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Baierbrunn:"Sie sind ein Störfallbetrieb"

Der Peroxid-Hersteller, der heute United Initiators heißt, ist seit 1911 in Pullach Höllriegelskreuth ansässig.

(Foto: Claus Schunk)

Dem Werksleiter von United Initiators schlägt Kritik an den Expansionsplänen der Chemiefirma entgegen

Von Udo Watter, Baierbrunn

Die zapfige Atmosphäre korrespondierte nicht unbedingt mit der explosiven Thematik. "Frisch ist es hier", sagte Kai Eckloff, Werkleiter des Pullacher Chemieunternehmens United Initiators, zu Beginn seiner Stellungnahme in der ambitioniert gelüfteten Grundschulturnhalle, in welcher der Baierbrunner Gemeinderat coronabedingt seine Sitzungen abhält.

Die Stimmung, die ihm entgegenschlug, war zwar nicht so frostig wie die Raumtemperatur, aber er musste doch diverse kritische Fragen beantworten und Sorgen zu entkräften suchen, welche die Gemeinderäte umtrieben im Zusammenhang mit den Ausbauplänen bei dem in Pullach-Höllriegelskreuth ansässigen Unternehmen. Die Angst, mit der massiven Erweiterung der Lagerungskapazität von Chemikalien - United Initiators gehört zu den weitweit führenden Herstellern von organischen Peroxiden - von jetzt knapp 1000 auf dann 1600 bis 1800 Tonnen steige auch die Gefahr eines Störfalls, bewegt ja nicht nur die Pullacher Bürger. Auch in den Nachbargemeinden Grünwald, wo sich die Firmenvertreter schon kritischen Fragen stellten, und Baierbrunn gibt es jede Menge Unsicherheit und Skepsis, insbesondere bei den Anwohnern am Höllriegelskreuther Weg, der nur rund 400 Meter entfernt vom relevanten Gelände ist.

Explosionen seien ausgeschlossen, versicherte Eckloff. Die Peroxide, die in Pullach hergestellt und gelagert werden, könnten allenfalls brennen, nicht aber explodieren, da sie dazu fest verpackt sein müssten, was nicht der Fall sei. Dass es diverse Störfälle im Unternehmen gegeben habe - den letzten größeren 2002, wurde thematisiert. Seither habe man aber rund 250 Millionen Euro in Sicherheitsvorkehrungen investiert, so Eckloff. Auch ein Brand sei daher unwahrscheinlich. Eckloff, dem der Pullacher Bauamtsleiter Jürgen Weiß bei der Vorstellung zur Seite stand, versuchte auch, die Angst vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen, Lärmbelastung und Geruchsbelästigung zu zerstreuen.

Der Pullacher Gemeinderat hat die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens beschlossen und steht den Ausbauplänen der Firma mit rund 350 Arbeitsplätzen grundsätzlich positiv gegenüber. Die Baierbrunner Gemeinderäte schätzten das Zustandekommen des Gesprächs - Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) hatte noch angemerkt, dass "die Kommunikation des Unternehmens nach außen zunächst suboptimal" gewesen sei. Doch sie hakten nach. Christine Kammermeier (SPD) hätte gerne mehr über die Gutachten gewusst und sagte: "Sie sind ein Störfallbetrieb. Und ein Störfallbetrieb ist explosiv." Peter Tilmann (Grüne) verlieh seiner Bitte Ausdruck, "die Bürger mitzunehmen." Eine Gelegenheit dazu bietet sich am kommenden Montag bei einer Online-Bürgerinformationsveranstaltung, an der man über www.publicdialogue-unitedinitiators.de teilnehmen kann.

Der Baierbrunner Gemeinderat beschloss, sich weiter über die relevanten Verfahren zur Änderung und Neuaufstellung des Flächennutzungs- sowie Bebauungsplanes "Industriegebiet Gustav-Adolph-Straße" informieren zu lassen. Die Gemeinde Pullach forderte er auf, für die betroffenen Anwohner in Baierbrunn eine Informationsveranstaltung zu realisieren - oder diese, wenn das nicht möglich ist, einzeln schriftlich zu informieren.

In der ersten Fassung war ein falscher Internet-Link zu der Online-Veranstaltung angegeben.

© SZ vom 03.12.2020
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