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Unterschleißheim:Der nächste Klops beim Ballhausforum

Blick ins Ballhausforum: In dem 2005 eröffneten Bau gehen zur Zeit vor allem Arbeiter ein und aus. Nach einer Sanierung wurden Abschnitte vor Wochen geöffnet und wären ohne Corona-Beschränkung nutzbar.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei der Sanierung der städtischen Veranstaltungs- und Sporthalle tun sich immer neue Baustellen auf. Jetzt muss unter anderem die Lüftungsanlage ausgetauscht werden.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Wozu benötigt eine Hausmeisterwohnung eine "Entgasungsanlage"? Und wieso ist ein Lüftungsgerät nach 15 Jahren derart verrostet, dass es ausgetauscht werden muss? Wie kann es sein, dass die Heizstrahler von der Decke zu fallen drohen? Die Unterschleißheimer Stadträte wundern sich schon lange nicht mehr über solche Fragen. Das Ballhausforum, das im Jahr 2005 als Veranstaltungstempel und Sporthalle eröffnet wurde, hat sich wegen Baumängeln finanziell zum Fass ohne Boden entwickelt. Am Montag empfahl der Bauausschuss des Stadtrats ohne große Debatte, auf 500 000 Euro geplante Sanierungskosten für 2021 knapp 400 000 draufzulegen.

Wenigstens der Punkt mit der Entgasungsanlage wurde noch geklärt. Die Notwendigkeit einer solchen, bisher nicht bekannten Vorrichtung erschien Bernd Knatz (ÖDP) derart absurd, dass er nachfragte. Und so erläuterte Robert Spies vom Bauamt, dass sich in den Heizkörpern der Wohnung immer wieder Luft angesammelt hatte, weil diese mit der Heizungsanlage des Hauptgebäudes verbunden waren. Eine Automatik sollte deshalb Abhilfe schaffen.

Allerdings hat man mittlerweile technisch eine andere Lösung gefunden. Die Nachrüstung der Entgasungsanlage ist nicht mehr notwendig, die Kosten dafür werden eingespart. Insgesamt konnten die Kosten für die Beseitigung der in den vergangenen Wochen neu entdeckten Mängel um 77 000 Euro gesenkt werden. Doch das Gros der Arbeiten ist notwendig.

2018 wurde festgestellt, dass durch das Dach Wasser eintritt. Seither tun sich bei genauerem Hinsehen immer neue Baustellen auf. So auch jetzt. Als man im Herbst 2020 die Holzverschalung der Decke der Einfachhalle sanierte, kam der Verdacht auf, dass dort noch mehr zu entdecken sein könnte, wenn man nur mal von außen das Dach aufmachen würde.

Die größten Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Die Konstruktion trägt. Aber die auf dem Dach verbaute Lüftungsanlage erwies sich als nicht mehr tragbar. Es gebe Hygieneprobleme, heißt es vom Bauamt. Der Austausch sei unausweichlich. Kostenpunkt für das Gerät: 215 000 Euro. Die Verkabelung schlägt zusätzlich mit gut 30 000 Euro zu Buche. Zudem braucht man am Dach eine leistungsfähigere Entwässerung. Um auf Nummer sicher zu gehen, kam die Idee auf, die Dachfläche künftig durch ein Monitoring-System technisch zu überwachen, um schnell festzustellen, wenn Wasser eintritt.

In der Vergangenheit hat der Stadtrat die höheren Sanierungskosten immer wieder beschlossen, zuletzt erst im Januar 2021, weil unter anderem eine Sprinkleranlage in dem Gebäude falsch eingebaut worden war. Alle rechtlichen Möglichkeiten, beteuerte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) damals, habe man ausgelotet. Aber die Stadt stehe mit den Kosten alleine da. Jetzt machte Böck nur nach einer kurzen Darstellung der Fakten klar, dass man um die Dachsanierung der Einfachhalle sowie der Attika der Gymnastikhalle und des Lichtgrabens nicht umhin komme. "Wir können, wir müssen zu einer Beschlussfassung kommen."

Dabei ist Unterschleißheim mittlerweile dabei, wegen Steuerausfällen durch die Corona-Krise sämtliche Kosten zu hinterfragen. Denn Spielraum gebe es im Haushalt 2021 nicht mehr, sagte Böck, der einen Nachtragshaushalt im Lauf des Jahres für unausweichlich hält. Die Mehrkosten für das Ballhausforum sollen indirekt durch Einsparungen beim Bauvorhaben auf dem Esso-Grundstück reingeholt werden. Dort sind von 2022 bis 2024 in der mittleren Finanzplanung 17,5 Millionen Euro vorgesehen. Lediglich 200 000 Euro sind davon heuer eingeplant.

Das Projekt gilt als ein Lieblingsvorhaben auch der CSU, die immer wieder darauf hinweist, dass die Bürger auf der prominenten Brache an der Bezirksstraße in Lohhof Fortschritte erwarteten. Auf dem städtischen Areal an der Einkaufsstraße soll ein Gebäude mit Seniorenwohnungen, Café und Geschäftsräumen entstehen. Infrage gestellt hat das Projekt noch niemand.

© SZ vom 28.04.2021/hilb
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