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Brunnthal:Wasserstoff marsch!

Hofolding, Betriebsgelände / Busdepot der Firma Geldhauser, interkommunales Projekt ãHyBayernÒ,

Martin Geldhauser (links) erprobt bereits jetzt Wasserstofffahrzeuge. Dazu nutzt er eine mobile Tankstelle, die er auch schon den Landräten der Modellregion, Peter Dreier, Christoph Göbel und Robert Niedergesäß (hinten von links), vorgestellt hat.

(Foto: Angelika Bardehle)

Auf dem Gelände des Busunternehmens Geldhauser in Brunnthal wird eine öffentliche Tankstelle errichtet. Sie soll unter anderem klimafreundlichen Treibstoff für den Einsatz auf MVV-Linien bereitstellen

Von Angela Boschert, Brunnthal

Von Oktober 2022 an sollen auf MVV-Linien im Landkreis München Busse mit klimafreundlichem Wasserstoffantrieb eingesetzt werden. Im Brunnthaler Gemeindeteil Hofolding wird hierzu eine Wasserstofftankstelle gebaut. Noch bis Montag läuft die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans.

Die Tankstelle mit zwei Zapfsäulen, Technikanlagen und einem austauschbaren Trailertank wird direkt an der Tannenstraße Südosten des Betriebsgeländes des Busunternehmens Geldhauser liegen. Es wird eine öffentliche 350-bar-Wasserstofftankstelle für Brennstoffzellenbusse und Lkw. Bauherr und Betreiber ist die vom Bund geförderte Wasserstoff-Modellregion "HyBayern", zu der die Landkreise München, Ebersberg und Landshut gehören. Aus Sicherheitsgründen steht der Trailertank zwischen zwei Brandschutzmauern ohne Dach. Den Wasserstoff produziert vorerst ein Wasserkraftwerk der Stadtwerke München bei Landshut, Lkw transportieren ihn von dort zu der Tankstelle. Bei anfangs fünf zu betankenden Bussen muss ein Wechseltrailer alle vier bis sieben Tage ausgetauscht werden; ist die Flotte im Januar 2025 auf 15 Wasserstoffbusse angewachsen, braucht es etwa jeden Tag einen neuen. Dann wird von maximal 20 bis 25 Tankvorgänge pro Tag ausgegangen.

Noch bis einschließlich Montag können die Bürger ihre Wünsche und Sorgen zu dem dazugehörigen Bebauungsplan 128 "Nördlich der Tannenstraße Hofolding" bei der Gemeinde Brunnthal einreichen. Er umfasst auch die Errichtung der Faistenhaarer Burschenhütte beim Geldhauser-Gelände. Bislang sind nach Angaben des örtlichen Bauamts nur zwei Einwendungen eingegangen. Als vor über einem Jahr das Betriebsgelände erweitert wurde, hätten Interessengemeinschaften dagegen protestiert, erinnert sich Geschäftsführer Martin Geldhauser. Die Anwohner der etwa 150 Meter entfernt liegenden Häuser befürchteten ein Mehr an Verkehr und an Lärm. Diese Gefahr sieht die Gemeinde jetzt jedoch nicht.

Von 1. Oktober 2022 an will Geldhauser die ersten fünf "leisen Wasserstoffbusse hier in unserer Gemeinde" einsetzen. Der Zeitplan sei zu schaffen. Die Busse fahren nach dem Betanken über die Fichtenstraße direkt nach Süden zur Staatsstraße 2070. Der Wasserstoff wird in der Region mit Ökostrom erzeugt. Das ist eine Voraussetzung für die Förderung durch den Bund. Die MVG verlange bei der Ausschreibung der Buslinien umweltfreundliche Fahrzeuge, so Geldhauser. Elektrobusse könne man in der Stadt einsetzen, beim Überlandverkehr nicht, weil sie zu oft und dann zu lange geladen werden müssten. Schienenersatzverkehr sei damit nicht sicherzustellen. Ein Wasserstoffbus fährt vollgetankt, bei einer Tankzeit von etwa zehn Minuten, 400 Kilometer weit. Vom jüngsten Test eines polnischen Modells ist Geldhauser begeistert, zumal es auch noch extrem sparsam sei. Dennoch erfolgt die Ausschreibung für die ersten fünf Busse europaweit. Ob eines Tages ortsnah Wasserstoff aus Biogas produziert werden kann, ist noch offen. Ein junges Forscherteam der Technischen Universität München wollte auf dem Gelände des Unternehmens Ganser in Kirchstockach eine entsprechende Anlage errichten. Doch ergaben die Prüfungen, dass die Produktion unverhältnismäßig viel Strom benötigen würde und der aus Biogas hergestellte Wasserstoff nicht den für Kraftstoff erforderlichen Reinheitsgrad hätte.

© SZ vom 09.04.2021
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