Betreuung:Ein Bau mit Plus-Punkten

Unterhaching legt bei den Betreuungseinrichtungen nach. Das Kinderhaus am Oberweg soll groß und flexibel nutzbar sein

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Botschaft von Thomas Portenlänger war deutlich: Unterhaching braucht mehr Kindergartenplätze - und zwar möglichst schnell. Der Hauptsamtleiter der Gemeinde Unterhaching hatte die neuesten Zahlen zukünftiger Kindergartenkinder am Dienstag mit in die Sitzung des Bauausschusses gebracht, und die sprechen eine deutliche Sprache. Allein der Jahrgang 2015 ist mit 289 Mädchen und Buben so stark, dass der Gemeinde gleich zwei ganze Gruppen in den Betreuungseinrichtungen fehlen. Mit den 2016ern folgen 233 Kinder und im Jahr 2017 wurden weitere 275 kleine Unterhachinger geboren. "Die Tendenz ist weiter steigend", sagte Portenlänger, für das Kindergartenjahr 2018/2019 fehlten derzeit 75 Plätze, "wir müssen unbedingt etwas tun", mahnte er.

Dem Gemeinderat ist durchaus bewusst, dass es pressiert. Zwar kann die Einrichtung an der Walter-Paetzmann-Straße nach Ende der angepeilten Lebensdauer des Gebäudes noch mal verlängert werden, auch der eigentlich viergruppige Kindergarten Sternschnuppe an der Robert-Koch-Straße, der derzeit mit fünf Gruppen belegt ist, kann eine Weile noch weiterhin die Kinder einer zusätzlichen Gruppe aufnehmen. Als Dauerlösung sieht das Portenlänger aber nicht.

Die Gemeinde drückt daher mit dem Bau eines neuen Kinderhauses am Oberweg auf das Tempo. Dort soll im ersten Bauabschnitt ein viergruppiger Kindergarten entstehen und anschließend eine viergruppige Kinderkrippe angebaut werden. Das Konzept sieht ein dreigeschossiges Gebäude vor, das im Erdgeschoss und im ersten Stock die Kinderbetreuungseinrichtung beherbergt. Im zweiten Obergeschoss soll eine andere Nutzung möglich sein - was genau, will der Gemeinderat später entscheiden. "Kinderhaus plus" nennt sich dieser Plan, den der Ausschuss am Dienstag einstimmig befürwortet hat. Am 8. Februar muss der Gemeinderat noch darüber entscheiden. 6,2 Millionen Euro sollen für den ersten Bauabschnitt ausgegeben werden.

"Man muss sich einen markanten Bauköper vorstellen, etwas Höheres", sagte Bauamtsleiter Stefan Lauszat in der Sitzung. Das Gebäude sei auf möglichst große Flexibilität ausgelegt und habe nur wenige wirklich starre Wände. "Wir können nicht nur an morgen sondern müssen auch an übermorgen denken", sagte er. Denn sollte der Bedarf an Kinderbetreuung in der Gemeinde irgendwann rückläufig sein, will die Gemeinde das Haus auch anderweitig nutzen können. Eine ganze Reihe an Möglichkeiten sieht man im Rathaus auch in dem noch nicht verplanten obersten Geschoss. Dort könne man sich sowohl eine Großtagspflege als auch Gewerbe oder Wohnungen vorstellen. Auch als neuen Standort für die Bücherei, der die jetzigen Räumlichkeiten im Ortszentrum zu eng geworden sind, brachte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) das zukünftige "Kinderhaus plus" ins Gespräch. "Der Standort ist nicht optimal, aber wir müssen wenigsten darüber reden, wenn wir 1500 Quadratmeter zur Verfügung haben", sagte er.

Die CSU sprach sich für Wohnungen aus. "Wir sind uns alle einig, dass wir die Einrichtung dringend brauchen", sagte Franz Felzmann. Das größere Problem sei aber, Mitarbeiter zu bekommen und denen günstigen Wohnraum zu verschaffen. Panzer gab sich skeptisch, ob Erzieherinnen über dem Kindergarten wohnen wollten, versprach aber: "Wenn wir sagen, wir bringen Wohnungen rein, dann bringen wir Wohnungen rein."

© SZ vom 01.02.2018
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