Bürgerbeteiligung Mobil in Haar

Problem B 304: Der Verkehr rauscht durch den Ort, es entsteht Schleichverkehr und Fußgänger kommen nur schwer über die breite Straße.

(Foto: Angelika Bardehle)

Etwa 100 Bürger zeigen in einem Workshop Defizite im Verkehrsnetz auf. Sie wollen mehr Geschwindigkeitskontrollen und Querungshilfen für Fußgänger.

Von Laura Geigenberger, Haar

Knapp 100 Haarer sind gekommen. Sie sitzen im Bürgerhaus an Tischen beisammen, diskutieren und machen deutlich, wo sich in ihrer Gemeinde etwas ändern müsste, damit der Verkehr besser fließt. Mit Edding-Stiften markieren sie in blau, rot und schwarz an aufgestellten Schautafeln die Schwachpunkte. Sie regen mehr Geschwindigkeitskontrollen in den vielen Tempo-30-Zonen an, plädieren für verbesserte Übergänge über die Bundesstraßen.

Sie wünschen sich Bahnhöfe, die für Fußgänger besser passierbar sind und mehr Übergänge über die Leibstraße. Der Feldweg von Eglfing nach Salmdorf sollte zum Radweg ausgebaut werden.

Die Gemeinde hat die Bürger aufgefordert, bei einem ersten Workshop-Treffen am Mittwochabend deutlich zu machen, wo sie Defizite sehen. Denn die Frage, welche die Gemeinde bewegt, ist der Stillstand auf den Straßen. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) sagt eingangs, sie habe sich "heuer den Verkehr in Haar als Hauptthema auf die Fahne geschrieben". Für die Gemeinde bedeutet das: Es soll ein "integriertes Mobilitätskonzept" erstellt werden, das sich mit allen Verkehrsarten - Fußgängern, Radfahrern sowie motorisiertem und öffentlichem Verkehr - befasst. Vorarbeiten gab es längst. Bürger wurden befragt und der Verkehr wurde gezählt. Laut Müller befinden sich die Planungen aktuell aber immer noch "in der Phase der Bestandsanalyse und Zieldiskussion".

Ihr ist dabei nun wichtig, wie sie sagt, an diesem Mittwoch die Meinungen, Wünsche und Vorschläge der Haarer aufzunehmen. Im Oktober soll eine zweite Runde stattfinden, in der es dann um konkrete Maßnahmen gehen soll. Einen Abschluss der Arbeiten erwarten die Planer vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) zum Jahresende.

Hoffen auf Zehn-Minuten-Takt

Zwar füllt sich der Bürgersaal am Abend des Workshops nur etwa zur Hälfte, wer gekommen ist, gibt sich dafür aber umso interessierter. Die vom Planungsverband bereits erarbeiteten und vorgestellten Ziele für das Konzept stoßen zunächst auf breite Zustimmung. Erreicht werden soll demnach, den Durchgangsverkehr in Wohnquartieren zu vermeiden. Die Parkflächen sollen optimiert und Anreize für alternative Mobilitätsangebote geschaffen werden. Für Fußgänger und Radfahrer soll sich die Infrastruktur verbessern. Ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs ist ein Ziel; also ein Zehn-Minuten-Takt für die Bahn sowie zusätzliche Buslinien. Auch mehr Barrierefreiheit auf dem Weg durch Haar soll erreicht werden.

Birgit Kastrup vom Planungsverband erläutert vorab in einer Präsentation die Ausgangslage. Ihr zufolge sind die Voraussetzungen der Gemeinde vielversprechend, um ein modernes Mobilitätskonzept umzusetzen. "Haar ist vor allem in Sachen umweltfreundliche Mobilität schon sehr gut unterwegs", sagt Kastrup. Die Haarer radelten und liefen im Vergleich zu anderen Kommunen fast doppelt so viel - wohl dank einer "erkennbaren fahrrad- und fußgängerfreundlichen Verkehrsgestaltungen im Gemeindegebiet". Auch öffentliche Verkehrsmittel würden überdurchschnittlich häufig genutzt.

Als Schwachstellen identifiziert Kastrup unter anderem schmale Fuß- und Radwege wie im Musikerviertel sowie eine fehlende Infrastruktur am Gronsdorfer Bahnhof. Zudem werde Haar von zwei Bundesstraßen durchschnitten, so die Referentin, was zu Schleichverkehr in Wohngebieten führe.

Der vieldiskutierte dichte Verkehr in der zentralen Einkaufsstraße, der Leibstraße, ist Thema auf dem Workshop. Manche beklagen eine unbefriedigende Parksituation, andere bemängeln den fehlenden Radweg und dass Fußgänger nur schwer über die Straße kommen. Am Kreisverkehr wünscht sich mancher einen Zebrastreifen. Der für nächsten Dienstag im Gemeinderat zur Diskussion stehende Antrag der CSU, den inneren Teil der Leibstraße von der B 304 bis zum Kreisel probeweise zur Einbahnstraße zu machen, ist kein Thema. Auch nicht der Vorschlag, auf der Westseite Schrägparkplätze auszuweisen.

Bürgermeisterin Müller zeigt sich beeindruckt von der "sehr konstruktiven Mitarbeit" der Teilnehmer. Deren Anregungen sowie die Ergebnisse aus einer Online-Umfrage, die bis 7. April auf der Gemeinde-Homepage läuft, würden in die weitere Arbeit am Konzept einfließen.