerhaus suche man einen Wirt. Dort hoffe er auf eine Lösung bis Ende des Jahres. Für René Kleints Wunsch nach günstigem Bauland für Einheimische zeigte sich Böck offen, wobei er das frühestens in einigen Jahren in Aussicht stellte.

Eine Videoüberwachung am Rathausplatz sei allenfalls in Abschnitten denkbar, sagte Böck, der auf Helga Klepckers Frage hin beteuerte, dass an einer dauerhaften Bleibe für das Capitol-Kino gearbeitet werde. Ein Bürger forderte mehr Schutz für Radler ein, woraufhin Böck eine durchgehende Rotmarkierung von Fahrradstraßen zurückwies. Die Boulebahn im Valentinspark werde im Frühjahr geschaffen, kündigte Böck an. Der Einsatz eines autonom fahrenden Busses, etwa zum Unterschleißheimer See, werde weiter geprüft.

Auch wenn Böck seinem Amtskollegen eine grüne Stadt präsentiert hat - manchem reicht gerade der Einsatz für Klima- und Naturschutz nicht. Gleich mehrere Fragen gab es dazu. Helmut Göbel erinnerte daran, dass viele Bäume gefällt worden seien, aber Ersatzpflanzungen auf sich warten ließen. Böck sagte, fehlendes Personal in der Verwaltung bremse die Stadt oft aus.

© SZ vom 23.09.2021
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